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Melezitose: Ursachen, Risiken und praktische Maßnahmen im Imkereibetrieb

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Melizitose ist kein Fehler des Waldhonigs, sondern ein natürlicher Zucker bestimmter Honigtau-Trachten. Problematisch wird sie vor allem dann, wenn der Honig schon in den Waben kristallisiert oder wenn solche Vorräte im Winter im Brutraum bleiben. Der Artikel erklärt Herkunft, Mechanismen und praktische Konsequenzen für Ernte und Überwinterung.

Melezitose: Ursprünge, Risiken und praktische Handhabung am Bienenstand

0. Einleitung: Wann wird Melezitose zum Problem?


Ziel: die zentrale Fragestellung des Beitrags einführen und zeigen, dass Melezitose an sich kein Mangel ist, sondern in zwei konkreten Situationen problematisch wird: bei der Ernte und bei der Überwinterung.

Melezitose wird am Bienenstand häufig mit dem Begriff «Zementhonig» in Verbindung gebracht. Diese Assoziation ist nicht falsch, aber unvollständig. Melezitose ist an sich kein Mangel des Honigs: Sie ist ein natürlicher Bestandteil bestimmter Honigtautrachten, und ihre praktische Bedeutung hängt vollständig vom Kontext ab. Kritisch wird sie vor allem in zwei klar voneinander zu unterscheidenden Situationen: wenn der Honig vor der Schleuderung in den Waben kristallisiert, und wenn melezitosereiche Vorräte zur Überwinterung im Brutraum verbleiben (Imdorf et al., 1985).

Für die Ernte ist also nicht allein die Anwesenheit von Melezitose entscheidend, sondern ihre Auswirkung auf Geschwindigkeit und Intensität der Kristallisation in den Waben. Solange die Tracht rechtzeitig erkannt und die Schleuderung vor dem Zementieren der Waben erfolgt, bedeutet Melezitose nicht automatisch einen Ernteverlust. Das Problem tritt dann auf, wenn die Kristallisation so weit fortgeschritten ist, dass das Schleudern erschwert und schliesslich unmöglich wird (Imdorf et al., 1985).

Die zweite Situation betrifft die Überwinterung. Die Schweizer Arbeiten nach der Tracht von 1984 zeigten, dass Völker, die auf einem stark melezitosehaltigen Honig überwinterten, hohe Verluste, Ruhr-Anzeichen und eine schwierige Frühjahrsentwicklung aufweisen konnten (Imdorf et al., 1985). Neuere Arbeiten helfen, dieses Risiko zu verstehen: Bei Bienen, die mit melezitosereichen Futterlösungen gefüttert wurden, beobachtete man eine erhöhte Futteraufnahme, ein schwereres Darmsystem, Darmsymptome und eine geringere Überlebensrate, insbesondere unter Bedingungen mit eingeschränkter Kotabgabe wie im Winter (Seeburger et al., 2020).

Zwei Fehlinterpretationen sind daher zu vermeiden. Die erste wäre, das Problem auf eine reine Frage des Waldhonigs zu reduzieren. Die zweite wäre, ein reales Risiko für das Volk zu unterschätzen.

Der vorliegende Beitrag geht deshalb von einer einfachen Frage aus: Ab wann wird Melezitose zu einem konkreten imkerlichen Problem? Zur Beantwortung muss man zunächst verstehen, was Melezitose ist und woher sie in der Waldtracht stammt, um dann klar zwischen ihren möglichen Auswirkungen auf die Ernte und auf die Überwinterung zu unterscheiden. Gerade diese Unterscheidung erlaubt es, am Bienenstand sachgerecht zu entscheiden, ohne unnötig zu dramatisieren, aber auch ohne die tatsächlichen Risiken zu unterschätzen (Imdorf et al., 1985; Seeburger et al., 2020; Seeburger et al., 2022).

1. Was ist Melezitose?


Melezitose ist ein Feststoff, der bei etwa 153 °C schmilzt und in heissem Wasser löslich ist. Ihre molare Masse beträgt 504,44 g/mol, die chemische Formel lautet C18H32O16.

Ziel: Melezitose einfach definieren und zeigen, dass es sich um einen natürlichen Zucker bestimmter Honigtautrachten handelt, der im Rahmen der Umwandlung des Pflanzensaftes durch das Insekt entsteht und anschliessend von den Bienen zu Honig verarbeitet wird.

Melezitose ist ein Trisaccharid, also ein aus drei Einheiten aufgebauter Zucker. Sie kommt vor allem in bestimmten Honigtautrachten und in den daraus entstehenden Honigtauhonigen vor. Sie ist also weder eine Verunreinigung noch ein nach der Ernte entstandener Mangel, sondern ein natürlicher Bestandteil bestimmter Waldtrachten (Seeburger et al., 2020; Seeburger et al., 2022).

Zum besseren Verständnis ist vom Phloemsaft auszugehen. Honigtauerzeugende Insekten, insbesondere bestimmte Blattläuse und Schildläuse, ernähren sich von diesem saccharosereichen Saft. Beim Durchgang durch ihren Verdauungstrakt wird ein Teil dieser Saccharose in andere Zucker umgewandelt, unter anderem in Melezitose. Der ausgeschiedene Honigtau wird dann von den Bienen eingetragen und zu Honig verarbeitet (Seeburger et al., 2022; Shaaban et al., 2020).

Wichtig ist, dass Melezitose nicht einfach als «Baumzucker» zu verstehen ist. Vergleiche zwischen Phloemexsudaten und Honigtau zeigen, dass die Exsudate der untersuchten Bäume keine Trisaccharide enthalten, während der Honigtau sehr wohl welche enthält, insbesondere Melezitose und Erlose. Melezitose entsteht also vor allem im Zuge der Umwandlung des Pflanzensaftes durch das honigtauerzeugende Insekt (Shaaban et al., 2020).

Für die Imkerin oder den Imker lässt sich Melezitose somit einfach definieren: Sie ist ein natürlicher Zucker bestimmter Honigtautrachten, der im Zusammenspiel zwischen Baum, honigtauerzeugendem Insekt und anschliessend der Biene entsteht. Ihr Vorkommen bedeutet nicht automatisch, dass ein Honig problematisch ist; sie wird aber dann wichtig, wenn sie die Kristallisation in den Waben oder die Eignung der Vorräte als Winterfutter beeinflusst (Imdorf et al., 1985; Shaaban et al., 2020).

2. Woher stammt die Melezitose in der Waldtracht?


Honigtauerzeugende Blattläuse an einem Zweig von Picea abies (Cinara pruinosa oder Cinara stroyani).

Ziel: aufzeigen, dass das Melezitose-Risiko vor allem von den honigtauerzeugenden Insekten und den Bedingungen des jeweiligen Jahres abhängt, und nicht allein davon, dass es sich um eine Waldtracht handelt.

Melezitose tritt nicht in allen Honigtautrachten gleichmässig auf. Sie hängt zunächst von den honigtauerzeugenden Insekten an den Bäumen ab und anschliessend von den Bedingungen, unter denen sie sich ernähren. Zwei Waldbestände, die für die Imkerin oder den Imker vergleichbar erscheinen, ergeben also nicht zwangsläufig das gleiche Melezitose-Risiko, auch wenn beide zu einer sogenannten «Waldtracht» gehören (Shaaban et al., 2020; Seeburger et al., 2022).

Arbeiten, die verschiedene Honigtauerzeuger auf Abies alba und Picea abies verglichen haben, zeigen, dass die Zuckerzusammensetzung des Honigtaus stärker von der Hemipterenart als vom Wirtsbaum abhängt. In der Studie von Shaaban et al. (2020) variierten die Melezitosegehalte deutlich je nach Art: Einige mit der Fichte assoziierte Arten wie Cinara piceae und Cinara pilicornis zeigten deutlich höhere Anteile als andere Honigtauerzeuger, während weitere Arten, auch auf der Tanne, Profile mit mehr Erlose als Melezitose aufwiesen. Für die Praxis am Bienenstand bedeutet das: Vor zu einfachen Kurzschlüssen wie «Tanne = das» oder «Fichte = jenes» ist zu warnen. Ausschlaggebend sind vor allem die tatsächlich anwesenden Honigtauerzeuger, die das künftige Honigprofil prägen (Shaaban et al., 2020).

Auch die Witterungsbedingungen spielen eine wichtige Rolle. In der Untersuchung von Seeburger et al. (2022), die 620 Honigtauproben in Süddeutschland umfasste, waren höhere Temperaturen und geringere relative Luftfeuchte mit einer verstärkten Melezitoseproduktion verbunden. Die Autoren interpretieren dieses Ergebnis im Zusammenhang mit der Wasserversorgung der Wirtsbäume: Verfügt der Baum über weniger Wasser, wird der Phloemsaft konzentrierter, was bei den honigtauerzeugenden Insekten offenbar eine verstärkte Umwandlung der Saccharose in Oligosaccharide wie Melezitose begünstigt. Melezitose tritt somit bevorzugt in Kontexten von Wärme, relativer Trockenheit und eingeschränkter Wasserverfügbarkeit auf (Seeburger et al., 2022).

Im untersuchten mitteleuropäischen System erwiesen sich die mit der Fichte assoziierten Blattlausarten als besonders bedeutsam für melezitosereiche Honigtaue. Das bedeutet nicht, dass die Fichte allein die Melezitose erzeugt oder dass jede Fichtentracht zum «Zementhonig» führt. Vielmehr scheinen bestimmte Kombinationen aus Fichte, honigtauerzeugenden Arten und warm-trockenen Bedingungen hohen Melezitosegehalten zuträglicher zu sein als andere Konstellationen (Shaaban et al., 2020; Seeburger et al., 2022).

Für die Imkerei ergibt sich daraus eine wichtige praktische Folgerung: Eine Risikotracht lässt sich weder auf eine Baumart noch auf das allgemeine Etikett «Waldhonig» reduzieren. Sie resultiert aus dem Zusammenspiel zwischen der Art des Honigtaus, den anwesenden Insekten, der Witterung des Jahres und der Geschwindigkeit, mit der sich die Situation in den Waben entwickelt. Deshalb verlaufen manche Jahre ohne besondere Schwierigkeiten, während andere innerhalb weniger Tage in eine problematische Kristallisation kippen (Imdorf et al., 1985; Seeburger et al., 2022).

Zum Weiterlesen

Kasten 1 — Wie erzeugen Blatt- und Schildläuse Melezitose?

Honigtau enthält neben Glukose, Fruktose und Saccharose Oligosaccharide wie Melezitose und Erlose, die durch Umwandlung der Saccharose im Verdauungstrakt des Insekts entstehen (Shaaban et al., 2020).

Melezitose ist stets derselbe Zucker, ihr Anteil variiert jedoch stark je nach Erzeugerart. Auf der Fichte liefert Cinara piceae die melezitosereichsten Honigtaue mit durchschnittlich rund 48 ± 13 %, gefolgt von Cinara pilicornis mit 36 ± 8 %. Physokermes piceae liegt deutlich niedriger bei 13 ± 9 %, Physokermes hemicryphus bei rund 2 ± 5 %. Auf der Weisstanne blieben auch die beiden untersuchten Cinara-Arten, Cinara pectinatae und Cinara confinis, bei rund 2 ± 2 % Melezitose (Shaaban et al., 2020).

Mit anderen Worten: Einige Arten erzeugen einen melezitosedominierten Honigtau, andere hingegen ein Profil mit höherem Saccharose- oder Erloseanteil. Deshalb können sich zwei Waldtrachten am Bienenstand sehr unterschiedlich verhalten, selbst wenn beide von Nadelbäumen stammen. Die Zusammensetzung des Honigtaus hängt also zuerst vom Insekt ab und nicht allein vom Wirtsbaum (Shaaban et al., 2020).

3. Wann wird Melezitose zum Problem für die Ernte?


Ziel: aufzeigen, ab wann Melezitose ein konkretes Problem für die Ernte wird, und dabei diesen Mechanismus von anderen schnellen Kristallisationen abgrenzen, insbesondere bei bestimmten glukosereichen Frühtrachten.

Für die Ernte lautet die Frage nicht, ob ein Honig Melezitose enthält oder nicht, sondern inwieweit diese Melezitose den Honig in den Waben kristallisieren lässt. Solange der Honig schleuderbar bleibt, stellt ihr Vorhandensein an sich kein grösseres Problem für die Produktion dar. Der praktische Umschlagpunkt ist erreicht, wenn die Kristallisation so weit fortgeschritten ist, dass die Schleuderung stark erschwert und schliesslich verhindert wird (Imdorf et al., 1985).

In der klassischen Schweizer Literatur bezeichnet der Begriff «Zementhonig» genau diese Situation: einen in den Waben kristallisierten Honigtauhonig, der oft nicht mehr normal zu schleudern ist. Die Autoren weisen darauf hin, dass der Honig ab einem Melezitosegehalt von etwa 10 bis 12 % in den Zellen kristallisiert, und dass der Kristallisationsgrad mit steigendem Gehalt zunimmt (Imdorf et al., 1985). Dieser Hinweis ist als praktischer Richtwert am Bienenstand nützlich: Er besagt nicht, dass ein leicht melezitosereicher Honig zwangsläufig verloren ist, sondern dass das Risiko einer Wabenblockade ab diesem Wert zu steigen beginnt und besonders hoch wird, wenn der Gehalt sich 20 % nähert oder überschreitet – ein Niveau, bei dem die Waben rasch zementieren können.

Es sind jedoch zwei Kristallisationsmechanismen zu unterscheiden. In manchen Honigtauhonigen beruht die rasche Kristallisation vor allem auf einem hohen Melezitosegehalt. In zahlreichen Blütenhonigen hingegen hängt sie eher von einem hohen Glukosegehalt und einem niedrigen Fruktose-Glukose-Verhältnis ab. Der Fall des Rapshonigs ist klassisch, und Löwenzahn kann in die gleiche Richtung gehen. Mit anderen Worten: Ein Honig kann rasch kristallisieren, ohne melezitosereich zu sein. Diese Unterscheidung ist am Bienenstand wichtig, insbesondere bei bestimmten Frühtrachten: In diesen Fällen betrifft das Risiko vor allem die Handhabung und den Zeitpunkt der Schleuderung, nicht die winterliche Gesundheit der Bienen.

Neuere Arbeiten weisen in die gleiche Richtung. Seeburger et al. (2022) erinnern daran, dass Honige mit mindestens 20 % Melezitose rasch kristallisieren und die Waben so weit verstopfen können, dass sie nicht mehr schleuderbar sind. In dieser Logik ist das imkerliche Problem also nicht allein das Vorhandensein dieses Zuckers, sondern die Kombination aus Anteil, Kristallisationsgeschwindigkeit und Eingriffszeitpunkt der Imkerin oder des Imkers (Seeburger et al., 2022).

Daraus folgt eine wichtige praktische Konsequenz: Ein melezitosereicher Honigtauhonig kann für die Ernte noch verwertbar bleiben, wenn er rechtzeitig erkannt und geschleudert wird, bevor die Waben zementieren. Wartet man hingegen zu lange, kann die Lage rasch entgleiten und eine wirtschaftlich interessante Tracht in eine nur schwer oder gar nicht mehr schleuderbare Ernte verwandeln (Imdorf et al., 1985; Seeburger et al., 2022).

Es sind daher zwei Ebenen zu unterscheiden. Auf der ersten Ebene gehört Melezitose schlicht zum Zuckerprofil bestimmter Honigtauhonige. Auf der zweiten wird sie zum Bewirtschaftungsproblem, sobald die Kristallisation in den Honigzargen oder in den Waben des Brutraums fortschreitet. Diese zweite Ebene ist für die Imkerei entscheidend: Es geht nicht darum, einen melezitosereichen Honigtauhonig grundsätzlich zu verurteilen, sondern darum zu wissen, ab wann sich das Erntefenster schliesst (Imdorf et al., 1985).

Terminologische Einordnung

Kasten 2 — Das Zuckerprofil bestimmt das Verhalten des Honigs

Honige unterscheiden sich nicht nur nach botanischer Herkunft, sondern auch nach ihrem Zuckerprofil. Ein Blütenhonig wird von Monosacchariden dominiert, vor allem von Fruktose und Glukose. Ein Honigtauhonig enthält im Durchschnitt weniger Monosaccharide und dafür mehr Di-, Tri- und andere Oligosaccharide. Melezitose gehört zu diesen komplexeren Zuckern: Sie ist ein Trisaccharid und somit eine besondere Form von Oligosaccharid (Shaaban et al., 2020; Seeburger et al., 2020). Nicht die Komplexität der Zucker allein erklärt die Kristallisation, sondern das Vorhandensein bestimmter schwer löslicher Zucker, insbesondere der Melezitose.

In den auf Abies alba und Picea abies analysierten Exsudaten findet sich hauptsächlich Saccharose mit Glukose und Fruktose. Im Honigtau hingegen wird die Zusammensetzung komplexer: Zu den Monosacchariden kommen Disaccharide und vor allem Trisaccharide wie Melezitose und Erlose hinzu. Der Unterschied liegt also nicht allein in der Gesamtzuckermenge, sondern in der Natur der dominierenden Zucker (Shaaban et al., 2020).

Die Gegensätze zwischen den Arten können sehr ausgeprägt sein. Auf der Fichte enthielt der Honigtau von Cinara piceae im Mittel 48 % Melezitose, 34 % Fruktose und 11 % Saccharose. Bei Cinara pilicornis fanden sich 36 % Melezitose, 25 % Fruktose und 30 % Saccharose. Umgekehrt blieb bei Cinara pectinatae auf der Weisstanne die Melezitose niedrig (2 %), während die Saccharose auf 51 % und die Erlose auf 15 % stieg (Shaaban et al., 2020).

Diese Zuckerkomplexität hilft, einen am Bienenstand oft widersprüchlichen Punkt zu verstehen. Viele Honigtauhonige mit geringem Melezitosegehalt kristallisieren langsamer als zahlreiche Blütenhonige. Wird die Melezitose hingegen hoch, ändert sich das Verhalten: Der Honig kann dann sehr schnell kristallisieren, oft bereits in den Waben. Diese Geschwindigkeit der Kristallisation – und weniger die globale Zuckerkomplexität – lässt die Ernte kippen (siehe § 3 für die praktischen Richtwerte).

Blütenhonig und Waldhonig dürfen also nicht einfach gegeneinander gestellt werden. Der eigentliche Umschlagpunkt ist das Zuckerprofil und genauer der Anteil der Melezitose darin. Ein Honigtauhonig mit geringem Melezitosegehalt bleibt oft handhabbar und verwertbar. Ein melezitosereicher Honigtauhonig bleibt ein vollwertiger Naturhonig, wird aber deutlich heikler im Umgang, wenn seine Zusammensetzung eine rasche Kristallisation in den Waben begünstigt oder wenn er als Winterfutter im Brutraum verbleibt (Imdorf et al., 1985; Oberreiter & Brodschneider, 2020).

Vereinfachte Richtwerte
Honigtyp Vereinfachtes Profil Typisches Verhalten
Blütenhonig viel Fruktose und Glukose, wenig Oligosaccharide Kristallisation variabel je nach Fruktose-Glukose-Verhältnis
Honigtauhonig mit geringem Melezitosegehalt weniger Monosaccharide, mehr Oligosaccharide, oft höherer Mineralstoffgehalt kristallisieren oft langsamer als zahlreiche Blütenhonige
Melezitosereicher Honigtauhonig ein bedeutender Anteil der Oligosaccharide besteht aus Melezitose rasche Kristallisation, oft bereits in den Waben

4. Warum wird Melezitose für die Überwinterung heikler als für die Ernte?


Ziel: erklären, warum ein melezitosereicher Honig vor allem dann ein Überwinterungsproblem darstellen kann, wenn er als Hauptvorrat im Brutraum verbleibt, während das Ernterisiko einer anderen Logik folgt.

Die Hauptschwierigkeit der Melezitose ist bei der Ernte und im Winter nicht dieselbe. Bei der Ernte ist das Problem vor allem mechanisch: Der Honig kristallisiert in den Waben und lässt sich nur schwer schleudern. Bei der Überwinterung geht es um eine andere Frage: ob diese Vorräte für die Bienen während einer Zeit, in der Reinigungsflüge selten oder unmöglich sind, nutzbar und verträglich bleiben (Imdorf et al., 1985; Seeburger et al., 2020).

Die Schweizer Feldbeobachtungen beschreiben diese Situation deutlich. Am Versuchsbienenstand Wohlei erlitten Völker, die ohne zusätzliche Sirupgabe auf melezitosereichen Vorräten überwintert wurden, hohe Winterverluste mit Ruhr-Anzeichen und stark geschwächter Auswinterung. In der anschliessend bei den Imkerinnen und Imkern durchgeführten Umfrage stiegen die Verluste deutlich mit dem Melezitosegehalt des Winterfutters: Sie blieben gering, wenn der Reservehonig unter 10 % lag, waren aber deutlich höher über diesem Wert und nochmals höher jenseits von 20 % (Imdorf et al., 1985).

Neuere experimentelle Arbeiten helfen zu verstehen, warum. In Käfigversuchen zeigten Bienen, die mit melezitosereichen Futterlösungen gefüttert wurden, eine höhere Aufnahme, ein erhöhtes Verhältnis zwischen Darmgewicht und Körpergewicht, ausgeprägte Darmsymptome und eine verringerte Überlebensrate. Die Autoren führen diese Effekte auf eine erschwerte Verdauung der Melezitose und ihre Anreicherung im Enddarm zurück, was besonders ungünstig wird, wenn die Bienen ihre Ausscheidungen nicht regelmässig per Flug abgeben können (Seeburger et al., 2020).

Die Felddaten weisen in die gleiche Richtung, ohne alles zu vermengen. In der österreichischen COLOSS-Umfrage mit 33 651 Völkern war Honigtau generell nicht mit erhöhten Winterverlusten assoziiert, während Imkerinnen und Imker, die eine Melezitosetracht meldeten, höhere Verluste berichteten. Diese Nuance ist wichtig: Nicht der Waldhonig als solcher scheint problematisch zu sein, sondern bestimmte melezitosereiche Honigtausituationen, insbesondere wenn sie mit der Überwinterung interferieren (Oberreiter & Brodschneider, 2020).

Im ersten Fall geht es vor allem um die Honigrückgewinnung. Im zweiten stehen das Überleben und die Qualität der Auswinterung des Volkes auf dem Spiel (Imdorf et al., 1985; Seeburger et al., 2020).

Physiologie

Kasten 3 — Warum stellt Melezitose für die Bienen ein Verdauungsproblem dar?

Melezitose ist ein Trisaccharid: ein aus drei miteinander verbundenen Zuckereinheiten aufgebautes Molekül. Um resorbiert zu werden, muss sie zunächst von den Verdauungsenzymen in einfachere Einheiten gespalten werden. Bei der Biene kann sie zumindest teilweise abgebaut werden, wird aber schlechter verwertet als die üblichen Honigzucker wie Glukose, Fruktose oder Saccharose. Ein Teil scheint intakt zu bleiben oder nur unvollständig umgewandelt zu werden, was ihre wirksame physiologische Nutzung begrenzt (Seeburger et al., 2020).

Der wahrscheinlichste Mechanismus ist keine mechanische Verstopfung durch Kristalle, sondern eine Darmretention. Wenn Melezitose in grösseren Mengen aufgenommen wird, kann sie sich im Enddarm schneller anreichern, als sie vollständig verarbeitet werden kann. Die Versuche zeigen dann eine erhöhte Futteraufnahme, ein steigendes Darm-Körpergewichtsverhältnis, ausgeprägte Verdauungssymptome und eine erhöhte Sterblichkeit. Auch das Darmmikrobiom, insbesondere die Milchsäurebakterien, ist verändert, was darauf hinweist, dass die Schwierigkeit sowohl die Biene als auch ihr intestinales mikrobielles System betrifft (Seeburger et al., 2020).

Im Sommer kann dieses Problem begrenzt bleiben, solange die Bienen Reinigungsflüge unternehmen können. Im Winter hingegen wird die Darmretention deutlich ungünstiger, da die Ausscheidungen nicht regelmässig abgegeben werden können. Deshalb können Völker, die sich im Sommer normal zu verhalten scheinen, dennoch hohe Winterverluste erleiden, wenn ihre Vorräte stark melezitosehaltig sind: Das Problem ist in der Saison nicht akut, wird aber chronisch, sobald Reinigungsflüge nicht mehr möglich sind (Seeburger et al., 2020; Imdorf et al., 1985).

5. Was ist konkret am Bienenstand zu tun?

 

Ziel: die Ergebnisse in konkrete Entscheidungen am Bienenstand übersetzen: die Tracht überwachen, rechtzeitig schleudern, die Risikovorräte im Brutraum reduzieren und die Honigrückgewinnung klar vom normalen Aufbau der Winterreserven trennen.

Am Bienenstand lautet die erste Regel, die Frage der Ernte klar von der der Überwinterung zu trennen. Ist eine melezitosereiche Honigtautracht noch im Gange, besteht die Hauptaufgabe darin, die Entwicklung der Waben zu beobachten und das Schleuderfenster nicht zu verpassen. Befinden sich hingegen bereits kristallisierte Vorräte gegen Saisonende im Brutraum, geht es um die Sicherheit der Überwinterung. In beiden Fällen verschärft zu langes Zuwarten die Lage: entweder blockieren die Honigzargen oder der Brutraum bleibt mit für den Winter wenig geeigneten Vorräten belastet (Imdorf et al., 1985; Seeburger et al., 2022).

Solange die Ernte noch möglich ist, muss also in Reaktionsgeschwindigkeit gedacht werden. Eine melezitosereiche Tracht ist nicht zwangsläufig verloren, kann aber rasch in eine störende Kristallisation in den Waben kippen. In diesem Kontext besteht das umsichtigste Vorgehen darin, Füllgeschwindigkeit und Aussehen der Waben genau zu beobachten und zu schleudern, bevor der Honig eindeutig nicht mehr schleuderbar wird. Es ist das Fortschreiten der Kristallisation in den Waben und nicht allein das Vorhandensein von Melezitose, das aus einer guten Honigtautracht ein technisches Problem werden lässt (Imdorf et al., 1985; Seeburger et al., 2022).

Wenn bereits melezitosereicher Honigtauhonig in den Waben des Brutraums eingelagert wurde, hat die Verringerung des Anteils dieser Vorräte im künftigen Winterbrutnest Priorität. Die Schweizer Arbeiten von Imdorf et al. (1985) kommen zum Schluss, dass dieser Honig soweit möglich vor der Einfütterung zu entfernen ist. Die Autoren weisen auch darauf hin, dass es sinnvoll sein kann, leere Waben einzusetzen oder bestimmte volle Waben zu ersetzen, um die Chance zu erhöhen, dass der Sirup dort eingelagert wird, wo die Bienen tatsächlich überwintern werden. In ihrer Umfrage waren die Verluste deutlich geringer, wenn die Völker mehr als 8 Liter Sirup 1:1 erhalten hatten; daraus leiteten sie den praktischen Richtwert von mindestens rund 10 Litern Sirup 1:1 pro Volk zur Verringerung des Melezitoserisikos ab. Dieser Punkt darf jedoch nicht mit der insgesamt für die Überwinterung notwendigen Futtermenge verwechselt werden, die gesondert zu bemessen ist – in Abhängigkeit von der Volksstärke, dem Beutensystem und den örtlichen Praxisempfehlungen. In den üblichen Praxisrichtwerten liegt der vollständige Aufbau der Winterreserven in einer anderen Grössenordnung; in den ApiService-Schemata werden eher rund 16 bis 20 kg Vorräte angestrebt.

Wenn der Honig bereits zu stark kristallisiert ist, um normal geschleudert zu werden, gilt das Rücktragen durch die Bienen in den Schweizer Arbeiten von Imdorf et al. (1985) als die interessanteste Lösung. Die Waben mit «Zementhonig» werden dann aufgeritzt oder geöffnet und den Völkern so zurückgegeben, dass die Bienen einen Teil des Inhalts mobilisieren und an anderer Stelle umlagern können. Die Autoren beschreiben diese Methode als die beste Möglichkeit, einen Teil des Honigs noch zu retten, zeigen aber auch ihre Grenzen auf: Der Vorgang kann langsam verlaufen, die Aggressivität der Völker kann zunehmen, und der Ertrag bleibt variabel. Sie haben zudem gezeigt, dass ein bedeutender Teil der in diesem Prozess ausgeschiedenen Kristalle fast ausschliesslich aus Melezitose bestand (Imdorf et al., 1985). Weitere Verfahren erlauben es ebenfalls, einen Teil des Honigs zurückzugewinnen, ihre Auswirkungen sind jedoch nicht dieselben. Die Auflösung mit Wasser bringt vor allem ein hohes Gärungsrisiko sowie eine Qualitätsminderung durch den erhöhten Wassergehalt mit sich. Die Rückgewinnung durch starkes Erhitzen, insbesondere im Entdeckelungsschmelzer, beeinträchtigt die Enzymaktivität deutlich und kann Geschmack, Wassergehalt und Konformität des Produkts verändern. Im von Agroscope dargestellten Schweizer Rahmen gilt der im Entdeckelungsschmelzer gewonnene Honig nicht mehr als «naturbelassener Honig aus guter imkerlicher Praxis» und muss als Backhonig verwendet oder verkauft werden (Kast et al., 2025).

Zum Weiterlesen

Kasten 4 — Wie trägt die Biene einen melezitosereichen Honigtau ein und verarbeitet ihn?

Die Biene trägt den Honigtau ein, transportiert ihn in ihrem Honigmagen, übergibt ihn an andere Arbeiterinnen, konzentriert ihn und lagert ihn als Honig ein. Diese Umwandlung lässt das Problem jedoch nicht verschwinden: Melezitose wird deutlich langsamer abgebaut als Saccharose, die ihrerseits fast vollständig in Glukose und Fruktose invertiert wird (Imdorf et al., 1985).

Wenn Zementhonigwaben den Völkern zurückgegeben werden, kann ein Teil des Inhalts mobilisiert und erneut bearbeitet werden. In den Schweizer Versuchen sank ein Honig, der anfänglich rund 20 % Melezitose enthielt, nach dem Rücktragen durch die Bienen auf 5–8 %. Diese Arbeit bleibt aber unvollständig und variiert je nach Volk und Bedingungen stark (Imdorf et al., 1985).

Ein Teil der grossen Kristalle wird nicht wirklich wieder in Umlauf gebracht. In einem Rücktragungsversuch enthielten die unter einer aufgeritzten Wabe abgefallenen Kristalle 92,8 % Melezitose. Das bedeutet, dass ein bedeutender Anteil der am schwierigsten zu handhabenden Fraktion als nahezu reine Kristalle ausgeschieden und nicht in den Honig reintegriert wird (Imdorf et al., 1985).

6. Was ist zu merken

Ziel: in wenigen einfachen Richtwerten zusammenfassen, was eine Anfängerin oder ein Fortgeschrittener merken muss, um eine Risikotracht zu erkennen und die kostspieligsten Fehler bei Ernte wie bei Überwinterung zu vermeiden.

  • Melezitose ist an sich kein Mangel. Sie ist ein natürlicher Zucker bestimmter Honigtautrachten. Das Problem beginnt vor allem dann, wenn der Honig rasch in den Waben kristallisiert oder wenn diese Vorräte als Winterfutter im Brutraum verbleiben.
  • Nicht alle Waldhonige bergen das gleiche Risiko. Das Ergebnis hängt vom honigtauerzeugenden Insekt, vom Wirtsbaum und von den Bedingungen des Jahres ab, insbesondere bei warmer und trockener Witterung.
  • Für die Ernte ist der Zeitpunkt entscheidend. Ein melezitosereicher Honig kann noch geerntet werden, wenn man früh genug eingreift. Wartet man zu lange, können die Waben rasch zementieren.
  • Für die Überwinterung sind diese Vorräte aus dem Brutraum fernzuhalten. Die eigentliche Gefahr ist nicht der Waldhonig im Allgemeinen, sondern melezitosereiche Honigtauvorräte, die am falschen Ort und zum falschen Zeitpunkt verbleiben.
  • Am Bienenstand bleibt die Vorgehensweise einfach: Risikotrachten überwachen, bei fortschreitender Kristallisation unverzüglich schleudern, den Anteil melezitosereicher Waben im Winterbrutnest verringern und die Winterreserven anschliessend normal nach den üblichen Praxisrichtwerten aufbauen.
  • Kurz gesagt: Die richtige Frage lautet nicht «Ist es Waldhonig?», sondern «Droht dieser Honig nun die Ernte zu blockieren oder die Überwinterung zu erschweren?»

Siehe auch:

 

Bibliographie

Imdorf, A., Bogdanov, S., & Kilchenmann, V. (1985). «Zementhonig» im Honig- und Brutraum – was dann? 1. Teil: Wie überwintern Bienenvölker auf Zementhonig? Schweiz. Bienenztg., 108(10), 534–544.

Imdorf, A., Bogdanov, S., Kilchenmann, V., & Wille, H. (1985). «Zementhonig» im Honig- und Brutraum – was dann? 2. Teil: Wirkt «Zementhonig» als Winterfutter toxisch? Schweiz. Bienenztg., 108(11), 581–590.

Oberreiter, H., & Brodschneider, R. (2020). Austrian COLOSS Survey of Honey Bee Colony Winter Losses 2018/19. Diversity, 12(3), 99. https://doi.org/10.3390/d12030099

Seeburger, V. C., D'Alvise, P., Shaaban, B., Schweikert, K., Lohaus, G., Schroeder, A., & Hasselmann, M. (2020). The trisaccharide melezitose impacts honey bees and their intestinal microbiota. PLOS ONE, 15(4), e0230871. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0230871

Seeburger, V. C., Shaaban, B., Schweikert, K., Lohaus, G., Schroeder, A., & Hasselmann, M. (2022). Environmental factors affect melezitose production in honeydew from aphids and scale insects. Journal of Apicultural Research, 61(1), 127–137. https://doi.org/10.1080/00218839.2021.1957350

Shaaban, B., Seeburger, V., Schroeder, A., & Lohaus, G. (2020). Sugar, amino acid and inorganic ion profiling of the honeydew from different hemipteran species feeding on Abies alba and Picea abies. PLOS ONE, 15(1), e0228171. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0228171

Kast, C., Droz, B., Rietveld, L., & Fracheboud, M. (2025). Melezitosehonig: Konsequenzen für den Imker; Einfluss von Wärme auf die Honigqualität. Weiterbildungskurs für Bienengesundheitsberater und Betriebsprüfer, Zentrum für Bienenforschung, Agroscope, 1. März 2025.

Autor
Serge Imboden; Claude Pfefferlé et Gianluca Gatti
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