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Nützliche Mikroorganismen für die Gesundheit der Bienen

Heute sind im Handel zahlreiche sogenannte „probiotische“ Produkte erhältlich, die unsere Gesundheit oder mitunter auch diejenige unserer Nutztiere wie der Bienen verbessern sollen1. Probiotika sind Zubereitungen auf der Basis von Mikroorganismen, die mit ihrem Wirt in einer für beide Seiten vorteilhaften Beziehung stehen. Ziel dieses Artikels ist es, Denkanstöße zu liefern, um zu verstehen, wie solche Produkte gegebenenfalls zur Bekämpfung von Krankheiten der Honigbiene beitragen könnten.

Nützliche Mikroben und ihre Bedeutung für die Gesundheit der Honigbiene

Mikroorganismen sind allgegenwärtig und spielen eine zentrale Rolle in den Beziehungen zwischen Lebewesen. Auch Honigbienen leben in enger Gemeinschaft mit spezifischen Mikroben, insbesondere Bakterien, die ihren Verdauungstrakt besiedeln. Diese symbiotischen Mikroorganismen sind evolutionär stark an die Biene angepasst und weltweit erstaunlich konstant, was auf eine lange gemeinsame Entwicklung hinweist.

Eine wichtige Funktion mikrobieller Gemeinschaften zeigt sich bereits bei der Verarbeitung des Pollens. Durch die Vermischung von Pollen mit Enzymen und Mikroorganismen entsteht das sogenannte Bienenbrot. Diese fermentierte Nahrung ist besser verdaulich und nährstoffreicher als frischer Pollen und stellt eine zentrale Eiweiß- und Vitaminquelle für die Arbeiterinnen dar.

Im Verdauungstrakt der Biene bilden die Bakterien eine Art schützende Schicht auf den Darmwänden. Sie unterstützen die Verdauung und wirken als biologische Barriere gegen Krankheitserreger. Studien zeigen, dass bestimmte Milchsäurebakterien das Wachstum von Erregern wie der Amerikanischen Faulbrut hemmen können und dass Darmbakterien Schutz gegenüber Parasiten wie Crithidia bieten.

Die Besiedelung des Darms erfolgt nicht bei der Geburt: Junge Bienen schlüpfen mit einem sterilen Verdauungssystem, das erst durch den Kontakt mit Nestgenossinnen kolonisiert wird. Die Zusammensetzung der Mikroben verändert sich zudem im Laufe des Lebens und hängt von der jeweiligen Aufgabe der Biene (Ammenbiene oder Sammlerin) ab.

Probiotische Produkte werden zunehmend auch für Bienen beworben. Der Artikel zeigt jedoch klar, dass deren Nutzen bislang wissenschaftlich nicht belegt ist. Zwar existieren vielversprechende Laborergebnisse, doch fehlen belastbare Feldstudien. Zudem ist unklar, ob zugesetzte Mikroorganismen bestehende, stabile Darmgemeinschaften dauerhaft ersetzen oder ergänzen können.

Fazit: Mikroben sind ein essenzieller Bestandteil der Bienengesundheit. Der gezielte Einsatz von Probiotika in der Imkerei bleibt jedoch vorerst ein Forschungsansatz und ersetzt keine bewährten Maßnahmen der Krankheitsprävention.
 

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Autor
Laurent Gauthier, Centre de Recherches Apicoles, Agroscope, 3003 Berne
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