Die Wärme der Blüten
Bestäuber nutzen präzise Hinweise, um pollen- oder nektarreiche Blüten zu identifizieren: Farbe, Duft … Forschende haben entdeckt, dass Bienen auch auf Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Teilen einer Blüte reagieren. Diese „thermischen Muster“ ermöglichen es ihnen, die nährstoffreichsten Blüten zu erkennen.
Britische Wissenschaftler haben einen neuen Hinweisfaktor untersucht, der es bestäubenden Insekten – neben Farbe oder Duft – ermöglicht, nektarreiche Blüten von anderen zu unterscheiden.
Es ist bekannt, dass bestäubende Insekten verschiedene Hinweise nutzen, um die geeignete Blüte auszuwählen. Während einige davon auch für den Menschen wahrnehmbar sind, etwa Farben oder Blütendüfte, bleiben andere verborgen. In einer am 19. Dezember 2017 in der Fachzeitschrift eLife veröffentlichten Studie stellen Forschende der Universität Bristol (Vereinigtes Königreich) einen solchen Hinweis vor. Sie konnten zeigen, dass Bienen und Hummeln Temperaturunterschiede zwischen verschiedenen Teilen einer Blüte wahrnehmen können und dass diese „thermischen Muster“ es ihnen ermöglichen, Blütenarten zu unterscheiden und gezielt jene mit höherem Nektargehalt auszuwählen.
Temperaturunterschiede von bis zu 11 °C
Die britischen Forschenden stellten fest, dass die Mehrheit der Blüten – selbst weit verbreitete Arten wie Klatschmohn oder Margeriten – solche charakteristischen Temperaturunterschiede aufweist. Von 118 mittels Wärmebildtechnik untersuchten Arten zeigten 55 % Temperaturunterschiede von mehr als 2 °C auf den Blütenblättern, ein Wert, der ausreicht, damit Insekten diese Unterschiede mithilfe thermischer Sensoren an Antennen und Beinen wahrnehmen können. Im Durchschnitt sind diese Muster laut den Forschenden 4 bis 5 °C wärmer als der übrige Teil der Blüte und können sogar bis zu 11 °C darüber liegen. Diese Wärme entsteht entweder durch Thermogenese oder durch die Einstrahlung des Tageslichts.
Die Wissenschaftler stellten zudem künstliche Blüten her, die die bei natürlichen Blüten beobachteten Muster nachahmten. „So konnten wir zeigen, dass diese Insekten in der Lage sind, künstliche Blüten mit thermischen Mustern zu erkennen, die jenen echter Blüten ähneln“, berichten sie in der Studie, und diese bevorzugt anzufliegen. Die Hauptautorin, Dr. Heather Whitney, erklärte in einer Pressemitteilung, dass „das Vorhandensein mehrerer Hinweise an Blüten die Fähigkeit der Bienen verbessert, effizient Nahrung aufzunehmen, wodurch die Menge an Nektar maximiert wird, die sie zur Versorgung der Kolonie sammeln können“. Thermische Muster erfüllen somit eine wichtige Funktion, indem sie es den Insekten ermöglichen, Zeit zu sparen, indem sie gezielt geeignete Blüten anfliegen.
Die Gefahr der Klimaerwärmung
Die Entdeckung dieses Phänomens verstärkt zugleich die Sorge über mögliche Folgen des Klimawandels: „Wenn Bestäuber teilweise durch feine Temperaturunterschiede auf der Oberfläche der Blütenblätter beeinflusst werden, kann bereits eine geringe Veränderung der Umgebungstemperatur erhebliche und unvorhersehbare Auswirkungen auf die Effizienz von Bienen und anderen Bestäubern beim Besuch von Blüten mit thermischen Mustern haben“, vermuten die Forschenden.
Quelle: www.sciencesetavenir.fr


