Das Wachs als Bestandteil der Propolis
Rohpropolis wird im Handel weit verbreitet verwendet; in der Regel wird ihr Gehalt an Bienenwachs extrahiert, entfernt oder gegebenenfalls an die Imker zurückgegeben. Der Wachsanteil der Propolis variiert zwischen 16 und 80 %. Wäre ihre Zusammensetzung besser bekannt, ließe sich erwägen, dieses Wachs in denselben Anwendungen einzusetzen wie natives Bienenwachs. Die industrielle Nutzung dieses zurückgewonnenen Wachses umfasst die Herstellung von Kerzen, Schutzüberzüge für Käse sowie Anwendungen in der pharmazeutischen und kosmetischen Galenik.
In einem kürzlich im „Journal of Apicultural Research“ veröffentlichten Artikel haben neuseeländische Forschende die Zusammensetzung dieses aus Propolis gewonnenen Wachses sehr detailliert analysiert (unter anderem mittels Gaschromatographie). Die untersuchten Proben waren dem nativen Bienenwachs sehr ähnlich, was darauf hindeutet, dass sie vorteilhaft für Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden könnten (Gelatinekapseln, Arzneikapseln, Glasuren und Lebensmittelzusatzstoffe sowie verschiedene Kaugummis).
Zusammensetzung einfacher Lipide und Kohlenwasserstoffe im neuseeländischen Propoliswachs
Propolis ist ein komplexes Gemisch pflanzlicher Harze und von den Bienen zugesetztem Wachs. Der Wachsanteil kann stark variieren und wird bei der industriellen Verarbeitung häufig vom Harz getrennt. Für das neuseeländische Propoliswachs fehlten bislang detaillierte Daten zur chemischen Zusammensetzung. Ziel der Untersuchung war daher die Charakterisierung der neutralen Lipidfraktion dieses Wachses und der Vergleich mit klassischem Bienenwachs.
Die Analyse erfolgte mittels Dünnschichtchromatographie, Festphasenextraktion sowie Gaschromatographie und GC-MS. Die Ergebnisse zeigen, dass das Propoliswachs überwiegend aus Wachsestern besteht, ergänzt durch langkettige Kohlenwasserstoffe, freie Fettsäuren sowie geringe Mengen freier Fettalkohole und Spuren von 1-O-Alkylglycerolen. Der Gesamtanteil der Wachsester liegt bei rund drei Vierteln der Masse, Kohlenwasserstoffe machen etwa ein Siebtel aus, freie Fettsäuren etwas mehr als ein Zehntel.
Die Wachsester setzen sich hauptsächlich aus gesättigten, nicht hydroxylieren Fettsäuren und Fettalkoholen zusammen. Zusätzlich treten mono-hydroxylierte Fettsäuren – insbesondere ω-2- und ω-3-hydroxylierte Palmitinsäurederivate – auf. Nicht hydroxylierte Fettsäuren umfassen Kettenlängen von 16 bis 36 Kohlenstoffatomen, hydroxylierte von 14 bis 26 Kohlenstoffatomen. Etwa ein Zehntel der nicht hydroxylieren Fettsäuren ist einfach ungesättigt, während ungesättigte hydroxylierte Fettsäuren nur in Spuren nachweisbar sind. Die alkoholischen Komponenten der Wachsester sind überwiegend gesättigt und enthalten meist 24 bis 34 Kohlenstoffatome. Polyhydroxylierte Fettsäuren wurden nicht nachgewiesen.
Das Kohlenwasserstoffprofil wird vor allem von ungeradzahligen, langkettigen gesättigten und einfach ungesättigten Verbindungen dominiert. Auch die freien Fettsäuren sind überwiegend langkettig und gesättigt. Insgesamt entspricht das chemische Muster in hohem Maße dem von Honigwaben-Bienenwachs, was darauf hinweist, dass die Hauptkomponenten überwiegend bieneneigenen Ursprungs sind.
Die Ähnlichkeit zur Zusammensetzung von Bienenwachs eröffnet potenzielle Nutzungsmöglichkeiten des Propoliswachses, etwa in Lebensmittelanwendungen, als Überzugsmittel oder als Ausgangsstoff für die Gewinnung langkettiger Fettalkohole („Policosanol“). Zudem könnten die nachgewiesenen hydroxylieren Fettsäuren aufgrund ihrer besonderen Struktur auch biologisch relevante Eigenschaften besitzen. Zusammenfassend zeigt die Studie, dass neuseeländisches Propoliswachs chemisch stark dem klassischen Bienenwachs ähnelt und daher funktionell vergleichbar einsetzbar sein könnte.
Artikel auf Englisch lesen: „Simple lipids and hydrocarbons of New Zealand propolis wax“
Mehr erfahren:
- Propolis
- Merkblatt: 4.1.1 Propolis im Bienenvolk
- Bienenwachs – ein sehr wertvolles Gut
- Wachsproduktion der Bienen
- Verunreinigungen von Bienenwachs


