Imkerlicher Nutzen melliferer Pflanzen
Die Anzahl der Pflanzenarten, die Nektar und Pollen produzieren, ist sehr groß; in der Schweiz werden mehrere Tausend gezählt. Allerdings weisen nicht alle den gleichen imkerlichen Nutzen auf, und nur einige Hundert werden tatsächlich von Bienen besucht. Von diesen haben kaum mehr als rund dreißig einen wirklich hohen imkerlichen Wert, etwa siebzig gelten als sekundär, und die übrigen sind von geringerer Bedeutung, da sie seltener vorkommen oder nur vereinzelt wachsen.
Damit eine Pflanze für die Biene (und den Imker) von Interesse ist, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:
① Die Pflanze muss für die Biene attraktiven Nektar produzieren.
Die Attraktivität einer Pflanze hängt vom Zuckergehalt des Nektars ab, der je nach Blütenart unterschiedlich ist. Ist die Zuckerkonzentration gering, zieht der Nektar die Bienen kaum an: Ein Nektar mit einem Zuckergehalt von unter 20 % ist wenig attraktiv und auch energetisch kaum rentabel. Als mittel gilt ein Zuckergehalt zwischen 20 und 35 %, als hoch ein Gehalt zwischen 35 und 65 %, wobei letzterer von Honigbienen deutlich bevorzugt wird.
② Die Pflanze muss für die Biene attraktiven Pollen produzieren.
Die Attraktivität des Pollens hängt von seinem Gehalt an Proteinen und Aminosäuren ab. Der Pollen vieler Pflanzenarten wird von Bienen nicht gesammelt; dies gilt beispielsweise für den Pollen von Nadelbäumen und generell für den Pollen anemophiler Pflanzen (deren Pollen durch den Wind transportiert wird; griechisch anemos = Wind). Zu diesen Arten zählen auch die Gräser. Sie produzieren einen leichten Pollen in sehr großen Mengen, der leicht vom Wind getragen wird und weit entfernt von der Ursprungspflanze in der Luft vorkommt, wodurch die Bestäubung benachbarter Pflanzen derselben Art gewährleistet wird. Dieser Pollen hat einen geringen Nährwert, und die entsprechenden Pflanzen produzieren keinen Nektar, was sie für Bienen unattraktiv macht (sie sind zudem nicht auf Insektenbestäubung angewiesen). Entomophiler Pollen hingegen wird durch Insekten transportiert (griechisch entomon = Insekt); er ist deutlich nährstoffreicher, schwerer und klebrig, sodass er leicht an den Haaren der Bienen haften bleibt und von diesen effizient von Pflanze zu Pflanze übertragen wird.
③ Der von der Pflanze produzierte Nektar muss für die Biene zugänglich sein.
Die Nektarien mancher Blüten liegen tief und sind nur für Insekten mit ausreichend langer Zunge erreichbar. Dies ist beispielsweise bei bestimmten Kleearten der Fall, deren Nektarien für die Honigbiene nicht zugänglich sind.
④ Mellifere Pflanzen müssen sich in der Nähe der Bienenstöcke befinden und in großer Menge vorhanden sein.
Häufig wird von einem Sammelradius von 3 km um die Bienenstöcke gesprochen. In der Praxis fliegen Bienen jedoch meist nicht viel weiter als 1 km; je größer die Distanz, desto höher ist der Honig- oder Nektarverbrauch für den Flug, was den Ertrag bei der Rückkehr in den Stock stark vermindert oder ganz aufhebt.
Damit die Nektar- bzw. Honigtauerträge reichlich ausfallen, ist eine große blühende Fläche erforderlich. Einige Lavendelbüsche im Garten oder eine einzelne Tanne auf der Wiese tragen kaum etwas bei. Beim Pollen hingegen ist weniger die Menge als vielmehr die Vielfalt der Pflanzen entscheidend: Selbst einige verstreut wachsende Blüten verschiedener Arten sind für die Bienen nützlich, da sie für ihre Ernährung auf eine große Diversität angewiesen sind.


