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Innere Anatomie: Das Kreislaufsystem

Bei der Honigbiene wie bei allen Insekten füllt die Hämolymphe die gesamte innere, von der Kutikula geschützte Körperhöhle aus. Diese Körperhöhle wird als Hämocoel bezeichnet. Es existiert kein Netzwerk aus Venen und Arterien: Die Organe sind von der Hämolymphe umspült, die dem Organismus die notwendigen Bestandteile liefert. Man spricht von einer extrazellulären Flüssigkeit. Ein langes, röhrenförmiges Gefäss, das Herz, pumpt die Hämolymphe und gewährleistet die Zirkulation der Flüssigkeit im gesamten Organismus.

Innere Anatomie der Honigbiene – Der Kreislaufapparat

Bei der Honigbiene existiert kein geschlossenes Blutgefäßsystem wie bei Wirbeltieren. Stattdessen zirkuliert die Hämolymphe als extrazelluläre Körperflüssigkeit frei im Inneren des Körpers. Die gesamte, von der Cuticula umschlossene Körperhöhle wird als Hämocoel bezeichnet. Alle Organe sind direkt von der Hämolymphe umspült, welche Nährstoffe, Hormone, Stoffwechselprodukte und Signalmoleküle transportiert.

Die Hämolymphe enthält verschiedene Zelltypen (Hämocyten), deren Anzahl insbesondere während der Metamorphose zunimmt. Diese Zellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem der Biene. Die Zusammensetzung der Hämolymphe verändert sich in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium und vom physiologischen Zustand (z. B. Protein- und Enzymspektrum).

Das Hämocoel ist funktionell in drei Hauptbereiche („Sinus“) gegliedert: den dorsalen Sinus (perikardial), den lateralen Sinus (periviszeral) und den ventralen Sinus (perineural). Diese Bereiche werden durch zwei längs verlaufende muskulöse Strukturen getrennt: das dorsale und das ventrale Diaphragma. Deren rhythmische Bewegungen fördern die Verteilung der Hämolymphe im gesamten Körper.

Das zentrale Kreislauforgan ist das Herz, ein kontraktiles, dorsal gelegenes Röhrengefäß. Es nimmt die Hämolymphe aus dem perikardialen Sinus auf und pumpt sie nach vorne in Richtung Kopf. Seitliche Öffnungen (Ostiolen) mit Ventilfunktion erlauben den Einstrom der Hämolymphe in das Herz und verhindern den Rückfluss. Das Herz ist über sogenannte „Herzflügel“ an der Körperwand fixiert.

Im Thorax setzt sich das Herz als nicht kontraktile Aorta fort. Eine gewundene Anfangsregion wirkt als Wärmetauscher und ermöglicht die Regulation der Hämolymphtemperatur. Dadurch bleibt die Biene auch bei Umgebungstemperaturen zwischen etwa 10 °C und 46 °C flugfähig. Die Aorta mündet im Kopfbereich und entlässt die Hämolymphe direkt ins Hämocoel.

Zusätzliche pulsatile Organe in Beinen und Flügeln unterstützen die lokale Zirkulation. Sie sind wichtig für die Versorgung peripherer Nerven, Sinnesorgane und für die Thermoregulation.

Fazit: Der Kreislaufapparat der Honigbiene ist ein offenes, hochfunktionales System, das Stofftransport, Immunabwehr und Temperaturregulation effizient miteinander verbindet.
 

Quelle: Abeille & Cie; 2017, Nr. 173; Technisches Merkblatt; http://www.cari.be


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Autor
Agnès Fayet
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