Sinn und Unsinn des Einengens der Bienenvölker

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Das Einengen von Bienenvölkern wird oft als Methode verstanden, um die Bienen «warm zu halten». Tatsächlich ist die Frage differenzierter: Bienen heizen nicht die ganze Beute, sondern organisieren ein funktionales Nest rund um Brut, Wintertraube und Vorräte. Dieser Artikel zeigt, wann Einengen helfen kann — und wann es vor allem die Beobachtung durch eine zu starre Regel ersetzt.
0. Einleitung: eine komplexere Frage, als es scheint
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Diese Einleitung stellt die zentrale Frage: Ist das Einengen eine thermische Massnahme, eine Raumführung oder ein imkerlicher Reflex, der zu hinterfragen ist? |
Das Einengen der Bienenvölker gehört zu den klassischen Handgriffen der europäischen Imkerei. Je nach Beutentyp und Schule kann es darin bestehen, unbesetzte Waben zu entfernen, ein Trennschied zu setzen, das Überwinterungsvolumen zu verringern, das Flugloch einzuengen oder ein Jungvolk enger zu führen. Die am häufigsten genannte Begründung ist einfach: Das Volk verfüge so über ein Volumen, das leichter warmzuhalten sei.
Diese Erklärung ist verlockend, aber unvollständig. Ein Bienenvolk funktioniert nicht wie eine kleine Heizung in einer Kiste. Die Bienen versuchen nicht, das gesamte Volumen der Beute auf eine einheitliche Temperatur zu bringen. Sie regulieren vor allem die Brut, die Wintertraube und das unmittelbare Mikroklima des Nests. Das verfügbare Volumen kann daher von Bedeutung sein, aber nicht deshalb, weil die Bienen «alle Liter Luft» in der Beute heizen müssten.
Die Frage muss vielmehr anders gestellt werden: Entspricht das dem Volk zur Verfügung gestellte Volumen dem, was es tatsächlich besetzen, verteidigen, versorgen und organisieren kann? In dieser Perspektive ist das Einengen in erster Linie keine Heizmassnahme. Es ist ein Werkzeug der Raumführung. Es kann nützlich sein, wenn es das verfügbare Volumen an die tatsächlichen Möglichkeiten des Volkes annähert. Fragwürdig wird es, wenn es als automatische Regel angewendet wird, ohne die Volksstärke, die Jahreszeit, die verfügbare Nahrung, den Beutentyp und die Betriebsziele zu berücksichtigen.
Dieser Artikel unterscheidet drei häufig vermengte Ebenen: was die Bienen biologisch regulieren, was die Beute physikalisch vorgibt und was die Imkerin oder der Imker durch die Raumführung tatsächlich beeinflussen kann. Die wissenschaftliche Literatur liefert solide Erkenntnisse zur Thermoregulation, zum Mikroklima des Nests, zur Wintertraube, zu Luftströmungen und zur thermischen Masse der Waben. Sie ist deutlich begrenzter, wenn es darum geht, die Wirkung eines Trennschieds unter vergleichbaren imkerlichen Bedingungen direkt zu beurteilen.
1. Die Bienen heizen nicht die ganze Beute
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Dieser Abschnitt klärt die biologische Grundlage: Die Bienen regulieren vor allem die Brut, die Wintertraube und das Mikroklima des Nests – nicht das gesamte Volumen der Beute. Bild: Victor Berthelsdorf (Thermal images) |
Die erste Klärung ist biologischer Natur. Die Bienen regulieren bestimmte Zonen des Nests präzise, insbesondere die Brut. Larven und Puppen entwickeln sich korrekt in einem engen Temperaturbereich, in der Regel um 33–36 °C. Sinkt die Temperatur, steigern die Arbeiterinnen ihre Wärmeproduktion, insbesondere durch thorakale Muskel-Thermogenese, und diese Wärme wird unmittelbar in der Nähe der Brut erzeugt. Die Arbeiten von Stabentheiner, Kovac und Brodschneider zeigen, dass die Thermoregulation des Brutnests aus einer Kombination aktiver und passiver Prozesse hervorgeht: Wärmeproduktion, Bewegung der Bienen, Verteilung der Bienendichte und Austausch mit den Waben selbst (Stabentheiner et al., 2010).
Diese Regulation ist dynamisch. Bei Kälte erhöht das Volk die Wärmeproduktion und verändert die Bienendichte rund um die Brut. Bei Hitze mobilisiert es andere Verhaltensweisen: Ventilation, Wasserzufuhr, Verdunstung und Umverteilung der Bienen. Das Volk wirkt damit als Superorganismus, der die Brut trotz äusserer Schwankungen stabil zu halten vermag (Stabentheiner et al., 2021).
Im Winter, wenn die Brut fehlt oder stark reduziert ist, ändert sich die Logik. Das Volk bildet eine Wintertraube. Die Bienen an der Peripherie bilden einen dichteren Mantel, während die Bienen weiter im Zentrum aktiv durch Muskel-Thermogenese Wärme produzieren. Diese endotherme Wärmeproduktion wurde in Wintertrauben direkt nachgewiesen: Wärme produzierende Bienen sind im Kern der Traube zahlreicher und an der Oberfläche seltener (Stabentheiner et al., 2003).
Diese Beobachtungen führen zu einer für das Einengen wichtigen Schlussfolgerung: Reguliert wird nicht das Gesamtvolumen der Beute, sondern die biologisch aktive Zone des Nests. Die Luft um diese Zone kann lokal erwärmt werden, sich bewegen und Wärme transportieren. Sie ist aber nicht das Hauptziel der Thermoregulation. Das Volk versucht in erster Linie, eine lebensfähige Brut, eine funktionsfähige Traube und ein mit dem Überleben vereinbares Mikroklima aufrechtzuerhalten.
Ein schlecht angepasster Raum kann jedoch die Wärmeverluste, die Luftbewegungen, die Feuchtigkeit, die Kondensation, den Zugang zu den Vorräten und die Fähigkeit des Volkes verändern, eine kompakte Organisation aufrechtzuerhalten. Das Einengen kann den Wärmehaushalt also beeinflussen, allerdings indirekt. Nützlich wird es, wenn es dem Volk hilft, einen Zusammenhang zwischen Bienen, Brut oder Traube, Vorräten und tatsächlich besetzten Waben zu wahren. Umgekehrt: Wenn ein starkes Volk den verfügbaren Raum gut nutzt, bringt das Entfernen von Waben oder das Zusammendrängen des Nests möglicherweise keinen Nutzen und kann sogar die Erweiterung, die Einlagerung oder die Ventilation behindern.
Luft, Wärme und Feuchtigkeit: warum «weniger Volumen» nicht ausreicht, um das Einengen zu erklären
Eine Beute ist kein homogenes Luftvolumen. Sie ist ein Raum, der durch Rähmchen, Waben, Bienen, Vorräte, Boden, Deckbrett und Öffnungen strukturiert wird. Um das Einengen zu verstehen, müssen mehrere physikalische Mechanismen unterschieden werden.
Wärme wird lokal erzeugt. Die Bienen produzieren Wärme dort, wo sie benötigt wird: in oder um die Brut herum oder im Kern der Wintertraube.
Luft transportiert Wärme. Auch wenn sie nicht das Hauptziel der Thermoregulation ist, spielt die Luft eine wichtige Rolle. Erwärmte Luft kann aufsteigen, sich über den Waben bewegen, an kalten Flächen abkühlen und wieder absinken. Modelle der Luftzirkulation in Langstroth-Beuten zeigen, dass die metabolische Wärme der Bienen, die Thermoregulation der Brut und die Wabengassen die inneren Strömungen stark prägen (Sudarsan et al., 2012).
Waben und Vorräte sind nicht neutral. Eine ausgebaute Leerwabe, eine pollenhaltige Wabe, eine mit Honig gefüllte Wabe und ein Trennschied verhalten sich unterschiedlich. Mit Honig oder Futter gefüllte Waben bringen eine thermische Masse ein: Sie erwärmen und kühlen sich langsamer ab als leere Waben. Arbeiten zur thermischen Wirkung imkerlicher Praktiken zeigen, dass honiggefüllte Waben in der Beute als puffernde thermische Masse wirken können (Cook et al., 2021).
Ein Trennschied ist nicht zwangsläufig eine Isolation. Ein gewöhnliches, einfach wie eine Wabe eingehängtes Trennschied lässt häufig oben, unten oder seitlich einen Luftdurchlass offen. Es kann den Raum organisieren und die Zahl der tatsächlich zugänglichen Waben begrenzen, schliesst das Volumen aber nicht zwingend wie eine dichte Wand ab. Seine thermische Wirkung hängt daher stark von Bauart, Passgenauigkeit, Deckbrett, Boden und Volksstärke ab.
Der obere Bereich der Beute verdient besondere Aufmerksamkeit. Da warme Luft aufsteigt, können der Raum über den Waben, Spalten und die Qualität der oberen Isolation die Wärmeverluste und die Kondensation stark beeinflussen. In vielen Situationen kann die Isolation des Deckels oder die Reduktion störender Zugluft wichtiger sein als ein blosses seitliches Einengen.
Merke: Das Einengen dient nicht dazu, ein Luftvolumen zu reduzieren, das die Bienen heizen müssten. Wenn es sinnvoll ist, dient es dazu, die Organisation des Nests zu verbessern: nicht besetzte Zonen begrenzen, die Vorräte näher heranbringen, bestimmte Luftbewegungen reduzieren und dem Volk helfen, eine funktionale Einheit aus Bienen, Brut oder Traube, Waben und Nahrung aufrechtzuerhalten.
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, vom Menschen her zu argumentieren: Ein grosser, kalter Raum erscheint uns unangenehm, also müsste eine grosse Beute zwangsläufig ungünstig sein. Für die Bienen stellt sich die Frage anders. Sie suchen nicht den thermischen Komfort eines ganzen Raumes, sondern die effiziente Organisation eines Nests: Brut, Bienen, Vorräte und besetzte Waben müssen eine funktionale Einheit bilden.
2. Natürliche Höhle und moderne Beute: Volumen allein genügt nicht
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Dieser Abschnitt zeigt, weshalb sich das Volumen einer natürlichen Höhle nicht mechanisch auf eine moderne Wabenbeute übertragen lässt. |
Eine moderne Beute mit einer natürlichen Höhle zu vergleichen, ist nützlich – aber nur, wenn man eine vorschnelle Schlussfolgerung vermeidet. Bienen wählen ihr Nest nicht zufällig: Wenn ein Naturschwarm einen Standort sucht, bewerten die Spurbienen mehrere Merkmale der Höhle, darunter das Volumen. Die klassische Studie von Seeley zeigt, dass die Volumina natürlicher Nester stark variieren, viele aber im Bereich von etwa 20 bis 100 Litern liegen, mit einem modalen Volumen um die 35 Liter. In Wahltests bevorzugen die Schwärme Höhlen von 40 Litern gegenüber deutlich kleineren oder deutlich grösseren Höhlen (Seeley, 1977).
Dieses Ergebnis ist wichtig, denn es zeigt, dass das Volumen biologisch relevant ist. Die Bienen suchen weder ein minimales noch ein unbegrenztes Volumen. Sie scheinen einen Raum zu bevorzugen, der es erlaubt, ein funktionales Nest einzurichten, Vorräte anzulegen und sich zu entwickeln, ohne eine übermässig grosse Höhle besetzen zu müssen.
Diese Beobachtung bedeutet jedoch nicht, dass eine Beute schlicht ein Volumen von 35 oder 40 Litern reproduzieren sollte. Eine natürliche Höhle und eine Wabenbeute sind keine gleichwertigen Räume. In einer Baumhöhle gelangt der Schwarm in ein leeres Volumen und baut seine Waben schrittweise. Es gibt nicht von Anfang an eine Reihe ausgebauter Waben, regelmässige Wabengassen, einen freien Raum über den Wabenoberträgern, einen Gitterboden oder ein Deckbrett. Das Volk schafft sich die Struktur seines Nests selbst.
In einer modernen Beute hingegen liefert die Imkerin oder der Imker bereits eine Architektur mit: Rähmchen, ausgebaute Waben oder Anfangsstreifen, Brutraum, gegebenenfalls Honigraum, Deckbrett, Boden und Flugloch. Es zählt also nicht nur das reine Volumen, sondern auch, wie dieses Volumen strukturiert ist. Zwei Beuten mit identischem geometrischem Volumen können je nach Wandstärke, Vorhandensein ausgebauter Waben, Vorratsmenge, Luftdurchlässen und Position des Volkes im Raum sehr unterschiedliche Verhältnisse aufweisen.
Die Arbeiten von Mitchell unterstreichen diesen Unterschied zwischen natürlicher Höhle und moderner Beute zusätzlich. Von Bienen besetzte Baumhöhlen sind häufig vertikal, mit dicken Wänden und hohem Wärmewiderstand. Moderne Beuten sind in der Regel niedriger, breiter, dünnwandiger und weisen regelmässige Räume um und über den Waben auf. Diese Unterschiede verändern laut seinen Modellen die Wärmeübertragungs- und Konvektionsverhältnisse stark, insbesondere oberhalb der Waben (Mitchell, 2024).
Die Schlussfolgerung lautet also nicht, dass moderne Beuten einfach «zu gross» wären. Sie ist subtiler: Das Volumen einer Beute darf nicht als abstrakte Grösse betrachtet werden. Es wird relevant, wenn es mit der Volksstärke, der Jahreszeit, den Vorräten, den tatsächlich besetzten Waben und den physikalischen Eigenschaften der Beute in Beziehung gesetzt wird.
Für die Frage des Einengens führt dies zu einem zentralen Gedanken: Es geht nicht darum, das Volumen einer Beute mechanisch zu reduzieren, um eine natürliche Höhle nachzubilden, sondern darum, dem Volk ein funktional nutzbares Volumen anzubieten. Ein starkes Volk kann einen grossen Raum gut organisieren. Ein Jungvolk oder ein schwaches Volk hingegen kann sich einem Wabenvolumen gegenübersehen, das es nicht besetzt, nicht gut verteidigt und nicht korrekt in sein Nest integriert.
Merke: Das Volumen zählt, aber es genügt nicht. Wichtig ist vor allem das Verhältnis zwischen dem zur Verfügung stehenden Volumen, dessen Struktur und der tatsächlichen Fähigkeit des Volkes, diesen Raum zu besetzen, zu verteidigen und in seine Organisation einzubeziehen.
Geometrisches Volumen, freies Luftvolumen, funktionales Volumen: drei verschiedene Wirklichkeiten
In Diskussionen über das Einengen wird häufig vom «Volumen der Beute» so gesprochen, als handle es sich um eine einzige Grösse. In der Praxis sind mindestens drei Ebenen zu unterscheiden.
1. Das geometrische Volumen
Das ist das theoretische Innenvolumen der Beute. Es ergibt sich aus den Innenmassen: Länge × Breite × Höhe. Ein Innenraum von 50 × 50 × 30 cm entspricht beispielsweise rund 75 Litern. Dieses Volumen ist nützlich, um Beutentypen zu vergleichen oder die Grössenordnung einzuschätzen, sagt aber noch nichts darüber aus, wie der Raum tatsächlich von den Bienen genutzt wird.
2. Das freie Luftvolumen
Das ist das Volumen, das übrigbleibt, wenn man Rähmchen, Waben, Wachs, Vorräte, Bienen und gegebenenfalls Trennschiede abzieht. Es ist zwangsläufig kleiner als das geometrische Volumen. Diese Luft kann zirkulieren, Wärme, Feuchtigkeit und Kohlendioxid transportieren und sich an kalten Flächen abkühlen.
3. Das funktionale Volumen
Dieses ist für die Imkerei vermutlich am wichtigsten. Das funktionale Volumen entspricht jenem Teil der Beute, den das Volk tatsächlich besetzt, verteidigt, versorgt und in sein Nest integriert. Dazu gehören die mit Bienen besetzten Waben, das Brutnest, die zugänglichen Vorräte, die von den Bienen genutzten Wabengassen und der unmittelbare Raum um die Traube oder die Brut.
Eine Beute kann demnach ein grosses geometrisches Volumen, ein mittleres freies Luftvolumen, aber ein kleines funktionales Volumen aufweisen, wenn das Volk schwach oder noch im Aufbau ist. Umgekehrt kann ein starkes Volk einen grossen Raum effizient integrieren, insbesondere während der Tracht.
Praktisches Beispiel: Ein Brutraum mag auf dem Papier voluminös wirken. Sind die Waben jedoch ausgebaut, teilweise mit Vorräten gefüllt und gut von Bienen besetzt, ist das funktionale Volumen nicht «leer». Es ist Teil der Nestorganisation. Umgekehrt sind drei am Rand kalt und unbesetzt belassene ausgebaute Waben nicht zwingend nützlich: Sie können einen nicht integrierten Raum bilden, der stärker Feuchtigkeit, Wachsmotten oder Räuberei ausgesetzt ist.
Folge für das Einengen: Das geeignete Kriterium lautet nicht nur: «Wie viele Liter enthält die Beute?» Die bessere Frage ist: Welchen Teil dieses Raumes nutzt das Volk tatsächlich?
3. Was die Wissenschaft zum Einengen sagt – und was nicht
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Dieser Abschnitt unterscheidet gut belegte Ergebnisse, plausible Hypothesen und aktuelle Grenzen des Wissens zu Trennschieden und zum Einengen. |
Nachdem die biologische Thermoregulation, die Physik der Beute und der Begriff des funktionalen Volumens unterschieden wurden, lässt sich die zentrale Frage wieder aufgreifen: Ist das Einengen eine wissenschaftlich gestützte Praxis?
Die Antwort muss differenziert ausfallen. Die wissenschaftliche Literatur stützt allgemeine Grundprinzipien recht gut: Ein Volk muss über eine ausreichende Population, zugängliche Vorräte, einen guten Gesundheitszustand und ein Mikroklima verfügen, das es regulieren kann. Sie stützt eine konkrete Praxis – wie den Einsatz eines Trennschieds oder eine bestimmte Anzahl Überwinterungswaben – sehr viel weniger direkt.
An dieser Stelle gilt es, zwei Übertreibungen zu vermeiden. Die erste wäre, das Einengen als blosse, unbegründete Tradition abzulehnen. Die zweite wäre, es zur wissenschaftlich nachgewiesenen Regel zu erheben. Die Wirklichkeit liegt dazwischen: Das Prinzip einer angepassten Raumführung ist mit der Biologie des Volkes vereinbar, aber die spezifische Wirkung eines Trennschieds bleibt durch kontrollierte Versuche schlecht dokumentiert.
Was gut belegt ist
Untersuchungen zur Überwinterung zeigen, dass das Überleben eines Volkes von einem Bündel von Faktoren abhängt. Das Volk tritt in einem besonderen physiologischen und sozialen Zustand in den Winter ein, und sein Erfolg hängt vom Zusammenspiel zwischen Umwelt, Vorräten, Parasiten, Gesundheitszustand, Demographie und kollektivem Verhalten ab (Döke et al., 2015).
Eine neuere Übersicht zu den Mechanismen der Wintermortalität betont, dass drei integrierende Merkmale besonders wichtig sind: die Populationsgrösse, die soziale Thermoregulation und die Honigvorräte. Diese Elemente sind direkter mit dem Risiko eines Wintermisserfolgs verknüpft als die blosse Frage des in der Beute verfügbaren Volumens (Minaud et al., 2024).
Auch der Druck durch die Varroamilbe bleibt zentral. Experimentelle Arbeiten haben gezeigt, dass die Varroabelastung vor und während der Bildung der Winterbienen die Langlebigkeit der Bienen und das Überleben des Volkes stark beeinflusst. Anders gesagt: Ein gut durchgeführtes Einengen kompensiert keine ungenügende sanitäre Führung (van Dooremalen et al., 2012).
Die Literatur stützt also eine praktische Rangordnung: Bevor man sich fragt, ob ein Trennschied gesetzt werden soll, muss sichergestellt sein, dass das Volk hinreichend stark, korrekt gefüttert, mit zugänglichen Vorräten ausgestattet und der Parasitendruck unter Kontrolle ist.
Was direkt durch Versuche gestützt ist
Eines der für unser Thema nützlichsten experimentellen Ergebnisse betrifft nicht das Trennschied, sondern die Winterisolation. St. Clair, Beach und Dolezal haben in acht Bienenständen in Illinois ein System winterlicher Abdeckung getestet. Abgedeckte Völker verbrauchten weniger Vorräte und wiesen eine um 22,5 % höhere Überlebensrate auf als nicht abgedeckte Völker, sofern die übrigen empfohlenen Vorbereitungen für die Überwinterung umgesetzt wurden (St. Clair et al., 2022).
Dieses Ergebnis stützt eine weiter oben besprochene physikalische Idee: Die Verluste über den oberen Beutenbereich, die obere Isolation und das allgemeine Mikroklima der Hülle können messbare Wirkungen haben. Das beweist nicht, dass alle Beuten auf dieselbe Weise isoliert werden müssten, noch dass die Ergebnisse ohne Weiteres auf alle Schweizer Klimaverhältnisse übertragbar sind. Es liefert aber eine solidere experimentelle Grundlage für die obere Isolation als für das seitliche Trennschied.
Im Vergleich dazu ist die spezifische Wirkung eines seitlichen Trennschieds deutlich schlechter dokumentiert. Es gibt physikalische und praktische Argumente dafür, aber wenig kontrollierte experimentelle Daten, die bei gleicher Volksstärke eine Führung mit und ohne Trennschied vergleichen.
Was plausibel, aber noch wenig belegt ist
Ein Trennschied kann nützlich sein, wenn es einen Wabenraum reduziert, den das Volk nicht tatsächlich besetzt. Sein Nutzen besteht nicht darin, eine kleine, beheizte Kammer zu schaffen, sondern darin, das funktionale Volumen auf das zu begrenzen, was die Bienen in ihre Organisation integrieren können.
Plausibel ist dies in mehreren Situationen: ein Jungvolk, das nur wenige Waben besetzt; ein schwaches Volk nach dem Winter; ein deutlich grösseres Beutenvolumen als die tatsächlich vorhandene Population; kalte oder dauerhaft unbesetzte Randwaben; ein erhöhtes Risiko durch Räuberei, Wachsmotten oder Schimmel; oder eine Anordnung der Vorräte, welche die Nahrung zu weit vom Sitz des Volkes entfernt.
In diesen Fällen wirkt das Einengen als Führungsmassnahme: Es bringt Bienen, Vorräte und tatsächlich genutzte Waben näher zusammen. Es kann zudem bestimmte kalte oder unbesetzte Zonen reduzieren. Seine Wirkung hängt jedoch stark von der Qualität des Trennschieds, vom Vorhandensein von Luftdurchlässen oberhalb oder unterhalb, von der oberen Isolation, vom Boden, von der Jahreszeit und von der Volksstärke ab.
Ein einfaches, wie eine Wabe eingehängtes Trennschied mit einem Luftdurchlass oben und unten stellt keine dichte thermische Wand dar. Es ordnet den Raum, schliesst ihn aber nicht vollständig ab. Ein isoliertes und gut angepasstes Trennschied ist physikalisch plausibler, doch fehlen auch hier solide vergleichende Validierungen.
Neuere Modelle laden zudem dazu ein, die Wintertraube nicht als eine schlicht perfekte Isolation zu idealisieren. Mitchell schlägt vor, die Wintertraube auch als kostspielige Antwort auf hohe Wärmeverluste zu interpretieren – und nicht als stets optimale Situation für das Volk (Mitchell, 2023). Diese Hypothese wird weiterhin diskutiert und ersetzt nicht die klassischen Beobachtungen zur Thermoregulation der Wintertraube, sie verstärkt aber einen nützlichen Gedanken: Die durch die Beute auferlegten physikalischen Bedingungen zählen.
Was Studien zur imkerlichen Betriebsführung indirekt beitragen
Studien zu imkerlichen Praktiken zeigen, dass technische Handgriffe nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Die Gesundheit eines Volkes hängt von einem Bündel an Entscheidungen ab: Wabenerneuerung, Fütterung, Umweiseln, sanitäre Führung, Volksstärke, Führung der Jungvölker, Materialhygiene und Varroakonzept. Europäische Übersichten zu imkerlichen Praktiken betonen diese systemische Dimension der Völkerführung (Sperandio et al., 2019).
Eine belgische Studie zu Risiko- und Schutzindikatoren imkerlicher Praktiken kommt zu einer ähnlichen Schlussfolgerung: Verluste sind nicht an eine einzelne Praxis gebunden, sondern an ein Bündel von Führungsentscheidungen, an die Überwachung im Winter, an die Einschätzung der Volksstärke und an die integrierte Parasitenbekämpfung (El Agrebi et al., 2021).
Dies bestärkt eine wichtige Vorsicht: Wenn eine Imkerin oder ein Imker gute Ergebnisse mit dem Einengen beobachtet, lässt sich schwer sagen, ob der Nutzen aus dem Trennschied selbst stammt oder daraus, dass diese Praxis häufig mit einer besseren Beobachtung der Volksstärke, einer besseren Entfernung unnötiger Waben, einer besseren Vorratskontrolle und einer aufmerksameren Führung einhergeht.
Was die Wissenschaft noch nicht zu behaupten erlaubt
Gegenwärtig lässt sich nicht belastbar behaupten, dass das Setzen eines Trennschieds allein die Überwinterung oder die Frühjahrsentwicklung der Völker unter Schweizer Bedingungen verbessert. Dazu wären vergleichende Versuche nötig: mit Völkern ähnlicher Stärke, in gleichen Beutentypen, mit gleichen Varroawerten, gleichen Vorräten, gleichen Standorten und einer zufälligen Verteilung zwischen Gruppen mit und ohne Trennschied.
Ebenso müssten mehrere unter demselben Begriff oft vermengte Praktiken auseinandergehalten werden: Leerwaben entfernen, die Zahl zugänglicher Waben reduzieren, ein einfaches Trennschied setzen, ein isoliertes Trennschied setzen, den oberen Beutenbereich isolieren, das Flugloch einengen, auf einer statt auf zwei Zargen überwintern oder ein kleines Volk in einem Ablegerkasten statt in einer grossen Beute führen. Diese Handgriffe haben weder die gleichen physikalischen Wirkungen noch die gleichen biologischen Ziele.
Merke: Das Einengen ist wissenschaftlich vertretbar, wenn es einer konkreten Problematik des funktionalen Raumes begegnet. Deutlich weniger vertretbar ist es, wenn es zur automatischen Regel wird, unabhängig von Volksstärke, Jahreszeit und realer Nestorganisation.
4. Den Raum im Jahresverlauf führen
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Dieser Abschnitt übersetzt die vorangehenden Prinzipien in eine saisonale Führung: einengen, belassen oder erweitern, je nach realer Dynamik des Volkes. |
Die Frage des Einengens lässt sich nicht vom Jahreszyklus des Volkes trennen. Derselbe Handgriff kann in einem Moment nützlich und einige Wochen später kontraproduktiv sein. Den Raum nach dem Winter zu verringern, hat eine andere Bedeutung als Honigräume nach der Ernte zu entfernen, einen Kunstschwarm im Ablegerkasten zu führen oder das Flugloch eines der Räuberei ausgesetzten Volkes einzuengen.
Die richtige Frage lautet also nicht: Soll eingeengt werden? Sie lautet vielmehr: Welchen Raum kann das Volk in diesem präzisen Moment des Jahres tatsächlich besetzen, verteidigen, versorgen und nutzen?
Im Frühjahr: Wiederaufnahme begleiten, ohne das Wachstum zu blockieren
Das Frühjahr ist vermutlich die heikelste Phase. Das Volk beginnt wieder mit der Brut, während seine Population ihre maximale Stärke noch nicht erreicht hat. Es muss das Brutnest in einem engen Temperaturbereich halten und gleichzeitig Ammenbienen, Flugbienen, Wasserträgerinnen und Wärme produzierende Bienen mobilisieren.
In diesem Zusammenhang kann es ungünstig sein, zu früh einen Wabenraum freizugeben, den das Volk nicht tatsächlich besetzt. Das Risiko ist eine schlechte Integration dieses Raums: weniger dicht besetzte Brut, weiter entfernte Vorräte, kalte Randwaben, schwach verteidigte Waben oder ein Raum, der für eine kleine Population schwer zu organisieren ist.
Das rechtfertigt jedoch kein automatisches Einengen. Ein starkes Volk mit sich ausdehnender Brut und regelmässigen Pollen- und Nektareinträgen muss wachsen können. Hält die Imkerin oder der Imker den Raum zu lange zu eng, kann dies die Eilage behindern, eine Verhonigung des Brutnests fördern und zur Schwarmdynamik beitragen. Das Frühjahr verlangt daher eine feine Führung: einengen, wenn der Raum für das Volk offensichtlich zu gross ist, aber rechtzeitig erweitern, sobald die Entwicklung es verlangt.
Während der Tracht: Platz geben, aber nicht beliebig
Während der Tracht kehrt sich das Problem um. Ein starkes Volk braucht Raum, um Nektar aufzunehmen, vorübergehend zu verteilen, zu ventilieren, einzudicken und einzulagern. Zu wenig Raum kann den Bienenverkehr behindern, die Einlagerung von Nektar im Brutnest begünstigen und den Schwarmdruck erhöhen.
Mehr Raum ist allerdings nicht immer besser. Eine Studie zum Aufsetzen von Honigräumen verglich Völker, denen Honigräume nach Bedarf aufgesetzt wurden, mit Völkern, denen bereits zu Saisonbeginn mehrere Honigräume gegeben wurden. Die nach Bedarf geführten Völker produzierten mehr Honig; die frühzeitige und umfangreiche Vergrösserung des Innenraums war mit einer geringeren Produktion und Veränderungen bei Markern verbunden, die mit dem Zustand der Flugbienen zusammenhängen (Kadri et al., 2021).
Diese Studie ist kontext-, beuten- und trachtabhängig. Sie darf daher nicht in eine universelle Regel verwandelt werden. Sie stützt jedoch einen wichtigen Gedanken: Auch die Erweiterung ist eine Form der Raumführung. Es geht darum, das nutzbare Volumen schrittweise an die tatsächliche Dynamik des Volkes anzupassen.
Im Sommer: Achtung vor dem umgekehrten Risiko – der Überhitzung
Im Sommer produziert ein starkes Volk viel Wärme und muss mitunter einen Wärmeüberschuss abführen. Die Bienen ventilieren, tragen Wasser ein, verteilen sich in der Beute oder bilden aussen einen Bienenbart. In dieser Situation kann ein zu starkes Einengen kontraproduktiv werden, insbesondere in heissen Regionen, an stark exponierten Standorten oder in schlecht ventilierten Beuten.
Eine Studie in einer halbtrockenen Region zeigte, dass in kleineren Volumina als Langstroth-Standardbeuten geführte Völker höhere Innentemperaturen und Anzeichen einer Belastung durch thermische Extreme aufweisen können, insbesondere im Bereich der Seitenwände (Bourrel et al., 2025). Dieses Ergebnis lässt sich nicht unmittelbar auf alle Schweizer Bienenstände übertragen, erinnert aber an ein allgemeines Prinzip: Ein kleineres Volumen ist nicht immer ein thermischer Vorteil.
Nach der Ernte: unnötigen Raum reduzieren und das Volk neu organisieren
Nach der Ernte ändert sich die Situation erneut. Die Honigräume müssen entfernt werden. Das Volk braucht nicht mehr dasselbe Stauvolumen. Der Räuberei-Druck kann zunehmen, insbesondere in Trachtlücken. Unbesetzte Waben, Honigreste, alte Waben oder schwach verteidigte Waben werden problematischer.
Dies ist einer der Momente, in denen die Reduktion des Raumes am leichtesten zu rechtfertigen ist. Sie zielt nicht primär auf die Temperatur. Sie dient vor allem dazu, eine kohärente Beute für das Saisonende herzustellen: ein an die Population angepasstes Volumen, eine kontrollierbarere Fütterung, eine einfacher zu handhabende Varroabehandlung, eine Reduktion der Räuberei und das Entfernen unnötiger oder zweifelhafter Waben.
Eine wichtige Vorsichtsmassnahme: Einengen darf niemals heissen, notwendige Vorräte zu entfernen oder die Nahrung vom Sitz des Volkes zu entfernen. Das Volk muss mit ausreichenden, zugänglichen und gut platzierten Vorräten in den Winter gehen.
Im Herbst und Winter: vorbereiten, dann so wenig wie möglich stören
Der Herbst ist die Zeit der Einwinterung. In dieser Phase besteht das Ziel nicht darin, das Volk künstlich zusammenzudrängen, sondern ihm eine kohärente Überwinterung zu ermöglichen: ausreichende Vorräte, wenige unnötige Waben, guter Schutz gegen Räuberei, kontrollierter Varroadruck und eine Beute, die Feuchtigkeits- und Zugluftprobleme begrenzt.
Die obere Isolation verdient besondere Beachtung. Die Ergebnisse von St. Clair et al. (2022) stützen die Vorstellung, dass die Hülle der Beute, insbesondere der obere Bereich, physikalisch wichtiger sein kann als ein blosses seitliches Einengen.
Sobald der Winter eingetreten ist und die Wintertraube sich gebildet hat, sind innere Manipulationen zu begrenzen. Die Wintertraube wandert langsam entlang ihrer Vorräte. Öffnen, Waben verschieben oder die innere Anordnung abrupt verändern kann mehr kosten als bringen. Die Rolle der Imkerin oder des Imkers besteht in dieser Phase vor allem in indirekten Kontrollen: Beutengewicht, Aktivität am Flugloch an günstigen Tagen, gegebenenfalls Vorhandensein toter Bienen, Schutz vor Nagern und Sicherheit des Materials.
Der Sonderfall der Jungvölker und schwachen Völker
Jungvölker, Kunstschwärme, Völker in Ablegerkästen und schwache Völker dürfen nicht mit Wirtschaftsvölkern gleichgesetzt werden. Ihre Population ist kleiner, ihre Verteidigungsfähigkeit geringer, ihre thermische Reserve enger, und ihre Entwicklung hängt stark von der Nähe zwischen Bienen, Brut, Nahrung und verfügbarem Raum ab.
In diesem Fall ist das Einengen am intuitivsten und häufig am besten zu rechtfertigen. Ein Jungvolk muss ein Volumen erhalten, das es schrittweise abdecken kann, ohne in Waben zu ertrinken, die es nicht besetzt. Das Ziel ist nicht grösstmögliche Enge: Es muss ein Wachstumsspielraum bestehen, Überhitzung muss vermieden, die Fütterung überwacht und erweitert werden, sobald das Volk seinen Raum korrekt besetzt.
Merke: Die Raumführung variiert mit der Jahreszeit. Im Frühjahr gilt es, die Wiederaufnahme zu begleiten, ohne das Wachstum zu blockieren. Während der Tracht muss zum richtigen Zeitpunkt Platz gegeben werden. Nach der Ernte müssen unnötig gewordene Volumina und Waben entfernt werden. Im Herbst muss die Überwinterung um die tatsächliche Volksstärke und die Vorräte herum organisiert werden. Im Winter sind vor allem Störungen zu vermeiden.
5. Vier Fragen, die man sich vor dem Einengen stellen sollte
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Dieser Abschnitt bietet eine Entscheidungshilfe, um zu beurteilen, ob das Einengen tatsächlich einer am Bienenstand beobachteten Problematik entspricht. |
Das Einengen sollte kein Handgriff sein, der ausgeführt wird, «weil es die Jahreszeit ist» oder «weil das die Methode ist». Es sollte einer einfachen Frage entsprechen: Hilft der verfügbare Raum dem Volk zu funktionieren, oder zwingt er ihm ein Volumen auf, das es nicht tatsächlich besetzen, verteidigen und organisieren kann?
1. Wie ist die tatsächliche Volksstärke?
Die Zahl der mit Bienen besetzten Waben ist wichtiger als die Zahl der in der Beute vorhandenen Waben. Ein Volk, das seine Waben gut besetzt, hat nicht denselben Bedarf wie ein Volk, das nur die Mitte des Brutraums abdeckt. Synthesen zur Überwinterung erinnern daran, dass die Volksgrösse, die soziale Thermoregulation und die Honigvorräte zentrale Faktoren des Überwinterungserfolgs sind (Minaud et al., 2024).
2. Sind die Vorräte ausreichend und zugänglich?
Ein Volumen ist nur nützlich, wenn das Volk es mit seiner inneren Organisation verbinden kann. Die Brut muss korrekt besetzt sein, die Vorräte müssen zugänglich sein, und die besetzten Waben müssen eine kohärente Einheit bilden. Im Herbst und im Winter kann die Position der Vorräte wichtiger sein als die theoretische Wabenzahl. Ein Volk kann verhungern, obwohl noch Vorräte vorhanden sind, wenn diese schlecht platziert oder bei Kälte schwer zugänglich sind.
3. Stellen die unbesetzten Waben ein Problem dar?
Dauerhaft nicht besetzte Waben können praktische Probleme verursachen: Feuchtigkeit, Schimmel, Wachsmotten, Räuberei, erschwerte Kontrolle, erschwerte Organisation von Behandlung oder Fütterung. Das Entfernen dieser Waben kann dann sinnvoll sein, auch wenn die direkte thermische Wirkung begrenzt bleibt.
4. Verlangt die Jahreszeit eher Reduzieren, Belassen oder Erweitern?
Im Frühjahr kann ein Volk zunächst einen noch begrenzten Raum brauchen, dann eine rasche Erweiterung. Während der Tracht braucht es Platz für den Nektar. Nach der Ernte braucht es oft ein reduziertes, leichter zu verteidigendes Volumen. Im Winter braucht es vor allem zugängliche Vorräte und Ruhe.
Typische Fälle am Bienenstand
Jungvolk oder Kunstschwarm: ein angepasster Raum ist sinnvoll. Die Waben sollten schrittweise hinzugefügt werden, im Rhythmus der tatsächlichen Besetzung. Zu viele Waben auf einmal können nicht verteidigte Flächen hinterlassen und die Organisation des Nests erschweren.
Schwaches Volk im Frühjahr: ein Einengen kann helfen, die Kohärenz zwischen Bienen, Brut und Nahrung zu erhalten. Aber man muss sich auch fragen, weshalb das Volk schwach ist: alte Königin, Varroa, mangelnde Vorräte, Krankheit, Verlust von Winterbienen. Das Einengen behebt diese Ursachen nicht.
Starkes Volk im Frühjahr: es darf nicht zu eng gehalten werden. Sobald sich die Brut ausdehnt, die Bienen die Waben gut besetzen und das Wetter Wachstum zulässt, wird die Erweiterung notwendig.
Volk in der Vollphase der Tracht: Priorität hat der Arbeitsraum. Platzmangel kann teuer werden, an Schwärmen und an Nektareinlagerung. Eine enger geführte Brutnest-Strategie sollte erfahrenen Praktiken vorbehalten bleiben.
Volk nach der Ernte: Honigräume entfernen, unnötige Waben reduzieren und die Fütterung organisieren ist kohärent. Aber Beutengewicht, Verteilung der Vorräte und Varroadruck müssen überprüft werden.
Volk am Anfang des Winters: Die richtige Frage ist nicht mehr «Wie viele Waben soll ich belassen?», sondern «Besetzt das Volk einen kohärenten Raum, mit genügend zugänglichen Vorräten und einer ausreichenden Population?» Arbeiten zu imkerlichen Praktiken zeigen, dass die Einschätzung der Volksstärke vor der Einwinterung, die Überwachung und die integrierte Parasitenbekämpfung für das Überleben der Völker stark ins Gewicht fallen (El Agrebi et al., 2021).
Eine praktische Hierarchie der Prioritäten
Bevor man an das Trennschied denkt, sind die Prioritäten zu hierarchisieren. Ein Trennschied wird kein zu schwaches Volk kompensieren, keine zu hohe Varroabelastung und keinen Nahrungsmangel.
- Ein gesundes, hinreichend populationsstarkes Volk.
- Ein beherrschter Varroadruck.
- Ausreichende und zugängliche Vorräte.
- Eine trockene, stabile, vor Räuberei geschützte Beute.
- Ein an die tatsächliche Volksstärke angepasster Wabenraum.
- Erst danach der eventuelle Einsatz eines einfachen oder isolierten Trennschieds.
Diese Hierarchie ist wichtig, weil sie verhindert, dem Einengen eine Rolle zuzuschreiben, die es nicht übernehmen kann. Das Einengen kann eine gute Führung verbessern. Es ersetzt die Führung nicht.
6. Schlussfolgerung
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Diese Schlussfolgerung fasst die Position des Artikels zusammen: Das Einengen ist nützlich, wenn es die Organisation des Volkes verbessert, aber fragwürdig, wenn es die Beobachtung ersetzt. |
Die Debatte über das Einengen stellt häufig zwei zu einfache Sichtweisen einander gegenüber. Auf der einen Seite die Vorstellung, ein Volk müsse stets eng gehalten werden, damit es «warm hat». Auf der anderen Seite die Vorstellung, man müsse die Bienen sich in beliebigem Volumen selbst organisieren lassen. Die Wirklichkeit ist interessanter: Die Bienen organisieren sich tatsächlich selbst, aber in einem Raum, den die Imkerin oder der Imker weitgehend für sie konstruiert hat.
Die Rolle der Imkerin oder des Imkers besteht also weder darin, das Volk zu beheizen, noch darin, an dessen Stelle die gesamte Nestorganisation zu entscheiden. Sie besteht darin, einen mit der Jahreszeit, der Volksstärke, den Vorräten und den Betriebszielen kohärenten Raum anzubieten.
Das Einengen ist nützlich, wenn es diese Kohärenz verbessert. Nutzlos oder gar schädlich ist es, wenn es die Beobachtung durch eine automatische Regel ersetzt.
Das Einengen ist daher weder ein Wundermittel noch ein Prinzipfehler. Es ist ein Werkzeug der Raumführung. Wie jedes Werkzeug hat es nur dann Wert, wenn es einer realen Problematik begegnet.
Siehe auch:
- Sinn und Unsinn der Wärmeisolation von Beuten
- Vermehrung eines Jungvolks
- April am Bienenstand
- Mai am Bienenstand
- Merkblatt: 4.3 Überwinterung
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