Warum ersetzt ein Bienenvolk seine Königin?
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Ein Bienenvolk kann seine Königin aus verschiedenen Gründen ersetzen: fortgeschrittenes Alter, unzureichende Eiablage, mangelhafte Befruchtung, Verletzungen oder allgemeine Schwäche. Eine aktuelle Studie legt jedoch nahe, dass manchmal noch ein weiterer Grund hinzukommen kann: Eine schwere Virusinfektion der Königin könnte ihre Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen und ihr Pheromonsignal so stark verändern, dass dies die Ablösung der Königin begünstigt.
Eine aktuelle Studie schlägt einen plausiblen Mechanismus vor, um zumindest in bestimmten Fällen die Umweiselung bei der Honigbiene zu erklären. Die Autorinnen und Autoren zeigen, dass eine starke Virusinfektion der Königin mit einer Abnahme von Methyloleat, einer Komponente des Pheromonalsignals der Königin, sowie mit einer Reduktion der Ovariumsmasse verbunden ist. Sie legen nahe, dass eine solche Veränderung des Signals dazu beitragen kann, die Arbeiterinnen zur Aufzucht einer neuen Königin zu veranlassen.
Dieses Ergebnis ist besonders interessant, weil es drei Ebenen verknüpft, die in der Imkerei oft getrennt diskutiert werden: den Gesundheitszustand der Königin, ihre Reproduktionsphysiologie und die kollektive Reaktion des Volkes. In ihren Versuchen zeigen die Forschenden ausserdem, dass ein Gemisch aus Mandibeldrüsen-Pheromonen der Königin, ergänzt durch Methyloleat, die Aufzucht von Weiselzellen stärker hemmt als ein Gemisch ohne diesen Zusatz. Es ist jedoch zu beachten, dass dieser Versuch in weisellosen Völkern durchgeführt wurde, was das biologische Interesse der Verbindung stützt, jedoch eine direkte Verallgemeinerung auf ein Volk mit noch lebender, wenn auch geschwächter Königin einschränkt.
Frühere Arbeiten deuteten bereits darauf hin, dass bestimmte Virusinfektionen die Reproduktionsfunktion der Königin beeinträchtigen und mit einer vorzeitigen Umweiselung assoziiert sein können, insbesondere bei Chapman et al. und Gauthier et al. Die neue Studie fügt einen präziseren Kandidatenmechanismus hinzu, indem sie diese Beeinträchtigung mit einem Rückgang des Methyloleats verknüpft, einer Komponente des Pheromonalsignals der Königin. Sie reiht sich damit auch in die Kontinuität neuerer Arbeiten über Königinnenpheromone und ihren Zusammenhang mit dem Reproduktionszustand ein.
Für die Imkerin und den Imker ist der Erkenntnisgewinn klar, auch wenn diese Studie allein kein einfaches Rezept zur Vorhersage jeder Umweiselung liefert. Sie bekräftigt jedoch die Auffassung, dass eine konsequente Varroakontrolle zentral bleibt. Wenn der durch Varroa destructor begünstigte Virusdruck nicht nur die Bienen und das Volk schwächen, sondern auch die Reproduktionsfunktion und das chemische Signal der Königin beeinträchtigen kann, wird die gesundheitliche Tragweite grösser, als bisher angenommen. Mit anderen Worten: Wer die Varroamilbe bekämpft, trägt auch dazu bei, die Stabilität der Königin und die soziale Organisation des Volkes zu schützen. Diese Übertragung in die Praxis bleibt jedoch eine vorsichtige biologische Schlussfolgerung und kein direkter Nachweis, dass eine bestimmte Behandlung das Umweisselungsrisiko verringert.
Dennoch ist bei der Interpretation Vorsicht geboten. Die Autorinnen und Autoren sprechen von einem plausiblen Mechanismus, nicht von einer endgültig geschlossenen Kausalkette. Sie zeigen auch, dass eine Einschränkung der Ovarinvestition ausreicht, um den Methyloleat-Spiegel zu senken, was darauf hindeutet, dass die Arbeiterinnen möglicherweise eher auf eine Verschlechterung des Reproduktionszustands der Königin reagieren als auf die Virusinfektion selbst, isoliert betrachtet. Der genaue Mechanismus bleibt jedoch offen: Der Produktionsort des Methyloleats ist noch nicht geklärt, und andere Pheromonkomponenten könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
Originalstudie
Bibliografie
McAfee, A., Chapman, A., Alcazar Magaña, A., Marshall, K. E., Hoover, S. E., Tarpy, D. R., & Foster, L. J. (2025). Elevated virus infection of honey bee queens reduces methyl oleate production and destabilizes colony-level social structure. Proceedings of the National Academy of Sciences, 122(42), e2518975122.
Chapman, A., et al. (2024). Common viral infections inhibit egg laying in honey bee queens and are linked to premature supersedure. Scientific Reports, 14, 17285.
Gauthier, L., et al. (2011). Viruses associated with ovarian degeneration in Apis mellifera L. queens. PLoS ONE, 6, e16217.
McAfee, A., Magaña, A. A., Foster, L. J., & Hoover, S. E. (2024). Differences in honey bee queen pheromones revealed by LC-MS/MS: Reassessing the honest signal hypothesis. iScience, 27, 110906.


