iManagement

Welchen Sirup für die Winterfütterung wählen?

Die Qualität der für die Winterfütterung der Bienen verwendeten Sirupe steht sehr häufig im Mittelpunkt lebhafter Diskussionen.
Welche Eigenschaften sollte ein Sirup aufweisen:

  • Eine Zusammensetzung, die dem Honig nahekommt
  • Für die Biene leicht assimilierbar
  • Geringer Energieaufwand für Umwandlung und Einlagerung
  • Gute Löslichkeit (keine Kristallisation)
  • Gute Stabilität (keine Gärung)
  • Hohe Reinheit und geeignete Viskosität

Welcher Sirup für die Wintereinfütterung? Zusammensetzung, Verdaulichkeit und praktische Konsequenzen

Die Wahl des geeigneten Futtersirups für die Wintereinfütterung ist eine zentrale, zugleich kontrovers diskutierte Frage in der Imkerei. Ein geeigneter Sirup sollte in seiner Zusammensetzung dem Honig möglichst nahekommen, für die Bienen leicht assimilierbar sein, wenig Energie für Umwandlung und Einlagerung erfordern, nicht kristallisieren, nicht fermentieren und eine stabile, reine Qualität aufweisen. Die Autoren analysieren unterschiedliche Siruptypen unter chemischen und physiologischen Gesichtspunkten und vergleichen ihre Eignung für die Überwinterung.

Zunächst wird die Zuckerchemie erläutert. Einfache Zucker wie Glukose und Fruktose sind direkt verwertbar. Komplexe Zucker wie Saccharose bestehen aus zwei Monosacchariden, während Stärke aus langen Ketten von Zuckermolekülen aufgebaut ist. Bienen wandeln Saccharose enzymatisch mithilfe von Invertase in Glukose und Fruktose um. Industrielle Sirupe entstehen durch enzymatische Hydrolyse entweder von Stärke aus Mais oder Weizen oder von Saccharose aus Zuckerrüben. Diese Reaktionen verlaufen stets unvollständig, sodass neben Einfachzuckern auch komplexere Restbestandteile im Endprodukt verbleiben können.

Stärkesirupe enthalten typischerweise kein Saccharose, dafür jedoch erhebliche Mengen an Maltose, Isomaltose, Maltodextrinen und unveränderter Stärke. Diese komplexeren Zucker sind für die Biene nur eingeschränkt verwertbar. Im Winter können nicht assimilierbare Zucker den Darm rasch füllen und zu Belastungen wie Durchfallerscheinungen führen. Zudem können Rückstände von nicht vollständig umgesetzter Stärke im Honig nachweisbar sein. In der tabellarischen Übersicht wird deutlich, dass bei bestimmten Stärkesirupen der Anteil tatsächlich verwertbarer Substanz deutlich unter der Gesamtmenge liegt.

Invertzuckersirupe aus Zuckerrüben (Saccharose) weisen eine deutlich einfachere Zusammensetzung auf. Sie enthalten im Wesentlichen Glukose, Fruktose und einen Restanteil Saccharose. Aufgrund ihrer Nähe zur natürlichen Honigzusammensetzung sind sie gut verdaulich und benötigen weniger Umwandlungsleistung durch die Bienen. Der höhere Fruktoseanteil sichert die Kristallisationsstabilität. Ihr Hauptnachteil liegt im höheren Preis.

Der klassische „Hausgemachte“ Sirup aus kristallinem Saccharose (etwa 5 kg Zucker auf 2,5 Liter Wasser) stellt eine weitere Option dar. Erfolgt die Fütterung unmittelbar nach der Honigernte, wenn noch Sommerbienen vorhanden sind, kann diese Lösung gut funktionieren. Allerdings erfordert die Umwandlung erhebliche Energie, und der höhere Wasseranteil muss von den Bienen eingedickt werden. Zudem ist die Lagerstabilität begrenzt, da der Sirup fermentationsanfälliger ist.

Die Schlussfolgerung ist differenziert: Wird früh im Jahr gefüttert, kann Saccharosesirup eine geeignete und bewährte Lösung sein. Erfolgt die Einfütterung jedoch später, wenn bereits Winterbienen vorhanden sind, ist ein zumindest teilweise invertierter Sirup vorzuziehen. Zwischen den industriellen Varianten erscheint der aus Saccharose gewonnene Invertsirup aufgrund seiner einfachen Zusammensetzung und höheren Verdaulichkeit physiologisch günstiger als stärkebasierte Produkte. Entscheidend bleibt die Kenntnis der tatsächlichen Zusammensetzung, da nur der assimilierbare Anteil letztlich zur Ernährung der Bienen beiträgt. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
 

Artikel lesen


Mehr erfahren:

Autor
R.Hummel & M.Feltin
Zurück zur Übersicht