März am Bienenstand
Im März erwacht der Bienenstand wieder zum Leben: Die Königin steigert schrittweise ihre Legetätigkeit, die Sammlerinnen fliegen aus, sobald es die Temperaturen zulassen, und der Futterverbrauch nimmt zu, um die Entwicklung der Brut zu unterstützen. Es handelt sich um eine Schlüsselphase, in der die Imkerin oder der Imker jedes Volk ruhig beobachten muss, da ein Ressourcenmangel oder eine nicht erkannte Krankheit den Wiederaufbau nach dem Winter gefährden kann.
1. Die Prioritäten des Monats
- Die Frühjahrsdurchsicht nur durchführen, wenn ein echtes Wetterfenster es erlaubt.
- Brutbild, Weiselrichtigkeit und vor allem Futtervorräte ohne Verzug prüfen.
- Ab der Wiederaufnahme der Aktivität eine saubere, gut zugängliche Tränke bereitstellen.
- Den Brutraum der tatsächlichen Volksstärke anpassen.
- Varroa, Hygiene und Krankheitszeichen im Blick behalten, bevor sich Probleme festsetzen.
2. März am Bienenstand: der Leitgedanke des Monats
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Ziel |
Im März nimmt das Volk wirklich wieder Fahrt auf, bleibt aber anfällig für Kälterückschläge, Futtermangel und Timing-Fehler. Der Monat verlangt daher gezielte Entscheidungen: zum richtigen Zeitpunkt besuchen, den Zustand des Volkes zügig beurteilen, den Raum anpassen, Wasser und Futter sichern und ein aufmerksames Auge auf die Gesundheit richten. Der Schlüssel liegt nicht darin, viel zu tun, sondern gezielt und sinnvoll einzugreifen. Wie immer richtet sich der Kalender nach Höhenlage, Exposition, lokalem Wetter und tatsächlicher Volksstärke.
Weiterführendes
3. Vorrangige Arbeiten des Monats
3.1 Frühjahrsdurchsicht durchführen und Volkszustand beurteilen
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Ziel |
Worauf zu achten ist
Anwesenheit der Königin oder zumindest frischer Eier, Brutbild (dicht und gleichmässig), Verteilung der Bienen auf den Rähmchen, verbleibende Futtervorräte in den Waben sowie ungewöhnliche Gesundheitszeichen.
Konkrete Massnahmen
- Die Durchsicht an einem sonnigen, warmen Tag durchführen, idealerweise bei über 14 °C.
- Sanften Rauch am Flugloch einsetzen, um die Bienen zu beruhigen, dann die Beute rasch öffnen.
- Brutbild kontrollieren, Königin oder frische Eier auf Weiselrichtigkeit prüfen und die Bienenverteilung auf den Rähmchen beobachten.
- Prüfen, ob noch ausreichend Futter in den Waben vorhanden ist.
Worauf besonders zu achten ist
Bei Kälte oder Regen nicht eingreifen – es besteht die Gefahr der Brutabkühlung. Ruhig und zügig vorgehen, um die Bienen möglichst wenig zu stressen. Mit den kräftigsten und wahrscheinlich gesündesten Völkern beginnen und mit den schwächeren, möglicherweise kranken abschliessen, um das Risiko einer Infektionsübertragung zu verringern. Auf jeden unangenehmen Geruch achten: er kann auf Europäische oder Amerikanische Faulbrut hinweisen, beides meldepflichtige Tierseuchen. Bei ernstem Seuchenverdacht den Bieneninspektor kontaktieren, bevor das Volk abgetötet oder verbracht wird.
Weiterführendes
3.2 Brutraum und Rähmchen bewirtschaften
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Ziel |
Worauf zu achten ist
Tatsächliche Volksgrösse, das wirklich belegte Volumen, Zustand der Rähmchen, Geschlossenheit des Brutnestes, gleichmässige Wabengassen und die Fähigkeit des Volkes, sein Flugloch zu verteidigen.
Konkrete Massnahmen
- Die besetzten Brutraumrähmchen zusammenschieben, um das zu beheizende Volumen bei noch kleinen Völkern zu reduzieren.
- Leere oder geschwärzte Rähmchen entfernen und schrittweise durch saubere Mittelwand-Rähmchen ersetzen.
- Bei starken Völkern zusätzliche Rähmchen vorbereiten. Schwache Völker nie vergrössern.
- Auf gleichmässige Wabengassen achten, um Wachsbrücken zu vermeiden.
- Das Flugloch auf eine minimale Öffnung einengen, um die Verteidigung zu erleichtern – gegebenenfalls mit einem Wandergitter, insbesondere angesichts der Asiatischen Hornisse.
Worauf besonders zu achten ist
Brutraumrähmchen beim Entfernen zusammenhalten und Brutwaben eng beisammen lassen. Entnommene Rähmchen sachgerecht lagern, lichtgeschützt und vor der Wachsmotte sicher. Eine Honigzarge nicht zu früh aufsetzen, wenn die Volksstärke im Brutraum noch nicht ausreicht, ihn rasch zu besetzen: dies kann Räuberei begünstigen oder Probleme im leeren Raum verursachen.
Weiterführendes
4. Gesundheit der Bienen
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Ziel |
Die beste Prävention sind starke und gesunde Völker
Es ist nicht nötig, alle Krankheiten zu kennen. Entscheidend ist, ein gesundes Volk zu erkennen und dann wahrzunehmen, was davon abweicht. Im Zweifelsfall ist es besser, rasch Hilfe zu holen und den Bieneninspektor oder die Bieneninspektorin zu kontaktieren.
Hilfreiches Merkblatt: 4.7.3. Gesunde Völker erkennen
Varroa
Worauf zu achten ist
Natürlicher Milbenfall, Zustand der adulten Bienen, allfällige Stummelflügel oder abnorme Sterblichkeit, Brutbild sowie Anzeichen von Brutkrankheiten: Faulbrut, Mykose, Virose oder andere Parasitosen.
Konkrete Massnahmen
- Eine Varroaunterlage oder ein Zelluloseblatt unter den Brutraum legen, um den natürlichen Milbenfall zu messen. Die natürliche Tagesmilbenfall sollte 3 nicht überschreiten.
- Einen Befallstest durchführen – Puderzucker-, CO₂- oder Auswaschmethode –, um den Befallsgrad zu schätzen.
- Bienen beobachten: Stummelflügel oder abnorme Sterblichkeit können auf einen hohen Varroabefall hinweisen.
- Bekämpfungsstrategien einleiten: verdeckelte Drohnenbrut alle 2 bis 3 Wochen regelmässig ausschneiden (Drohnenschnitt), um die in den Zellen eingeschlossenen Milben zu vernichten und die Parasitenlast deutlich zu senken.
- Bei hohem Varroadruck gegebenenfalls eine empfohlene Behandlung einplanen.
Worauf besonders zu achten ist
Ein nicht erkannter oder unterschätzter Varroabefall kann gegen Saisonende stark ansteigen. Völker mit einem zugelassenen Mittel oder Verfahren behandeln, wenn der Befallsgrad kritisch wird – unter Berücksichtigung der vom SAP empfohlenen Schwellenwerte. Keine nicht zugelassenen Mittel anwenden und die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Mittels beachten – Oxalsäure zum Beispiel wirkt nur bei brutfreiem Zustand. Bei der Durchsicht auf Anzeichen von Brutkrankheiten achten; bei Verdacht die Beute isolieren und den Bieneninspektor anrufen. Allgemein gilt: jeder verdächtige Geruch oder jedes Anzeichen, das auf eine meldepflichtige Tierseuche hindeuten könnte, darf nicht auf eigene Faust angegangen werden.
Kalkbrut
Mit dem Wechsel von milderen Phasen, Kälterückschlägen und Feuchtigkeit kann Kalkbrut deutlicher sichtbar werden. Das auffälligste Zeichen sind weisse bis schwarze Mumien auf dem Flugbrett oder in den Zellen, oft am Rand des Brutnests.
Merkblatt: 2.4. Kalkbrut
Durchfallerkrankungen
Im März bleiben Durchfallerkrankungen relevant, besonders wenn die ersten Reinigungsflüge die Anzeichen sichtbarer machen. Kotspuren, krabbelnde oder flugunfähige Bienen sowie ein sich entvölkerndes Volk sollten aufmerksam machen.
Merkblatt: 2.5. Durchfallerkrankungen
Asiatische Hornisse
Im März können je nach Region und Witterung die Jungköniginnen der Asiatischen Hornisse wieder aktiv werden und einen geschützten Standort für ein Primärnest suchen. Bei den ersten Besuchen lohnt es sich, in der Nähe von Dachvorsprüngen, Schuppen, Hecken oder Fensterrahmen aufmerksam Ausschau zu halten. Bei einer verdächtigen Beobachtung aus sicherer Distanz fotografieren und den Fund unter www.asiatischehornisse.ch melden.
Weiterführendes
- Merkblatt 1.1: Varroakonzept
- Merkblatt: 1.5.1 Messung des natürlichen Milbenfalls
- Merkblatt: 1.4.1 Drohnenschnitt
5. Vorräte und aktuelle Ressourcen
5.1 Futtervorräte und Fütterung
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Ziel |
Worauf zu achten ist
Futterwaben – Honig und Pollen –, Gesamtgewicht des Volkes, Verbrauchsgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Brutpflege, Wettervorhersage sowie das Vorhandensein oder Fehlen ausreichender natürlicher Einträge.
Konkrete Massnahmen
- Bei der Durchsicht Futterwaben – Honig und Pollen – kontrollieren.
- Im Hinterkopf behalten, dass ein Volk mit Brutpflege im März 1 bis 2 kg Honig pro Woche verbrauchen kann.
- Wenn der Brutraum leicht ist oder Rähmchen leer sind: vorsichtig mit Futterteig füttern, der bedarfsgerecht aufgenommen und kaum oder gar nicht eingelagert wird.
- Bei Bedarf einen lauwarmen Futtersirup 50/50 Wasser-Zucker einsetzen, um die Eilage anzuregen und Mangelerscheinungen vorzubeugen.
- Fütterung nur einleiten, wenn die Wetteraussichten ungünstig sind oder natürliche Einträge fehlen – mangels Ressourcen und/oder nicht ausreichend vieler Flugbienen.
Worauf besonders zu achten ist
Nicht mit Gelée royale oder unkontrolliertem Honig füttern – Seuchenrisiko. Keinen Sirup geben, wenn die Temperatur unter 10–12 °C liegt: die Bienen nehmen ihn schlecht auf, und er kann gären. Futtermittel so einbringen, dass übermässige Feuchtigkeit vermieden wird, und bei Kälte nicht gleichzeitig mehrere Beuten öffnen. Auch eine übermässige Stimulation ist zu vermeiden: Zu starke Anreize im März können im April zu einer schlecht kontrollierbaren Volksdynamik führen.
Weiterführendes
5.2 Wasser für das Volk
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Ziel |
Worauf zu achten ist
Vorhandensein einer funktionstüchtigen Tränke ab dem Auswintern, ihre Exposition, Stabilität, die Möglichkeit für Bienen, sich zu setzen ohne zu ertrinken, sowie die tatsächliche Wasserqualität.
Konkrete Massnahmen
- Ab dem Auswintern eine Bienentränke aufstellen.
- Sie sonnig und windgeschützt platzieren, um Flugbienen anzuziehen.
- Schwimmkörper, Moos, Zweige, Steine oder Korken einlegen, damit die Bienen landen können und nicht ertrinken.
- Wasser sauber halten; eine Prise Salz oder Mineralstoffe kann die Annahme fördern.
Worauf besonders zu achten ist
Regelmässig sicherstellen, dass das Wasser am Tränkenboden nicht gefriert – gegebenenfalls ein besser isoliertes Gefäss verwenden. Kein verschmutztes Standwasser und kein chemisch behandeltes Wasser verwenden. Eine schlecht gepflegte Tränke kann Bienen zu verunreinigten Wasserquellen ablenken und gesundheitliche Probleme verursachen.
Weiterführendes
6. In der Werkstatt / Organisation
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Ziel |
Der März ist auch ein Organisationsmonat. Das Material muss vor dem Frühjahrsaufschwung bereit sein, und Hygiene ist als eigenständige Betriebsmassnahme zu verstehen – nicht als Nebentätigkeit.
- Den ersten Besuch nutzen, um die Varroaunterlage abzuschaben und zu reinigen: Gemüll, Kokons und überschüssige Propolis entfernen.
- Material abflammen oder mit Halades 01 desinfizieren; Alkohol und Bleichmittel werden nicht empfohlen – siehe Merkblatt «Tierarzneimittel».
- Zu stark korrodierte oder gerissene Böden ersetzen.
- Pro Jahr mindestens 3 bis 4 Brutraumrähmchen erneuern, um die Hygiene zu fördern und die Pestizidbelastung zu reduzieren.
- Einen Vorrat an eingewachsten Rähmchen und Ersatzböden bereithalten.
Worauf besonders zu achten ist
Um die Bienen nicht übermässig zu stören und das Brutbild nicht abzukühlen, kann das Volk mit seinen Rähmchen rasch und vollständig in eine saubere, desinfizierte Beute umlogiert werden. Die geleerte Beute wird dann in Ruhe in der Werkstatt gemäss dem vom SAP empfohlenen Protokoll gereinigt und desinfiziert.
Weiterführendes
7. Was noch nicht gemacht wird
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Ziel |
- Keine riskanten Aktionen: Völker nicht teilen und keine aufwendigen Einlogierungen starten, bevor Wetter und Volksstärke es erlauben. Keine komplexen Zuchtbeuten zu früh aufstellen.
- Keine Honigernte und keine Schleuderung: Es läuft noch keine Tracht.
- Keine aufwendigen oder nicht unbedingt notwendigen Behandlungen anwenden – etwa ein Akarizid ohne Notwendigkeit –, die ein noch gebrechliches Volk in seiner Entwicklung bremsen oder blockieren könnten.
- Nicht massenhaft mit 50%-igem Sirup füttern, wenn das Volk keine Futterknappheit hat, um eine übermässige Eilagestimulation bei einem späten Kälterückschlag zu vermeiden.
Allgemeine Hinweise
Prioritäten und Kalender variieren je nach Höhenlage, Exposition, lokalem Wetter und Volksstärke. Bei Verdacht auf eine meldepflichtige Tierseuche den Bieneninspektor kontaktieren, bevor eigenmächtig gehandelt wird.
Siehe auch:
- April am Bienenstand
- Integrierte Varroabekämpfung im Jahresverlauf
- Bienenkrankheiten erkennen
- 10 Regeln für eine gute imkerliche Praxis
- Teufelsspirale: Chronik eines angekündigten Todes
- Welches Wasser für unsere Bienen?
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