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Was uns die natürlich überlebenden Populationen über die Varroamilbe lehren

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Die auf Gotland und später auch in anderen Regionen Europas und anderswo beobachteten natürlichen Überlebendenpopulationen haben die Auseinandersetzung mit der Varroamilbe stark geprägt. Sie zeigen, dass ein nachhaltiges Überleben ohne Behandlung durch natürliche Selektion entstehen kann, ohne sich auf einen einzigen Mechanismus oder ein übertragbares Rezept reduzieren zu lassen. Die Erkenntnisse, die sie liefern – ebenso wie die Grenzen, die sie der Interpretation auferlegen – müssen daher mit derselben Sorgfalt behandelt werden.

Warum diese Populationen für die Imkerei von so grossem Interesse sind

Seit der Einschleppung von Varroa destructor stützt sich die Imkerei weitgehend auf ein aktives Varroamanagement. Dennoch wurden einige Populationen von Apis mellifera beschrieben, die sich dauerhaft ohne Behandlung oder mit deutlich reduziertem Behandlungsdruck zu halten vermögen. Diese Fälle ziehen verständlicherweise Aufmerksamkeit auf sich, denn sie zeigen, dass ein langfristiges Überleben unter Varroadruck biologisch nicht unmöglich ist.

Das Interesse an diesen Populationen gründet jedoch nicht auf der Vorstellung einer „Wunderbiene". Ihr Wert ist vor allem wissenschaftlicher und praktischer Natur: Sie fungieren als natürliche Experimente. Sie ermöglichen es zu beobachten, welche Merkmale, welche Volksdynamiken und welche ökologischen Bedingungen dazu beitragen können, das Wachstum der Varroamilbe zu bremsen.

Für Imkerinnen und Imker in Mitteleuropa ist die richtige Frage daher nicht: „Gibt es endlich eine immunisierte Biene?", sondern vielmehr: „Was zeigen diese dokumentierten Fälle tatsächlich, und wie weit lassen sich ihre Lehren auf einen bewirtschafteten, dichten und der Rückinvasion ausgesetzten Bienenstand übertragen?"

Überlebende Population, Varroatoleranz und Resistenz – nicht alles durcheinanderwerfen

Der erste zu klärende Punkt ist terminologischer Natur. Eine natürlich überlebende Population ist weder bloss eine einzelne „starke" Linie noch ein Beweis für Immunität.

Es handelt sich um eine Gruppe von Völkern, die es in einem bestimmten Kontext schafft, den Varroabefall auf einem mit ihrer Persistenz vereinbaren Niveau zu halten.

Dieses Überleben kann auf mehreren Grundlagen beruhen, die nicht miteinander verwechselt werden sollten: einer reduzierten Reproduktion des Parasiten in der verdeckelten Brut, bestimmten Eigenschaften der Brut selbst, Verhaltensweisen der Arbeiterinnen wie Hygieneverhalten oder Recapping, einer besseren Steuerung der Volksdynamik oder einer geringeren Empfindlichkeit gegenüber den Schäden des Varroa-Virus-Komplexes. In der Praxis ist das beobachtete Überleben fast immer multifaktoriell bedingt.

Es ist daher treffender, hier von Überleben, manchmal von Varroatoleranz zu sprechen – und von Resistenz nur mit Vorsicht. Das Wort „Immunität" sollte vermieden werden: Diese Völker leben nicht ohne Varroa; sie leben mit einem günstigeren Gleichgewicht als gewöhnliche Völker.

Drei Referenzfälle – und ein nützlicher Gegenpol

Gotland in Schweden ist der emblematische Fall. Es muss jedoch daran erinnert werden, zu welchem Preis diese Entwicklung eingetreten ist: Das ursprüngliche Experiment begann mit 150 unbehandelten Völkern, und die Winterverluste erreichten sehr hohe Werte, bevor eine spätere Stabilisierungsphase einsetzte – mit rund 76 % Mortalität nach dem dritten Winter und 57 % nach dem vierten. Die danach beobachteten überlebenden Völker waren kleiner und wiesen eine geringere Varroavermehrung auf als anfällige Völker. Mit anderen Worten: Gotland veranschaulicht eine Wirt-Parasit-Anpassung unter sehr starkem Selektionsdruck – und keine einfach übertragbare Lösung.

Die von Oddie und Kollegen beschriebene norwegische Population ist für die europäische Imkerei besonders interessant, da es sich um eine bewirtschaftete, aber zum Zeitpunkt der Studie seit vielen Jahren unbehandelte Population handelt. Die Autoren beobachteten einen geringeren Befall und eine um rund 30 % reduzierte Reproduktionserfolgsrate des Varroa gegenüber lokalen anfälligen Völkern, ohne dass Grooming oder VSH allein dieses Überleben erklären konnten. Auch dieser Fall bleibt an einen lokalen Selektionskontext und spezifische Bedingungen geknüpft.

Der Fall Avignon ist im frankophonen Kontext von zentraler Bedeutung. Le Conte und Kollegen dokumentierten in Frankreich Völker, die ohne Varroabekämpfungsmassnahmen überlebten; einige Ursprungsvölker hatten mehr als 11 Jahre ohne Behandlung überlebt, und die in der Studie beobachtete mittlere Überlebensdauer betrug 6,54 ± 0,25 Jahre. Die Honigproduktion blieb jedoch mit einem Faktor von etwa 1,7 deutlich geringer als bei behandelten Völkern. Dieser Punkt ist wichtig: Überleben bedeutet nicht Abwesenheit von Kompromissen.

Der Fall Avignon muss jedoch mit Vorsicht gelesen werden. Eine spätere kritische Analyse hob hervor, dass diese Population durch natürliche Selektion allein wahrscheinlich nicht persistiert hätte: Die Varroodynamik blieb mit einem Parasitenwachstum vereinbar, und der Erhalt des Bestands stützte sich auch auf eine langfristige künstliche Selektion sowie auf die regelmässige Vermehrung der besten Völker. Auch hier handelt es sich also weniger um vollständige spontane Autonomie als um ein System, das schrittweise auf mehr Überlebensfähigkeit ausgerichtet wurde.

Arnot Forest in den USA kann eher als Gegenpol denn als direktes Modell nützlich sein. Dieser Fall verdeutlicht, wie stark die Ökologie des Standorts ins Gewicht fällt: Wildvölker, grössere Abstände zwischen Nestern, eine andere Erneuerungsdynamik, geringer Einfluss benachbarter Bienenstände. Er zeigt vor allem, dass eine Population unter sehr spezifischen Rahmenbedingungen selbsttragend werden kann – liefert aber kein direkt auf die bewirtschaftete Imkerei in Mitteleuropa übertragbares Rezept.

Was diese Populationen über die Überlebensmechanismen nahelegen


Der robusteste Befund dürfte der folgende sein: In mehreren überlebenden Populationen ist der Reproduktionserfolg des Varroa geringer als in anfälligen Völkern.

Mit anderen Worten: Der Parasit schafft es weniger gut, lebensfähige Nachkommen in der verdeckelten Brut zu produzieren. Dieses Ergebnis wurde sowohl in den schwedischen als auch in den französischen Fällen gezeigt und anschliessend für die norwegische Population bestätigt.

Neuere Arbeiten mahnen jedoch dazu, eine allzu vereinfachte Lesart zu vermeiden. Ein Teil dieser Differenz scheint von Eigenschaften der Brut selbst herrühren zu können – und nicht nur vom Verhalten der adulten Arbeiterinnen. Vergleichende Studien haben gezeigt, dass bestimmte Bruteigenschaften allein dazu beitragen können, die Varroavermehrung zu reduzieren, ohne dabei eine parallele Rolle des Verhaltens der adulten Bienen auszuschliessen.

Das Verhalten der adulten Bienen bleibt dennoch bedeutsam. Recapping, bestimmte Formen des Hygieneverhaltens und andere Koloniereaktionen können dazu beitragen, den Reproduktionszyklus des Parasiten zu stören. Die Literatur stützt jedoch nicht die Vorstellung eines einzigen, universellen und leicht messbaren Mechanismus. Es handelt sich vielmehr um ein Bündel partieller Merkmale, kombiniert mit einer volksdynamik, die mit dem Überleben vereinbar ist.

Schliesslich ist zu bedenken, dass die Varroamilbe nicht allein wirkt. Die tatsächliche Gesundheitsbelastung durch den Parasiten hängt auch vom Virusgeschehen und vom Gesamtzustand des Volkes ab. Überlebende Populationen entgehen dem Varroa nicht; sie scheinen vor allem dessen Wachstum besser einzudämmen und in manchen Fällen die Folgen länger zu tragen.

Nicht überinterpretieren

Diese Populationen rechtfertigen kein generelles „Laisser-faire". Die Tatsache, dass eine Population in einem bestimmten Kontext überlebt hat, bedeutet nicht, dass ein normaler Bienenstand in einem Gebiet mit hoher Völkerdichte die Behandlungen ohne schwerwiegende Folgen einstellen kann.

Sie beweisen nicht das Vorhandensein einer universell „resistenten" Biene. Die beobachteten Mechanismen variieren je nach Population, und ihre Wirksamkeit hängt von Klima, Landschaft, Parasitendruck, Begattungen und dem lokalen Gesundheitskontext ab.

Sie heben die Kosten der natürlichen Selektion nicht auf. In mehreren Fällen trat das Überleben erst nach starkem Selektionsdruck und erheblichen anfänglichen Verlusten auf. Für die bewirtschaftete Imkerei ist dieser Preis oft kaum tragbar – weder wirtschaftlich noch gesundheitlich.

Sie lösen das Problem der Rückinvasion nicht. In einem dichten Bienenstand kann ein scheinbar vielversprechendes Volk im Herbst von Varroas aus anderen Völkern überflutet werden. Studien haben gezeigt, dass diese Rückinvasion in den ungünstigsten Situationen mehrere Hundert, ja mehr als tausend Varroamilben pro Volk innerhalb weniger Monate betragen kann.

Welche vorsichtigen Lehren lassen sich für die bewirtschaftete Imkerei in Mitteleuropa ziehen?

Die erste Lehre lautet, dass es sich lohnt, in Begriffen der lokalen Adaptation zu denken.

Überlebende Populationen legen nahe, dass eine Selektion, die auf dauerhaft lebensfähigen Völkern in einem gegebenen Umfeld aufbaut, sinnvoller ist als die abstrakte Suche nach der allgemeingültigen „richtigen Linie".

Die zweite Lehre besteht darin, bei der Wahl der Selektionskriterien sehr vorsichtig zu sein. Die Reduzierung der Varroavermehrung ist ein vielversprechender Indikator, doch seine Messung bleibt technisch anspruchsvoll. Neuere methodische Arbeiten zeigen eine geringe Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit dieser Messungen sowie eine begrenzte Korrelation mit dem Gesamtbefall der Völker. In der Praxis bedeutet dies, dass diese Art der Bewertung eine Selektion ausrichten kann, aber weder übermässig vereinfacht noch als einziges Kriterium am Bienenstand eingesetzt werden darf.

Mit anderen Worten: Für Imkerinnen und Imker lautet die praktische Konsequenz nicht, auf einen einfachen Test zu setzen, der schnell „resistente" Völker identifizieren würde. Die Botschaft lautet vielmehr, dass eine Selektion auf Überlebensfähigkeit Zeit, einen kohärenten lokalen Kontext, rigorose Beobachtung und grosse Vorsicht bei der Ergebnisinterpretation erfordert.

Die dritte Lehre ist, dass eine realistische Strategie für die bewirtschaftete Imkerei weniger darin besteht, „die Natur zu kopieren", als darin, bestimmte Erkenntnisse in eine überlegte Betriebsführung zu integrieren: ernsthaftes Befallsmonitoring, Begrenzung von Situationen, die die Rückinvasion begünstigen, vorsichtige Selektion auf Volksvitalität sowie Wahrnehmung der gesundheitlichen Verantwortung gegenüber dem eigenen Bienenstand und der Nachbarschaft.

Überlebende Populationen sagen also nicht, dass Behandlungen nutzlos geworden sind. Sie zeigen vor allem, dass die vollständige Abhängigkeit von einer rein korrektiven Bekämpfung langfristig wahrscheinlich nicht der einzige Weg ist. Ihr Hauptbeitrag besteht darin, Ansätze für eine Imkerei zu eröffnen, die mehr Robustheit anstrebt, ohne auf gesundheitliche Sorgfalt zu verzichten.

Fazit

Natürlich überlebende Populationen zeigen, dass ein dauerhaftes Überleben gegenüber dem Varroa bei Apis mellifera möglich ist. Sie legen auch nahe, dass dieses Überleben selten auf einem einzigen Merkmal beruht. Es ergibt sich vielmehr aus einer Kombination biologischer Mechanismen, volksdynamischer Prozesse und günstiger ökologischer Bedingungen.

Für die bewirtschaftete Imkerei lautet die wesentliche Lehre daher nicht der Verzicht auf Behandlungen, sondern die Notwendigkeit, besser zu verstehen, was bestimmte Völker dauerhafter macht als andere. Diese Populationen liefern keine gebrauchsfertige Lösung. Sie dienen vielmehr als Kompass: Sie erinnern daran, dass die Varroafrage sich weder auf ein Produkt noch auf ein Kürzel noch auf einen Mythos reduziert, sondern auf das konkrete Gleichgewicht zwischen Parasit, Bienen, Umwelt und imkerlicher Praxis.


Siehe auch:

Ausgewählte Referenzen

Frey, E., & Rosenkranz, P. (2014). Autumn invasion rates of Varroa destructor (Mesostigmata: Varroidae) into honey bee (Hymenoptera: Apidae) colonies and the resulting increase in mite populations. Journal of Economic Entomology, 107(2), 508–515. https://doi.org/10.1603/EC13381

Le Conte, Y., de Vaublanc, G., Crauser, D., Jeanne, F., Rousselle, J.-C., & Bécard, J.-M. (2007). Honey bee colonies that have survived Varroa destructor. Apidologie, 38(6), 566–572. https://doi.org/10.1051/apido:2007040

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Locke, B., Le Conte, Y., Crauser, D., & Fries, I. (2012). Host adaptations reduce the reproductive success of Varroa destructor in two distinct European honey bee populations. Ecology and Evolution, 2(6), 1144–1150. https://doi.org/10.1002/ece3.248

Oddie, M. A. Y., Dahle, B., & Neumann, P. (2017). Norwegian honey bees surviving Varroa destructor mite infestations by means of natural selection. PeerJ, 5, e3956. https://doi.org/10.7717/peerj.3956

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Seeley, T. D., Tarpy, D. R., Griffin, S. R., Carcione, A., & Delaney, D. A. (2015). A survivor population of wild colonies of European honeybees in the northeastern United States: investigating its genetic structure. Apidologie, 46, 654–666. https://doi.org/10.1007/s13592-015-0355-0

van Alphen, J. J. M., & Fernhout, B. J. (2020). Natural selection, selective breeding, and the evolution of resistance of honeybees (Apis mellifera) against Varroa. Zoological Letters, 6, 6. https://doi.org/10.1186/s40851-020-00158-4

von Virag, A., Guichard, M., Neuditschko, M., Dietemann, V., & Dainat, B. (2022). Decreased Mite Reproduction to Select Varroa destructor (Acari: Varroidae) Resistant Honey Bees (Hymenoptera: Apidae): Limitations and Potential Methodological Improvements. Journal of Economic Entomology, 115(3), 695–705. https://doi.org/10.1093/jee/toac022

Autor
S. Imboden & C. Pfefferlé
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