Zucht von F1-Königinnen
Gute imkerliche Praxis: Jeder Imker sollte versuchen, einige Königinnen zu züchten, um die Qualität seines Bestandes zu erhalten und zu verbessern. In diesem kleinen Kurs versuche ich, Ihnen eine Methode der Königinnenzucht vorzustellen, die einige Kniffe aus der Produktion von Gelée royale aufgreift. Dieses Verfahren erfordert nur geringe Investitionen, und es geht keine Königin verloren.
F1-Königinnenzucht ohne Verlust der Alt-Königin: Praxisorientiertes Verfahren mit Starter und Finisher
Die vorgestellte Methode beschreibt eine F1-Königinnenzucht, die mit geringem Materialaufwand durchgeführt werden kann und ohne Verlust der bestehenden Königin auskommt. Ziel ist es, die genetische Qualität des eigenen Bestandes zu erhalten oder gezielt zu verbessern, insbesondere hinsichtlich Sanftmut, Leistungsfähigkeit, Krankheits- und Varroaresistenz sowie Schwarmträgheit. Das Verfahren kombiniert klassische Umlarvtechnik mit Elementen aus der Gelée-Royale-Produktion und trennt klar zwischen Starter- und Finisherphase.
Die Zucht beginnt mit der Vorbereitung eines weisellosen Starters am Tag J-1. In eine gut belüftete Ablegerkiste werden junge Bienen aus mehreren Brutwaben eingeschlagen, ergänzt durch Pollen- und Honigwaben sowie ein angefeuchtetes Leerwabenstück zur Feuchteregulierung. Der Starter wird verschlossen und kühl gestellt, um einen starken Pflegeimpuls zu erzeugen. Entscheidend ist, dass keine Königin eingetragen wird. Die hohe Dichte junger Ammenbienen und das Weisellosigkeitsgefühl sichern eine gute Annahme der später eingehängten Larven.
Am Tag J erfolgt das Umlarven. Aus einer selektionierten Zuchtkönigin werden möglichst junge Larven – nicht älter als 24 Stunden – in künstliche Weiselnäpfchen umgesetzt. Optional kann ein Tropfen Gelée Royale zur Annahmeverbesserung dienen. Der Zuchtrahmen wird in den Starter eingesetzt und verbleibt dort etwa 24 Stunden unter kühlen Bedingungen.
Am Folgetag (J+1) wird der Starter mit einer starken Pflegekolonie vereinigt, ohne deren Königin zu verlieren. Dazu wird das Wirtschaftsvolk mit einem Absperrgitter in zwei Bereiche geteilt. Der weisellose Teil erhält den Zuchtrahmen und übernimmt als Finisher die weitere Pflege der Weiselzellen. Ab diesem Zeitpunkt sollte das Volk bis zur Verdeckelung nicht mehr gestört werden. Bei Trachtmangel wird zugefüttert, bei starker Tracht wird durch Wabenmanagement Wildbau verhindert.
Am fünften Tag nach dem Umlarven (J+5) werden die verdeckelten Weiselzellen mit Schutzkäfigen („Bigoudis“) gesichert. Diese verhindern, dass eine früh schlüpfende Königin die übrigen Zellen zerstört. Zwischen dem sechsten und neunten Tag sind die Zellen besonders empfindlich und sollten nicht bewegt werden.
Ab Tag J+10 werden Begattungseinheiten vorbereitet. Kleine Kästchen werden mit etwa 150 g behandelten Jungbienen besetzt, mit Futterteig versorgt und zunächst kühl gestellt. Am Tag J+11 wird jeweils eine reife Weiselzelle eingesetzt. Nach weiterer Kellerhaft werden die Einheiten an einen begattungssicheren Standort gebracht, idealerweise mit ausgewählter Drohnensättigung.
Zwischen Tag J+25 und J+35 erfolgt die Kontrolle der Eiablage. Bei erfolgreicher Begattung wird die Königin gezeichnet. Der beigefügte Kalender strukturiert die einzelnen Arbeitsschritte von der Startervorbereitung (J-1) bis zum Beginn der Eiablage übersichtlich über einen Zeitraum von rund vier Wochen.
Zusammenfassend bietet die Methode ein klar strukturiertes, praxistaugliches Verfahren zur F1-Königinnenzucht, das sowohl genetische Selektion als auch Bestandssicherung ermöglicht, ohne die Wirtschaftskönigin zu opfern. Die konsequente Einhaltung des Zeitplans und eine sorgfältige Trennung der Funktionsphasen sind zentrale Erfolgsfaktoren.
Mehr erfahren:
- Grundlagen und Methoden der Königinnenzucht
- Die Wahl des Königinnentyps (F0 oder F1?)
- Ablegerbildung und Königinnenzucht
- Die Drohnenzucht
- Königinnenzucht in der Carnica-Population: Genetik, Selektion und Praxis


