Wildbienen in der Schweiz: Lebensweise, Bedeutung, Gefährdung und Schutz

Deutsche Wespe (Vespula germanica) | Feldwespe | Garten | Haus-Feldwespe (Polistes dominula) | Insekten | Insektensterben | Nest | Polistes | Polistinae | Sommer | Wabe | allergie | angst | artensterben | beine | bestäubung | blütenpflanzen | gefahr | gif
© Lothar Lenz lotharlenz@gmx.de
Dieser Artikel bietet einen leicht verständlichen Überblick über die wichtigsten Herausforderungen im Zusammenhang mit Wildbienen in der Schweiz. Eine ausführlichere Darstellung mit wissenschaftlichen Details, Quellenangaben und weiteren Ausführungen zu Ökologie, Bedrohungen und Schutzmassnahmen finden Sie im Hauptartikel. Diese gekürzte Fassung fasst die wesentlichen Punkte in einem praxisorientierten Format zusammen.
Zusammenfassung
Wildbienen bilden in der Schweiz eine sehr artenreiche Gruppe, die sich von der Honigbiene durch ihre Lebensweise, ihre ökologischen Ansprüche und ihre Schutzbedürfnisse grundlegend unterscheidet. Die meisten Arten sind solitär und einjährig; sie sind eng auf eine Kombination aus Blütenangebot, Neststandorten und geeigneten Landschaftsstrukturen angewiesen.
Die Schweiz beherbergt mit 632 inventarisierten Arten, von denen 575 aktuell nachgewiesen sind, eine bemerkenswerte Vielfalt. Diese Diversität ist ökologisch bedeutsam, insbesondere für die Bestäubung von Wildpflanzen und Kulturen, geht jedoch auch mit einer ausgeprägten Gefährdung einher: Ein erheblicher Anteil der Arten ist auf der Roten Liste der Schweiz verzeichnet.
Der Rückgang der Wildbienen ist hauptsächlich auf den Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen, die Verknappung von Wirtspflanzen und Nistsubstraten sowie die Vereinfachung der Landschaft zurückzuführen. Ihr Schutz erfordert daher einen funktionalen Habitatansatz, der auf botanischer Vielfalt, struktureller Heterogenität der Lebensräume, räumlicher Nähe zwischen Nestern und Blüten sowie einer langfristig angepassten Bewirtschaftung beruht.
1. Einleitung: Warum Wildbienen wichtig sind
|
Im öffentlichen Diskurs verweist das Wort «Biene» meistens auf die Honigbiene (Apis mellifera). Diese Fokussierung verdeckt jedoch eine weit umfassendere biologische Realität. Weltweit sind rund 20 000 Bienenarten beschrieben, und allein in der Schweiz sind 632 Arten inventarisiert, von denen 575 aktuell nachgewiesen sind. |
Wildbienen tragen zum Funktionieren der Ökosysteme bei, indem sie zahlreiche Wildpflanzen und bestimmte Kulturen bestäuben. Ihre funktionale Diversität – Körpergrösse, Flugzeit, Sammelverhalten, Blütenspezifität – macht ihren Beitrag komplementär zu jenem der Honigbiene.
Die Situation in der Schweiz ist besorgniserregend: Die neue Rote Liste zeigt, dass 45,4 % der bewerteten Arten gefährdet sind und 59 auf nationaler Ebene als ausgestorben gelten. Dieser Befund macht eine klare Unterscheidung zwischen Wildbienen und Honigbiene notwendig: Eine Zunahme der Bienenvölker verbessert die Situation der Wildbienenarten nicht automatisch.
2. Was sind Wildbienen?
|
Im schweizerischen und europäischen Kontext bezeichnet der Begriff «Wildbienen» alle Bienen ausser der in der Imkerei gehaltenen Honigbiene, einschliesslich der Hummeln. Es handelt sich um eine für Ökologie und Naturschutz nützliche funktionale Kategorie und nicht um einen eigenständigen taxonomischen Rang. |
Biologisch gehören Bienen zur Gruppe der Anthophila und leiten sich von räuberischen Apoidea-Wespen ab. Ihre wichtigste evolutionäre Neuerung besteht in der Verwendung von Pollen zur Ernährung der Larven. Pollen wird nicht nur von den adulten Tieren aufgenommen, sondern aktiv gesammelt, transportiert und im Nest für die Versorgung der Brut gespeichert.
Die grosse Mehrheit der Schweizer Arten ist solitär: Ein befruchtetes Weibchen baut sein Nest allein, sammelt Vorräte und legt ohne die Hilfe von Arbeiterinnen Eier. Hummeln bilden einen Sonderfall mit sozialen, jedoch einjährigen Völkern, die sich von den dauerhaften Völkern der Honigbiene grundlegend unterscheiden.
Das Verständnis dieser Vielfalt an Lebensweisen ist unabdingbar, um nicht das bekannte Modell des Bienenstocks auf alle Bienen zu übertragen.
3. Diversität der Wildbienen
|
Die Diversität der Wildbienen erschöpft sich nicht in der Artenzahl. Sie ist auch taxonomisch, morphologisch, verhaltensbiologisch, phänologisch und biogeografisch. In der Schweiz verteilen sich die 632 inventarisierten Arten auf sechs Familien, darunter Andrenidae, Halictidae, Megachilidae und Apidae. |
Diese Vielfalt zeigt sich in Körpergrösse, Behaarung, Pollensammelstrukturen, Flugzeiten, Nistverhalten und Spezialisierungsgraden. Einige Arten sind Generalisten und vergleichsweise tolerant, während andere von sehr engen ökologischen Bedingungen abhängen.
Der Artenreichtum der Schweiz erklärt sich teilweise durch die Überlagerung starker Höhen-, Klima- und Biogeografiegradienten auf engem Raum. Die inneralpinen Trockentäler, insbesondere im Wallis und in Teilen Graubündens, gehören zu den bedeutendsten Diversitätszentren.
Demgegenüber sind stark intensivierte oder urbanisierte Landschaften oft artenärmer und werden von häufigen Arten dominiert. Die Dokumentation dieser Vielfalt ist schwierig, da viele Arten unauffällig sind und spezialisierte taxonomische Fachkenntnis erfordern.
4. Lebens- und Entwicklungszyklen
Foto: Brutzelle von Andrena vaga mit Pollenbrot und Ei. © Albert Krebs |
Unter den gemässigten Bedingungen der Schweiz ist der Jahreszyklus die allgemeine Regel. Nach dem Schlupf paaren sich die Adulten; anschliessend bauen die Weibchen ihr Nest, versorgen die Zellen mit Pollen und Nektar, legen Eier und sterben vor dem Schlupf der nächsten Generation. |
Die meisten Arten sind univoltin, das heisst, sie bringen nur eine Generation pro Jahr hervor. Die auf Blüten sichtbare Adultenphase ist oft kurz, während der Hauptteil des Zyklus über mehrere Monate im Nest stattfindet.
Wie bei Hymenopteren allgemein folgt die Geschlechtsbestimmung einem haplodiploiden System: Weibchen entstehen aus befruchteten, Männchen aus unbefruchteten Eiern. Bei vielen solitären Arten schlüpfen Männchen vor den Weibchen – ein gut dokumentiertes Protandrie-Phänomen.
Die Larvenernährung beruht auf einem zentralen Prinzip: Jede Zelle wird vollständig versorgt, bevor das Ei abgelegt wird. Diese Organisation macht Wildbienen während der kurzen Fortpflanzungsphase besonders empfindlich gegenüber Störungen des Blütenangebots oder der Niststandorte.
Hummeln und einige Halictidae zeigen Formen der Sozialität, ihre Völker bleiben jedoch einjährig. Auch hier handelt es sich um ein biologisches Modell, das sich grundlegend von jenem der Honigbiene unterscheidet.
5. Nistweise und Nistökologie
|
Bei Wildbienen stellt die Nistökologie einen der Kernbereiche der Fortpflanzungsbiologie dar. Das Nest ist nicht bloss ein Unterschlupf: Es ist der Ort der Eiablage, der Larvalentwicklung und häufig der Überwinterung und damit ein entscheidender Faktor für den Erhalt der Populationen. |
Die Mehrheit der Arten nistet im Boden. Sie nutzen verschiedene Substrate: sandige oder lehmige Böden, Böschungen, gut exponierte Hänge, Wegränder oder Pionierstandorte. Die Ansprüche sind jedoch fein und hängen von Textur, Feuchte, Verdichtung, Exposition und Vegetationsbedeckung ab.
Andere Arten nutzen vorhandene Hohlräume in Totholz, hohlen Stängeln, markgefüllten Stängeln, alten Mauern oder anderen Spalten. Auch hier spielen Durchmesser, Tiefe, Ausrichtung und Mikroklima der Hohlräume eine wichtige Rolle.
Manche Spezialisierungen sind sehr ausgeprägt, etwa bei Osmia-Arten, die in Schneckenhäusern nisten. Der innere Ausbau der Zellen verwendet ebenfalls spezifische Materialien: Erde, Schlamm, Harz, Blattstücke, Blütenblätter oder Pflanzenhaare.
Die räumliche Nähe zwischen Nest und Blütenangebot ist eine zentrale ökologische Randbedingung: Je länger die Sammelentfernungen werden, desto höher werden die Fortpflanzungskosten. Insektenhotels können bestimmten höhlennistenden Arten helfen, decken aber nur die Bedürfnisse einer Minderheit der Wildbienenarten ab; die Mehrheit ist vor allem auf natürliche Substrate angewiesen.
6. Bienen–Blüten-Beziehungen und trophische Spezialisierung
|
Die Beziehungen zwischen Wildbienen und Blüten lassen sich nicht auf den blossen Besuch blühender Pflanzen reduzieren. Entscheidend ist der Pollen, der tatsächlich zur Ernährung der Larven gesammelt wird. Eine Art kann bei der Beobachtung der Blütenbesuche als Generalistin erscheinen, während sie für die Brutversorgung biologisch spezialisiert bleibt. |
In der Literatur werden klassischerweise polylektische Arten, die Pollen von vielen Pflanzengruppen sammeln, von oligolektischen Arten unterschieden, die auf ein enges Spektrum an Wirtspflanzen spezialisiert sind. In der Schweiz spielt diese Spezialisierung eine bedeutende Rolle für die Gefährdung der Arten.
Unter den nicht parasitischen, in dieser Hinsicht bewerteten Arten sind 33,2 % oligolektisch. Der Anteil gefährdeter Arten ist bei Spezialisten deutlich höher als bei Generalisten. Diese Beziehung bedeutet nicht, dass jede Spezialisierung an sich ein Nachteil ist, aber sie schränkt die Ausweichmöglichkeiten stark ein, wenn Wirtspflanzen seltener werden.
Experimentelle Arbeiten zeigen überdies, dass sich bestimmte spezialisierte Bienen auf Nicht-Wirtspollen nicht normal entwickeln, selbst wenn dieser reichlich vorhanden ist. Trophische Spezialisierung ist daher nicht nur eine Verhaltensfrage: Sie kann auch auf feinen physiologischen, morphologischen und sensorischen Einschränkungen beruhen.
Daraus folgt, dass eine blütenreiche Landschaft nicht zwingend ein gutes Habitat darstellt. Die konkrete botanische Zusammensetzung, die Präsenz der relevanten Wirtspflanzen und deren Nähe zu den Niststandorten sind entscheidend.
7. Bedeutung der Wildbienen als Bestäuber
|
Die Bedeutung der Wildbienen als Bestäuber kann nur erfasst werden, wenn zwei Vereinfachungen vermieden werden: sie auf eine Nebenrolle zu reduzieren oder davon auszugehen, dass die Honigbiene sie ohne funktionalen Verlust ersetzen könnte. |
In natürlichen Lebensräumen tragen sie zur Aufrechterhaltung der Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Bestäubern bei und fördern die Fortpflanzung zahlreicher Blütenpflanzen. Bei Kulturen sind die Befunde besonders belastbar: Wildbestäuber erhöhen den Fruchtansatz (Der Fruchtansatz ist die erste Phase der Fruchtbildung. Dies ist der Zeitpunkt, an dem sich der Fruchtknoten der Blüte nach der Befruchtung in eine Frucht verwandelt) unabhängig von der Häufigkeit der Honigbiene (Garibaldi et al., 2013).
Diese Komplementarität erklärt sich durch die Vielfalt der biologischen Merkmale von Wildbienen: unterschiedliche Flugzeiten, Aktivität unter verschiedenen Witterungsbedingungen, Zugang zu komplexen Blüten und je nach System unterschiedliche Bestäubungseffizienz.
Die Artenvielfalt hat auch einen eigenständigen Wert, da sie die Stabilität der Bestäubungsleistung im Zeitverlauf stärkt. In der Schweiz stellt die Insektenbestäubung einen realen ökologischen und wirtschaftlichen Faktor dar, auch wenn die genaue Zuordnung des Beitrags jeder Gruppe je nach Kultur noch uneinheitlich quantifiziert ist.
8. Gefährdungen der Wildbienen
|
Die Situation der Wildbienen in der Schweiz ist besorgniserregend. Die aktuellste Rote Liste bewertet 615 Arten: 279 davon, also 45,4 %, sind auf der Roten Liste eingetragen, und 59 gelten auf nationaler Ebene als ausgestorben. |
Diese Situation betrifft nicht alle Arten gleichermassen. Oligolektische Arten, bodenbrütende Arten, spät im Jahr fliegende Arten sowie solche, die an enge Mikrohabitate gebunden sind, erscheinen besonders gefährdet.
Der Verlust und die Degradierung von Lebensräumen sind der am besten belegte Faktor. Die Intensivierung der Landwirtschaft, die Vereinheitlichung der Landschaft sowie das Verschwinden von Hecken, Brachen, Böschungen, Extensivwiesen und anderen naturnahen Strukturen reduzieren gleichzeitig das Blütenangebot und die Niststandorte.
Hinzu kommen weitere Belastungen: Urbanisierung und Bodenversiegelung, Pestizidexposition, mögliche Übertragung von Krankheitserregern aus gehaltenen Völkern sowie die Auswirkungen des Klimawandels. Diese Faktoren wirken nicht isoliert; sie überlagern sich, und ihr genaues Gewicht variiert je nach Lebensraum, Region und Artengilde.
9. Habitatansprüche: Was Wildbienen brauchen
|
Ein funktionaler Lebensraum für Wildbienen ist kein bloss blütenreicher Hintergrund. Er muss in einem ökologisch kohärenten Raum drei Ressourcentypen vereinen: ein diversifiziertes und kontinuierliches Blütenangebot, geeignete Niststandorte sowie eine räumliche Organisation, die es erlaubt, diese Ressourcen in für die Biologie der Arten verträglichen Entfernungen zu verknüpfen. |
Für bodenbrütende Arten bedeutet dies insbesondere durchlässige Flächen, Zonen mit offenem oder spärlich bewachsenem Boden, gut exponierte Böschungen und Pionierstandorte. Für höhlennistende Arten braucht es Totholz, hohle oder markgefüllte Stängel, alte Mauern und andere geeignete Mikrostrukturen.
Die räumliche Nähe zwischen Nestern und Blüten ist entscheidend. Experimentelle Arbeiten haben gezeigt, dass zunehmende Sammelentfernungen den Fortpflanzungserfolg mehrerer solitärer Bienenarten erheblich senken (Zurbuchen et al., 2010). Die allgemeine ökologische Logik ist damit klar, auch wenn kein einheitlicher Schwellenwert für alle Arten gilt.
Extensivwiesen, Blühstreifen, Hecken, Waldränder, Ruderalfluren und Übergangszonen sind besonders wichtig, wenn sie in ein ausreichend dichtes und vernetztes Landschaftsgefüge eingebettet sind. Die Habitatqualität ergibt sich somit auf der Ebene des Netzwerks und des Mosaiks, nicht aus einer isolierten Einzelmassnahme.
10. Die Honigbiene als besonderes Thema: Nutzen, Grenzen, Konkurrenz
|
Die Honigbiene nimmt in einem Artikel über Wildbienen eine besondere Stellung ein. Sie ist für die Imkerei wichtig, trägt zur Bestäubung bestimmter Kulturen bei und besitzt einen realen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wert. |
Dieser Nutzen bedeutet jedoch nicht, dass sie die funktionale Vielfalt der Wildbestäuber ersetzen könnte. Verfügbare Arbeiten zeigen im Gegenteil, dass Wildinsekten die Bestäubungsleistung unabhängig von der Häufigkeit der Honigbiene erhöhen.
Die Überschneidung bei Blütenressourcen zwischen Apis mellifera und Wildbienen ist gut dokumentiert, reicht aber nicht aus, um demografisch bedeutsame Konkurrenz nachzuweisen. Die vorliegenden Befunde sind heterogen und hängen stark vom Kontext ab: Völkerdichte, Ressourcenverfügbarkeit, Lebensraumtyp und betroffene Arten. Die Übersichtsarbeit von Mallinger et al. (2017) zeigt genau diese Variabilität der Effekte.
In bestimmten naturnahen oder geschützten ressourcenarmen Lebensräumen können hohe Dichten gehaltener Völker einzelne Komponenten der Wildbienengemeinschaft beeinträchtigen. In anderen Kontexten, insbesondere im urbanen Raum bei reichlichem Angebot, scheint die Koexistenz einfacher.
Die Übertragung von Krankheitserregern stellt eine weitere Dimension des Problems dar, die sich von der Nahrungskonkurrenz unterscheidet. Das Risiko ist biologisch plausibel und teilweise dokumentiert, seine populationsbiologischen Auswirkungen sind jedoch noch uneinheitlich quantifiziert. Die robusteste Schlussfolgerung ist daher kontextabhängig: Imkerei sollte weder als generelle Lösung für Wildbienen dargestellt noch undifferenziert verurteilt werden.
11. Was kann man tun? Einige Handlungsprinzipien zur Förderung von Wildbienen
|
Das verfügbare Wissen legt nahe, dass es keine einzige Massnahme gibt, die allein in der Lage wäre, alle Wildbienen dauerhaft zu fördern. Dennoch lassen sich einige vergleichsweise robuste Handlungsprinzipien ableiten. |
Den Lebensraum funktional denken. Ein geeigneter Lebensraum definiert sich nicht nur durch reichliche Blüte, sondern durch die Kombination aus Blütenangebot, Niststandorten und einer räumlichen Organisation, die mit der Biologie der Arten vereinbar ist.
Ein vielfältiges und kontinuierliches Blütenangebot sicherstellen. Die botanische Zusammensetzung ist entscheidend. Für spezialisierte Arten zählt das tatsächliche Vorhandensein der Wirtspflanzen zum richtigen Zeitpunkt und in Nestnähe mehr als ein allgemeiner Blütenreichtum.
Echte Nistressourcen erhalten. Offene Böden, gut exponierte Böschungen, trockene Stängel, Totholz, alte Mauern und andere natürliche Mikrostrukturen haben einen zentralen Wert. Insektenhotels können diese Ressourcen ergänzen, aber nicht ersetzen.
Lebensräume extensiv und differenziert bewirtschaften. Eine zu intensive Bewirtschaftung verarmt die Ressourcen, während vollständiger Nutzungsaufgabe zur Lebensraumschliessen führen kann. Gestaffelte Eingriffe, Rückzugszonen und die Erhaltung struktureller Heterogenität erscheinen als die kohärentesten Ansätze.
Im Massstab der Landschaft denken. Massnahmen sind wirksamer, wenn Extensivwiesen, Blühstreifen, Hecken, Waldränder und Ruderalflächen sich in einem kohärenten Netz ergänzen. In inneralpinen Trockentälern liegt die Priorität oft auf dem Schutz bereits sehr reichhaltiger Lebensräume.
Massnahmen durch Monitoring begleiten. Selbst ein einfaches, zeitlich wiederholtes Monitoring – verbunden mit Beobachtungen zur Vegetation und zur Habitatstruktur – ermöglicht es, tatsächlich wirksame Massnahmen von solchen zu unterscheiden, die nur einen vorübergehenden Effekt erzielen.
Zusammenfassend setzt die Förderung von Wildbienen eine ganzheitliche Logik voraus, die auf der Komplementarität von Blüten, Nestern, Landschaftsstruktur, angepasster Bewirtschaftung und langfristiger Erfolgskontrolle beruht – und nicht auf einem einzigen, als universell präsentierten Rezept.
►Vollständigen Artikel herunterladen
Siehe auch:
- Solitäre Bienen
- Bestäuber schützen
- Blühstreifen fördern Bienen
- Apis mellifera & andere Apis
- Wie wählen Bienen den Pollen aus?
- Pollenverbrauch und Völkerentwicklung
Ausgewählte Bibliografie
Albrecht, M., & Ganser, D. (2023). Grassland extensification enhances nest densities of ground-nesting wild bees. Journal of Applied Ecology, 61(3), 521–531. https://doi.org/10.1111/1365-2664.14527
Albrecht, M., Knecht, A., Riesen, M., Rutz, T., & Ganser, D. (2021). Time since establishment drives bee and hoverfly diversity, abundance of crop-pollinating bees and aphidophagous hoverflies in perennial wildflower strips. Basic and Applied Ecology, 57, 102–114. https://doi.org/10.1016/j.baae.2021.10.003
Antoine, C. M., & Forrest, J. R. K. (2021). Nesting habitat of ground-nesting bees: A review. Ecological Entomology, 46(2), 143–159. https://doi.org/10.1111/een.12986
Casanelles-Abella, J., Fontana, S., Fournier, B., Frey, D., & Moretti, M. (2023). Low resource availability drives feeding niche partitioning between wild bees and honeybees in a European city. Ecological Applications, 33(1), e2727. https://doi.org/10.1002/eap.2727
Fürst, M. A., McMahon, D. P., Osborne, J. L., Paxton, R. J., & Brown, M. J. F. (2014). Disease associations between honeybees and bumblebees as a threat to wild pollinators. Nature, 506(7488), 364–366. https://doi.org/10.1038/nature12977
Garibaldi, L. A., et al. (2013). Wild pollinators enhance fruit set of crops regardless of honey bee abundance. Science, 339(6127), 1608–1611. https://doi.org/10.1126/science.1230200
Henry, M., & Rodet, G. (2018). Controlling the impact of the managed honeybee on wild bees in protected areas. Scientific Reports, 8, 9308. https://doi.org/10.1038/s41598-018-27591-y
Mallinger, R. E., Gaines-Day, H. R., & Gratton, C. (2017). Do managed bees have negative effects on wild bees? A systematic review of the literature. PLOS ONE, 12(12), e0189268. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0189268
Maurer, C., Sutter, L., Martínez-Núñez, C., Pellissier, L., & Albrecht, M. (2022). Different types of semi-natural habitat are required to sustain diverse wild bee communities across agricultural landscapes. Journal of Applied Ecology, 59(10), 2604–2615. https://doi.org/10.1111/1365-2664.14260
Milet-Pinheiro, P., et al. (2013). The chemical basis of host-plant recognition in a specialized bee pollinator. Journal of Chemical Ecology, 39(11–12), 1347–1360. https://doi.org/10.1007/s10886-013-0363-3
Müller, A., & Praz, C. (2024). Liste rouge des abeilles : espèces menacées en Suisse. État 2022. Office fédéral de l'environnement & info fauna.
Oertli, S., Müller, A., & Dorn, S. (2005). Ecological and seasonal patterns in the diversity of a species-rich bee assemblage. European Journal of Entomology, 102(1), 53–63. https://doi.org/10.14411/eje.2005.008
Pfiffner, L., Ostermaier, M., Stoeckli, S., & Müller, A. (2018). Wild bees respond complementarily to "high-quality" perennial and annual habitats of organic farms in a complex landscape. Journal of Insect Conservation, 22(3–4), 551–562. https://doi.org/10.1007/s10841-018-0084-6
Praz, C. J., Müller, A., & Dorn, S. (2008). Specialized bees fail to develop on non-host pollen: Do plants chemically protect their pollen? Ecology, 89(3), 795–804. https://doi.org/10.1890/07-0751.1
Praz, C. J., Müller, A., Bénon, D., Herrmann, M., & Neumeyer, R. (2023). Annotated checklist of the Swiss bees: Hotspots of diversity in the xeric inner Alpine valleys. Alpine Entomology, 7, 219–267. https://doi.org/10.3897/alpento.7.112514
Rogers, S. R., Tarpy, D. R., & Burrack, H. J. (2014). Bee species diversity enhances productivity and stability in a perennial crop. PLOS ONE, 9(5), e97307. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0097307
Senapathi, D., et al. (2021). Wild insect diversity increases inter-annual stability in global crop pollinator communities. Proceedings of the Royal Society B, 288(1947), 20210212. https://doi.org/10.1098/rspb.2021.0212
Sutter, L., Herzog, F., Dietemann, V., Charrière, J.-D., & Albrecht, M. (2017). Demande, offre et valeur de la pollinisation par les insectes dans l'agriculture suisse. Recherche Agronomique Suisse, 8(9), 332–339.
Zurbuchen, A., Cheesman, S., Klaiber, J., Müller, A., Hein, S., & Dorn, S. (2010). Long foraging distances impose high costs on offspring production in solitary bees. Journal of Animal Ecology, 79(3), 674–681. https://doi.org/10.1111/j.1365-2656.2010.01675.x
Zurbuchen, A., & Müller, A. (2012). Wildbienenschutz – von der Wissenschaft zur Praxis. Haupt.

