Mai am Bienenstand
Der Monat Mai ist eine intensive Zeit am Bienenstand. Die Völker werden rasch stärker, die Honigräume müssen zum richtigen Zeitpunkt aufgesetzt werden, die Schwarmstimmung nimmt oft deutlich zu und auch die Gesundheitsführung bleibt zentral. Je nach Region, Höhenlage und Wetter kann dieser Monat mancherorts bereits den Weg zu einer ersten Frühtrachternte eröffnen.
1. Mai am Bienenstand: Volksdynamik, Blütentrachten und Schwerpunkte des Monats
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Ziel Im Mai befinden sich die Völker in der Regel in einer Phase sehr raschen Entwicklung. Die Eilage ist üppig, das Brutnest weitet sich aus, die Bienenpopulation nimmt stark zu, und die Sammeltätigkeit am Flugloch wird intensiv. |
Diese Wachstumsdynamik verändert das innere Gleichgewicht der Beute rasch. Ein Volk, das Ende April noch schlicht gut entwickelt wirkte, kann binnen weniger Wochen sehr dicht werden, an Platzmangel leiden, Nektar im Brutraum einlagern und in Schwarmtrieb geraten – sich also auf das Schwärmen vorbereiten –, wenn der Imker diesen Wandel nicht begleitet.
Was die Trachtverhältnisse betrifft, ist der Mai je nach Region sehr unterschiedlich. Die Obstbaumblüten sind in der Regel abgeschlossen, der Raps kann sich dem Ende nähern, und je nach Höhenlage, Exposition und Wetter setzen mitunter andere Trachten ein. Dort, wo die Robinie im Flachland vorkommt, ist in manchen Jahren eine Ernte möglich, doch diese Blüte bleibt oft unzuverlässig.
In der Schweiz müssen die Orientierungspunkte des Mai stets am lokalen Kontext relativiert werden. Ein Bienenstand im Flachland und ein Bienenstand auf mittlerer Höhe folgen nicht zwingend demselben Rhythmus. Entscheidungen sollten daher nicht nach einem fixen Datum getroffen werden, sondern anhand der Beobachtung der Völker, des Wetters und der tatsächlich verfügbaren Blüten.
Der Mai ist damit ein Monat aktiver Völkerführung. Es gilt, den Raum zu bewirtschaften, dem Schwärmen vorzubeugen, die biotechnischen Varroabekämpfungsmassnahmen fortzusetzen, die Volksstärke zur Jungvolkbildung zu nutzen und auf Wasserversorgung, Futtervorräte sowie die Auswirkungen abrupter Wetterumschwünge zu achten.
Im Mai hat die oberste Priorität zwei Seiten: rechtzeitig Raum geben und die Anzeichen des Schwarmdrangs beobachten. Alles Weitere ordnet sich diesen beiden Achsen unter.
Siehe auch:
- Gute Praxis bei der Völkerdurchsicht
- Das Brutvolumen
- Integrierte Varroabekämpfung im Jahresverlauf
- Bienenstandführung: Betriebskonzept
2. Honigzargen aufsetzen und Raum bewirtschaften
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Ziel Im Mai wird die Raumgestaltung zum zentralen Hebel. Ein sehr volkreiches Volk, das Nektareintrag hat, kann den Brutraum rasch sättigen, wenn nicht rechtzeitig eine Honigzarge aufgesetzt wird. |
Wenn die Bienen beginnen, Nektar in Zellen einzulagern, die für die Eilage freigehalten werden sollten, wird der Raum für die Königin zunehmend eingeengt. Das Brutnest wird so nach und nach blockiert, was das innere Gleichgewicht des Volkes verändert und den Schwarmtrieb begünstigt.
Die Honigzarge sollte jedoch nicht zu früh aufgesetzt werden. Ein unnötig geöffnetes Zusatzvolumen erhöht die Wärmeverluste und kann die Entwicklung verlangsamen, besonders wenn das Wetter kühl oder wechselhaft bleibt. Umgekehrt verstärkt ein zu spätes Aufsetzen die Überfüllung und verengt den Handlungsspielraum des Imkers.
Praktisches Signal: Wenn ein Brutraum weitgehend belegt ist, mehrere Rähmchen dicht mit Bienen besetzt sind und eine aktive Tracht herrscht, muss die Honigzarge oft ohne Verzug aufgesetzt werden. In der Praxis empfiehlt es sich, sowohl das Volk als auch die Zeichen der Natur zu beobachten: Je nach Region markiert die Blüte von Kirschen, Äpfeln, Raps oder Bergahorn häufig den richtigen Zeitpunkt. Die Vollblüte des Löwenzahns kann diese Phase ankündigen, stellt aber für sich allein keinen ausreichenden Anhaltspunkt dar. Die Entscheidung muss stets an die tatsächliche Volksstärke und die aktuellen Bedingungen angepasst bleiben.
Eine gute Raumgestaltung bereitet einerseits eine mögliche Ernte vor und erhält andererseits ein ausgewogenes inneres Funktionieren. Die Honigzarge ist nicht nur ein Lagerraum: Sie trägt auch dazu bei, eine ausreichende Legefläche im Brutraum zu erhalten und zu verhindern, dass das Volk zu früh unter Druck gerät.
Siehe auch:
- Schwarmverhalten verstehen
- Alles über das Schwärmen
- Neue Methode zur Unterdrückung des Schwarmtriebs
- Merkblatt: 4.12 Dynamische Völkerführung
3. Schwärmen beobachten und verhindern
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Ziel Der Mai ist in der Regel der Monat, in dem der Schwarmtrieb sich voll entfaltet. Besonders betroffen sind starke Völker, die reich an jungen Bienen und beengt sind. |
Das Schwärmen gehört zur normalen Biologie der Biene, führt am Bienenstand jedoch häufig zu einem erheblichen Populationsverlust, einer Verlangsamung der Produktion und einer internen Reorganisation, die nicht immer erwünscht ist. Je kräftiger das Volk, desto enger muss der Imker seine Entwicklung verfolgen.
Anzeichen, die bei den Durchsichten zu suchen sind: hohe Bienendichte im Brutraum, Überfüllung des Brutnests, Erscheinen von Weiselzellen an Rähmchenrändern oder -unterseiten, Nachlassen der Eilage oder ungewöhnliche Aktivität am Flugloch. Nicht alle Völker reagieren gleich, doch im Mai kann zu langes Warten genügen, um die Kontrolle über die Situation zu verlieren.
Die Vorbeugung beruht zunächst auf der allgemeinen Betriebsführung: Raum geben, Legeblockade vermeiden, die stärksten Völker überwachen. Weiselzellen zu zerstören, ohne die inneren Bedingungen zu verändern, reicht in der Regel nicht aus: Die Bienen bauen rasch neue.
Wenn ein Schwarm trotzdem abgeht, kann er mitunter aufgefangen und in einem vorbereiteten Ablegerkasten untergebracht werden. Im Mai muss die Hauptanstrengung jedoch der Vorbeugung gelten, nicht der Notbergung.
Es gibt auch technisch anspruchsvollere Methoden zur Schwarmverhinderung. Die Methode Virdis zum Beispiel verbindet Raumgestaltung mit dem periodischen Umhängen von verdeckelter Brut oberhalb eines Königinnengitters. Sie kann die Führung sehr starker Völker erleichtern und dazu beitragen, den Schwärmdruck zu mindern, erfordert jedoch mehrere Eingriffe und richtet sich eher an erfahrenere Imker.
Siehe auch:
- Die Mechanismen des natürlichen Schwarmdrangs
- Schwarmverhinderung
- Neue Methode zur Unterdrückung des Schwarmtriebs
- Völkerteilung
4. Drohnenschnitt und Varroakontrolle
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Ziel Im Mai stützt sich die Varroabekämpfung noch weitgehend auf biotechnische Massnahmen. Der Drohnenschnitt ermöglicht es, einen Teil der Drohnenbrut zu entnehmen, in der sich der Parasit bevorzugt vermehrt. |
Dieser Punkt verdient es, in seiner Logik verstanden zu werden: Im Mai wächst nicht nur die Bienenpopulation rasch – auch die Varroapopulation tut es. Der Parasit vermehrt sich in der verdeckelten Brut und multipliziert sich umso schneller, je stärker das Volk ist. Der Befallsdruck des Sommers wird jetzt aufgebaut. Im Mai zu handeln bedeutet, die Probleme im Juli und August zu begrenzen.
Der Drohnenschnitt lässt sich gut in die Frühjahrsführung der Völker integrieren, solange die Eingriffe noch verhältnismässig einfach sind. Später in der Saison, wenn die Honigzargen zahlreich und schwer sind, wird er oft aufwändiger. Der Mai stellt daher noch ein nützliches Zeitfenster dar, um regelmässig und praktisch zu handeln.
Die Drohnenwabe muss sorgfältig beobachtet werden, um zum richtigen Zeitpunkt einzugreifen – bevor die Drohnenbrut zu lange verdeckelt ist. Ein zu später Schnitt verliert einen Grossteil seines Nutzens. Wie immer hängt die Wirksamkeit von der Regelmässigkeit und der Einbindung dieser Massnahme in eine umfassendere Gesundheitsstrategie ab.
Eine vollständige Kontrolle des Parasiten ist davon nicht zu erwarten. Diese Frühjahrsarbeit trägt dazu bei, den Anstieg des Befallsdrucks zu verlangsamen, ersetzt aber nicht die Behandlungsmassnahmen, die später in der Saison – vor allem nach den Ernten – nötig sein werden.
Siehe auch:
5. Ableger bilden und Königinnen erneuern
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Ziel Der Mai ist besonders günstig für die Bildung von Ablegern. Die Völker sind stark, Brut ist reichlich vorhanden und die Bedingungen erlauben es jungen Völkern noch, sich gut zu entwickeln. |
Die Bildung eines Ablegers ermöglicht es gleichzeitig, den Druck in einem starken Volk zu verringern und den Bienenstand auf kontrollierte Weise zu erneuern. Es ist eine praktische Lösung, um das natürliche Schwärmen zu begrenzen, ein schwaches Volk zu ersetzen oder eine neue Einheit zu bilden, ohne auf einen Zufallsschwarm zu warten.
Für Anfänger: eine einfache Methode. In einem kleinen Bienenstand kann man ein Rähmchen mit frischen Eiern in einen gut vorbereiteten Ablegerkasten einsetzen, damit die Bienen selbst eine neue Königin aufziehen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Weiselzellen aus dem Schwarmtrieb zur Bildung neuer Ableger zu nutzen, anstatt sie systematisch zu zerstören. Beide Ansätze sind zugänglich und direkt mit den Gegebenheiten des Monats Mai verbunden.
Für erfahrenere Imker: Der Mai eignet sich gut zur Vorbereitung einer strukturierteren Königinnenzucht – Auswahl von Zuchtvölkern, Vorbereitung der Begattungsbeuten, Organisation des Zuchtmaterials. Ohne hier auf technische Details einzugehen, sei festgehalten, dass dieses Frühjahrsfenster wertvoll ist, auch wenn sein zeitlicher Rahmen je nach Region und Jahr variiert.
In allen Fällen ist das Ziel dasselbe: die Volksdynamik in dem Moment zu nutzen, in dem die Völker am stärksten sind, anstatt den Schwärmdruck lediglich zu erleiden.
Siehe auch:
- Merkblatt: 1.4 Übersicht der Methoden zur Jungvolkbildung
- Merkblatt: 1.4.2 Ableger
- Jungvolkbildung
- Vermehrung eines Jungvolks
6. Wasser, Futtervorräte und Wachsamkeit bei schlechtem Wetter
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Ziel Im Mai kann ein starkes Volk rasch Futtervorräte verbrauchen, wenn sich die Bedingungen verschlechtern. Eine kalte, regnerische oder windige Periode kann manchmal einen abrupten Engpass bei den Vorräten auslösen. |
Das Paradox des Mai: Ein starkes Volk ist auch ein sehr verbrauchsintensives Volk. Wenn schlechtes Wetter die Ausflüge mehrere Tage lang blockiert, kann dasselbe Volk, das die Woche zuvor noch beeindruckend wirkte, rasch in Schwierigkeiten geraten. Der Imker muss daher nicht nur die Flugaktivität beobachten, sondern auch den Wassereintrag, den Zustand der Futtervorräte und das allgemeine Erscheinungsbild der Brut.
Wasser spielt eine wesentliche Rolle, wenn die Brutpflege intensiv ist. Die Bienen benötigen es zur Zubereitung des Futtersafts. Wenn schlechtes Wetter die Ausflüge einschränkt, kann das Volk rasch in Schwierigkeiten geraten. Eine saubere und zugängliche Tränke in der Nähe des Bienenstands bleibt eine einfache und oft vernachlässigte Massnahme.
Die Maikrankheit ist eine Störung, die mit einem Frühjahrsungleichgewicht zusammenhängt. Sie betrifft vor allem stark beanspruchte junge Bienen, die zwar Pollen haben, aber bei kalten Perioden, die die Ausflüge einschränken, an Wassermangel leiden. Das Volk kann dann ungewöhnliche Schwäche- oder Sterblichkeitszeichen am Flugloch zeigen. Dieses Syndrom sollte nicht vernachlässigt und nicht mit anderen Gesundheitsproblemen verwechselt werden.
Kalkbrut kann in Situationen von Abkühlung, Feuchtigkeit oder Frühjahrsstress ebenfalls sichtbarer werden. Sie zeigt sich durch mumifizierte Larven, die hart und oft weiss oder grau sind und von den Bienen am Flugloch ausgetragen werden. Es handelt sich nicht um eine zwangsläufige Folge der Kälte, doch Völker, die ungünstigen Bedingungen ausgesetzt sind, können sie leichter zeigen. Eine sorgfältige Brutkontrolle bleibt zu dieser Jahreszeit sinnvoll.
Siehe auch:
- Merkblatt: 2.9 Maikrankheit
- Merkblatt: 2.4 Kalkbrut
- Alles über die Fütterung
- Merkblatt: 4.2 Fütterung
- Merkblatt: 3.2 Trachtlücken
- Pollenverbrauch und Volksentwicklung
7. Frühjahrshonig ernten – wenn die Tracht es erlaubt
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Ziel In manchen Regionen kann eine erste Frühjahrshonigernte bereits gegen Ende Mai ins Auge gefasst werden. Andernorts muss noch gewartet werden. |
Diese Frage ist in besonderem Mass vom lokalen Kontext abhängig. In der Schweiz kann die Situation von einem Bienenstand zum anderen stark variieren – je nach verfügbaren Blütentrachten, Trachtdauer, Höhenlage, Temperaturen und Volksstärke. Die Frühjahrsernte sollte daher nicht als allgemeiner Meilenstein des Monats Mai dargestellt werden, sondern als bedingte Möglichkeit.
Wo die Bedingungen günstig sind, kann diese erste Ernte bereits zu den Arbeiten am Bienenstand gehören. Wo die Trachten später oder unregelmässiger sind, ist sie noch nicht aktuell. In jedem Fall darf die Entscheidung zur Ernte nicht vom Datum abhängen, sondern vom tatsächlichen Reifegrad des Honigs – insbesondere der Verdeckelung der Waben und, wenn möglich, einer Kontrolle des Wassergehalts.
Die nachstehenden Links ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fragen rund um die Ernte, den Wassergehalt oder die Kristallisation je nach erzeugtem Honigtyp.
Siehe auch:
- Den Wassergehalt des Honigs beherrschen
- Honigkristallisation
- Raps (Brassica napus)
- Die Robinie
- Gute Imkereipraktiken für die Honigproduktion optimieren
8. Zusammenfassung – Mai am Bienenstand
Der Mai ist ein Monat hoher Intensität am Bienenstand. Die Völker entwickeln sich rasch, der Raumbedarf steigt, der Schwärmdruck nimmt zu und die Varroadynamik baut sich weiter auf. Die Schwerpunkte dieser Periode sind nachstehend zusammengefasst.
| Aufgaben im Mai | Warum es dringend ist |
|---|---|
| Bei jeder Durchsicht auf Anzeichen des Schwarmtriebs achten | Das Volk kann innerhalb weniger Tage kippen |
| Die Honigzarge zum richtigen Zeitpunkt aufsetzen | Verhindert Überfüllung und unterstützt die Eilage |
| Die verdeckelte Drohnenwabe entnehmen | Bremst die Varroavermehrung vor dem Sommer |
| Ableger bilden, wenn die Völker stark sind | Die Periode ist günstig für die Erneuerung des Bienenstands |
| Futtervorräte und Wasserzugang kontrollieren | Ein starkes Volk verbraucht bei schlechtem Wetter rasch seine Vorräte |
| Prüfen, ob eine Frühjahrsernte möglich ist | Je nach Region und Tracht – Entscheidung basiert auf dem tatsächlichen Reifegrad des Honigs |
Im Juni wird sich der Rhythmus verändern: Die Haupttrachten rücken je nach Region näher oder beginnen bereits, und die Varroabehandlung wird zunehmend mehr Raum einnehmen. Der Mai ist der letzte Monat, in dem man noch in Ruhe vorausplanen kann – der Juni lässt weniger Spielraum.
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