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Neue Methode zur Unterdrückung des Schwarmtriebs

Seit Millionen von Jahren sichern die Bienen das Fortbestehen ihrer Art durch das Schwärmen. Das Schwärmen ist ein natürlicher Prozess, dessen Hauptziel die Bildung neuer, gesunder und genetisch vielfältiger Kolonien ist (die Drohnen, die sich mit der jungfräulichen Königin in einem neuen Gebiet paaren, verfügen über eine andere Genetik). Der Imker wünscht sich Völker, die sich gut entwickeln und stark werden, ohne zu schwärmen. Ein Volk mit Schwarmtrieb (Schwarmfieber) baut nicht mehr und sammelt wenig Nektar. Die Sommerernte geht oft verloren. Wie kann dieses Schwarmfieber unterdrückt werden? Eine neue, von der Imkergesellschaft Sitten entwickelte Methode (www.ApiSion.ch) ist vielversprechend.

1. Einleitung

Unter normalen Umständen verhindern die von der Königin kontinuierlich abgegebenen Pheromone, dass die Arbeiterinnen eine weitere Königin aufziehen. Beginnt die Königin – aus welchem Grund auch immer – weniger Pheromone zu verbreiten, gerät die Kolonie in das «Schwarmfieber». Dieses Schwarmfieber lässt sich anhand von Vorzeichen erkennen:

 

  • Die Arbeiterinnen bauen Weiselzellen, die grösser sind als andere Zellen und die Besonderheit aufweisen, vertikal gebaut zu sein – im Gegensatz zu den horizontalen Zellen für Drohnen, Arbeiterinnen oder zur Lagerung von Pollen oder Honig.
 

 

  • Die Arbeiterinnen stossen die Königin mit kleinen Kopfstössen und stellen ihre Fütterung ein. Die Königin legt daher immer weniger Eier. Unter normalen Bedingungen nimmt die offene Brut mehr Platz ein als die verdeckelte Brut. Einige Tage vor dem Schwärmen nimmt – aufgrund von Platzmangel für die Eiablage, vor allem aber wegen der gedrosselten Legetätigkeit – die verdeckelte Brut mehr Raum ein als die offene Brut. In dem Moment, in dem sich dieses Verhältnis umkehrt, zieht der Schwarm aus.
  • Die Arbeiterinnen wirken auf dem Flugbrett untätig. Ihre Wachsdrüsen entwickeln sich, und sechs kleine Wachsplättchen erscheinen auf ihrem Hinterleib (sichtbar beim Umdrehen der Biene), um für den Bau neuer Waben in der zukünftigen Behausung bereit zu sein.

Sobald die Königin bereit ist, Eier in etwa ein Dutzend Weiselzellen zu legen – oder die Arbeiterinnen Eier in diese Zellen umlagern – und diese verdeckelt werden, ist der Prozess in Gang gesetzt. Wenige Tage später schlüpfen junge Königinnen. Durch den Lege-Stopp abgemagert, ist die alte Königin nun wieder flugfähig und begleitet den Schwarm kurz vor dem Schlupf der Königinnen, die sie ersetzen werden. Diese Prinzessinnen kämpfen bis zum Tod, um neue Mutterkönigin zu werden und die Beute zu übernehmen (Quelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Essaimage).

Die Arbeiterinnen beginnen, an den Rändern des Brutnestes Weiselzellen zu errichten, in die die Königin rasch Eier legen wird. Damit beginnt eine ununterbrochene Kaskade von Ereignissen:

  • Sammeltrieb, Bautätigkeit und Reinigungsdrang nehmen stark ab
  • Die Aggressivität steigt
  • Die Arbeiterinnen füttern ihre Königin weniger; sie schütteln sie, stossen sie und beissen sie sogar
  • In der Folge verliert die Königin an Gewicht und reduziert ihre Legetätigkeit; gleichzeitig wird sie wieder flugfähig
  • Die Bienen bereiten sich ebenfalls auf den «Abflug» vor und füllen ihre Honigblase. Innerhalb von etwa zehn Tagen vervierfacht sich das durchschnittliche Gewicht der Honigblase. Selbst Bienen, die nicht ausziehen werden, beteiligen sich an diesen Fressorgien
  • Der Zuckergehalt des Honigblaseninhalts der Arbeiterinnen steigt von etwa 40 % auf 70 %. Weitere Reserven werden im Fettkörper der Bienen angelegt.

Das Schwarmfieber zu stoppen ist sehr schwierig. Das regelmässige Zerstören der Weiselzellen (mindestens einmal pro Woche) wird zwar manchmal empfohlen, beschleunigt jedoch in der Praxis häufig das Schwärmen. Die Teilung der Kolonie (Kunstschwarm) oder das Demaree-Verfahren weisen eine gute Erfolgsquote auf. Die Sektion Imkerei Sitten (www.ApiSion.ch) hat eine neue Methode mit dem Käfigen der Königin für mindestens 14 Tage getestet. Die Ergebnisse sind vielversprechend.

 

2. Grundprinzip der Methode «Käfigen der Königin»

  • Das Grundprinzip dieser Methode besteht darin, die Königin für mindestens 14 Tage in einem Isolierkäfig zu halten, der den Arbeiterinnen Zugang ermöglicht (z. B. Scalvini-Käfig).
  • Die Königin setzt ihre Eiablage im Käfig ohne Unterbruch fort, doch die Brut entwickelt sich nicht weiter, da der Käfig nicht hoch genug ist, damit die Bienen die Zellen ausziehen können.
  • Nach etwa 14–24 Tagen ist das Gleichgewicht zwischen verdeckelten Zellen und zur Eiablage bereiten Zellen wiederhergestellt und das Schwarmfieber erloschen. Die Königin wird zu diesem Zeitpunkt freigelassen.

 

3. Vorgehensweise

 

  1. Sobald sich das Schwarmfieber eingestellt hat, wird der Käfig in einen ausgebauten Rahmen eingesetzt, vorzugsweise mittig im Brutnest im oberen Bereich des Rahmens (Ausschnitt in der Wabe in der Grösse des Käfigs vornehmen).
  2. Bei noch laufender Tracht muss innerhalb der Kolonie ausreichend Platz in Honigwaben vorhanden sein, damit die Brutwaben nicht mit Honig gefüllt werden.
  3. ALLE Weiselzellen entfernen
  4. Nach 5 Tagen erneut kontrollieren und noch vorhandene Weiselzellen entfernen
 

  1. Nach 14 Tagen überprüfen, ob das Gleichgewicht zwischen verdeckelten Zellen und zur Eiablage bereiten Zellen wiederhergestellt ist und das Schwarmfieber erloschen ist.
  2. Die Königin freilassen und nach einer Woche kontrollieren, ob keine Weiselzellen vorhanden sind und die Königin wieder aktiv ist.

 


Mehr erfahren:

Autor
Serge Imboden & Claude Pfefferlé; www.ApiSion.ch
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