Der Kastanienbaum
Castanea sativa Miller ist der wissenschaftliche Name des Kastanienbaums. Es handelt sich um einen majestätischen Baum mit sehr hoher Lebenserwartung, der eine Höhe von bis zu 40 Metern und einen Stammumfang von bis zu 15 Metern erreichen kann. Da er Calcium und dessen Salze, insbesondere Carbonate (Kalk), nicht verträgt, kommt er auf sauren Böden vor; dies erklärt, warum er im Wallis nicht gleichmäßig verbreitet ist.
Die Blätter sind groß (bis zu 30 cm lang und 10 cm breit) und tief gezähnt. Wie alle einhäusigen Arten trägt der Kastanienbaum männliche und weibliche Blüten getrennt, jedoch auf derselben Pflanze. Die männlichen Blüten bestehen aus langen, blassgelben Kätzchen, die in Büscheln an den Enden der Zweige angeordnet sind. Die weiblichen Blüten sind deutlich unauffälliger, klein und rundlich und befinden sich an der Basis der männlichen Kätzchen; nach der Befruchtung entwickeln sie sich zu stacheligen Fruchtbechern, die die Kastanien umschließen. In voller Blüte im Juni–Juli wirken Kastanienhaine wie ein duftendes, prächtiges Feuerwerk.
Der Kastanienbaum wird hauptsächlich durch den Wind bestäubt; die Bienen werden jedoch vom sehr intensiven Duft der Blüten angezogen und sammeln eifrig den gelbgrün gefärbten Pollen, der aufgrund seines hohen Gehalts an Proteinen und essenziellen Aminosäuren von großem Wert ist.
Der Kastanienbaum produziert reichlich Nektar mit hohem Zuckergehalt sowie zusätzlich Honigtau. Im Tessin stellt er die wichtigste Sommertracht dar und liefert – sofern er nicht mit der gleichzeitig blühenden Linde vermischt ist – einen sortenreinen Honig mit kräftigem, leicht bitterem und sehr charakteristischem Geschmack. Dieser dunkle Honig bleibt sehr lange flüssig.
Da die Antheren (die pollenproduzierenden und -freisetzenden Teile des männlichen Blütenorgans) direkt über den Nektarien liegen, enthält Kastaniennektar eine große Menge an Pollen, der im Honig entsprechend überrepräsentiert ist. Dieser vom Wind leicht transportierbare Pollen erschwert die pollenanalytische Bestimmung anderer Honige, da ein Honig bis zu 95 % Kastanienpollen enthalten kann, ohne tatsächlich ein Kastanienhonig zu sein.
Das Kastanienholz hatte früher auch eine Anwendung im Zusammenhang mit der Imkerei: Aus den Stämmen wurden Bienenbeuten gefertigt, die beispielsweise im Tessin als „bugni“ und in den Cevennen (Frankreich) als „bruscs“ bezeichnet wurden (Isabella Moretti).
Quellen
Silberfeld, C.; Reeb, Les plantes mellifères, 2016
Agroscope, Wichtige Pollen- und Nektarquellen für Honigbienen in der Schweiz, 2020
Piquée, Les plantes mellifères mois par mois, 2014
Bieri, S.; Bogdanov, L’apiculture – une fascination, Bd. 4: Les produits de la ruche, 2014
Bieri, Pollenanalyse des BIP (Biologisches Institut für Pollenanalyse), 2016
Miels monofloraux suisses, Alp Forum 2005, Nr. 23f (Neuauflage 2008)
Sofia, Le voci – Castagna, Auszug aus dem Wörterbuch der Dialekte der italienischen Schweiz, 2001
Verschiedene Autoren, Le traité Rustica de l’apiculture, 2002


