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Alles übers Schwärmen

Die Natur sorgt für die Vermehrung der Völker durch natürlichen Schwarm, doch der Imker wünscht sich Völker, die sich gut entwickeln und stark werden, ohne zu schwärmen. Ein Volk in Schwarmstimmung zeigt keine Bautätigkeit mehr und sammelt kaum noch Nektar. Schwärme gehen oft verloren, besonders für Imker, die weit von ihrem Bienenstand entfernt sind. Darüber hinaus erfordert das Stammvolk nach dem Schwärmen besondere Aufmerksamkeit und Pflege. Was kann der Imker tun?

1. Die Populationsdynamik

Komplexe Wechselwirkungen zwischen internen Faktoren (z. B. Krankheiten, Imkereipraktiken, Volksstärke usw.) und externen Faktoren (z. B. Klima, Standort, Nahrungsquellen usw.) beeinflussen die Dynamik und das Wachstum der Völker. Diese können sich bis zu einem gewissen Grad an Umweltherausforderungen anpassen, indem sie die Eilage der Königin, die Brutentwicklung und die Langlebigkeit der Individuen regulieren.

      Die Brutentwicklung erreicht ihren Höhepunkt im Juni (grüne Linie) (► Präsentation als PDF herunterladen)

Der wichtigste interne Faktor für die Volksentwicklung ist die Anzahl der von der Königin gelegten Eier. Die Eilage der Königinnen variiert von Individuum zu Individuum. Sie hängt von der Genetik ab und wird durch die Physiologie und den Ernährungszustand der Königin sowie durch den verfügbaren Platz in den Waben für die Eiablage begrenzt. Die erzeugte Brutmenge hängt von der Nahrungsverfügbarkeit und der „Brutpflegeleistung" der Arbeiterinnen ab. Das Überleben der Brut und die Langlebigkeit der Arbeiterinnen bestimmen die Anzahl der Eier, die sich zu funktionsfähigen Individuen entwickeln, sowie die endgültige Volksstärke. Die Brutmenge hängt ihrerseits von den Klimabedingungen und deren Einfluss auf die Nahrungsverfügbarkeit ab. Da die Schwankungen sehr groß sind, ist die Wahl des richtigen Standortes für den Bienenstand grundlegend – wahrscheinlich noch wichtiger als das genetische Erbe der Bienen und ihre Zuchtlinie (Ruttner und Ruttner, 1976).

 

Der Imker kann großen Einfluss ausüben, einerseits durch Krankheitsvorbeugung mittels hygienischer Arbeitsmethoden, andererseits aber auch durch die Förderung von Krankheiten, indem er Erreger von einem Stock auf den anderen überträgt. Die Volksentwicklung kann auch durch vom Menschen verursachte Vergiftungen beeinträchtigt werden, etwa durch den nicht sachgemäßen Einsatz von landwirtschaftlichen Pestiziden oder Varroaziden.  

Der Imker hat großen Einfluss auf die Volksentwicklung

 

Die Vermehrung der Bienen erfolgt durch Teilung des Muttervolkes. Wie bei anderen staatenbildenden Insekten – darunter die meisten Ameisen, Wespen und Termiten – legt ausschließlich die Königin Eier und kann als einzige eine neue Kolonie gründen. Bei den Bienen muss die Königin von einer großen Anzahl Arbeiterinnen begleitet werden, um eine überlebensfähige Fortpflanzungseinheit zu bilden: den Schwarm.

Um die Überlebenschancen beider Einheiten – sowohl des Schwarms als auch des Muttervolkes – zu maximieren, verlässt die alte Königin das Muttervolk, um ein neues zu gründen. Die neue Königin, die im Muttervolk schlüpft, übernimmt die Sicherheit des angestammten Nestes und das bewährte Sammelgebiet, aber auch die bestehenden Brutkrankheiten. Sie muss außerdem ihren Begattungsflug absolvieren, der sie Raubtieren, Unfällen und Krankheiten (durch die Drohnen) aussetzt. Wenn die Bedingungen es erlauben (guter Nektar- und Pollenertrag), kann ein Volk in einer einzigen Saison mehrere Schwärme bilden.

2. Der Schwarmtrieb: der Schwarm bereitet sich vor

 

 

Übersteigt die Anzahl der verdeckelten Zellen die der offenen, steigt das Schwarmrisiko.

Wenn ein Volk stark gewachsen ist und den Bienen kaum noch Platz zur Verfügung steht, werden auch die Bewegungen der Königin eingeschränkt, vor allem wenn immer mehr gedeckelte Brut vorhanden ist und sie kaum noch leere Zellen zur Eiablage findet. Die Arnhardt-Drüse sondert dann ein Markierungspheromon (Fußsohlenabdruck) ab.

Diese Sekretion ist bei der Königin 10–15 Mal stärker als bei den Arbeiterinnen, doch die chemische Zusammensetzung dieses Pheromons ist zwischen diesen beiden Kasten nahezu identisch (im Gegensatz zu jenem der Drohnen, das sich stark unterscheidet). Beim Abschreiten der Waben hinterlässt die Königin dieses Pheromon, das – in Verbindung mit einem Mandibeldrüsenpheromon – die Arbeiterinnen daran hindert, Weiselzellen zu bauen. Bei der Königin folgen die Entwicklung der Arnhardt-Drüsen und die Ausschüttung des Markierungspheromons dem (saisonalen) Legetakt und nehmen mit dem Alter der Königin ab. Wenn die Fläche der gedeckelten Brut sehr groß ist, freie Zellen fehlen und dadurch die Eilage gedrosselt wird, und wenn die große Anzahl der Arbeiterinnen die Königin in den oberen Bereich der Waben drängt, entstehen am unteren Wabenrand Schwarmzellen. Dasselbe Phänomen tritt auf, wenn der Imker das Brutnest durch das Einsetzen einer Mittelwand „halbiert". Der von der Königin weniger besuchte Wabenteil wird bald eine unerwünschte Weiselzelle aufweisen.

Die Königin hält sich dann vorwiegend in der oberen Hälfte der Waben auf und erreicht die unteren Ränder kaum noch. Dort werden bald Weiselzellen gebaut. Es ist anzunehmen, dass der direkte Kontakt mit der Königin den Bau von Weiselzellen verhindert. Tatsächlich verteilt sie bei ihren Wanderungen mit ihren Tarsen (Fußgliedern) zwei chemische Signale – Pheromone.

 

Das Fußsohlenpheromon der Königin (Footprint Pheromone)  


Foto: S. Imboden

 

Eines dieser Pheromone wird von den Mandibulardrüsen produziert, das andere von den Tarsaldrüsen. Bei legenden Königinnen sind die Tarsaldrüsen besonders gut entwickelt. Experimente haben gezeigt, dass ein Gemisch beider Pheromone den Bau von Weiselzellen verhindert. Der Schwarmtrieb setzt ein, wenn diese Pheromone nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden oder ungleichmäßig auf den Waben verteilt sind.

Die Arbeiterinnen beginnen, am Rand des Brutnestes Weiselzellen zu bauen, in die die Königin rasch Eier legen wird. Dies ist der Beginn einer ununterbrochenen Ereigniskette:

  • Sammeltätigkeit, Bautrieb und Putztrieb nehmen erheblich ab
  • Die Aggressivität nimmt zu
  • Die Arbeiterinnen füttern ihre Königin weniger; sie schütteln, stoßen und beißen sie sogar
  • Die Folge ist, dass die Königin an Gewicht verliert und ihre Legetätigkeit reduziert; gleichzeitig wird sie jedoch wieder flugfähig
  • Die Bienen bereiten sich ebenfalls auf den „Abflug" vor und saugen sich mit Nahrung voll. Binnen etwa zehn Tagen vervierfacht sich das Durchschnittsgewicht des Honigmagens. Auch die Bienen, die nicht abfliegen werden, nehmen an diesen Fressorgien teil
  • Der Zuckergehalt des Honigmageninhalts der Arbeiterinnen steigt von etwa 40 % auf 70 %. Weitere Reserven werden im Fettkörper der Bienen eingelagert.

Zu beachten ist, dass sich das Schwärmen über 7 bis 12 Tage vorbereitet – es ist kein plötzlicher Vorgang.

3. Der Primärschwarm

Unter normalen Umständen nimmt die offene Brut mehr Platz ein als die gedeckelte Brut. Einige Tage vor dem Schwärmen – bedingt durch den Mangel an Eiablageplatz, vor allem aber durch das Nachlassen der Legetätigkeit – nimmt die gedeckelte Brut mehr Platz ein als die offene Brut. In dem Moment, in dem sich dieses Verhältnis umkehrt und die Bienen die erste Weiselzelle verdeckeln, ist der Schwarmtrieb ausgelöst.

 

Weiselzellen am unteren Wabenrand kündigen häufig das Schwärmen an

 

Die meisten Schwärme fliegen zwischen 11 und 16 Uhr ab. Wenn das Schwärmen durch schlechte Flugbedingungen um mehrere Tage verzögert wird oder es sich um einen Nachschwarm handelt, hört man die Jungköniginnen in den Weiselzellen singen. In diesem Fall ist das Volk am Tag vor dem Abflug ruhig. Am Schwarmtag und kurz vor dem Abflug pressen die Königinnen ihren Thorax fest gegen die Waben, um ihnen Vibrationen zu übermitteln, die von den Waben besonders gut weitergeleitet werden. Die Bienen nehmen dieses Signal über spezielle Organe an ihren Beinen wahr. Bereits geschlüpfte Königinnen „singen", während jene, die sich noch in den Weiselzellen befinden, zirpende Laute von sich geben. Tatsächlich singen die Königinnen nicht, sondern erzeugen mit ihren Flügeln Vibrationen. Befinden sich mehrere Königinnen im selben Volk, erhält jedes Signal eine entsprechende Antwort einer Konkurrentin.

 

Das Schlüpfen der ersten Königin löst häufig den Schwarmabgang aus  

 

 

Die Funktion dieser Signale konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Es könnte sich darum handeln, die Jungköniginnen über das Vorhandensein von Konkurrentinnen zu informieren und ihnen bei der Entscheidungsfindung im Schwarmprozess zu helfen.

Auch Arbeiterinnen können singen. Bevor der Schwarm den Stock oder den Ast, an dem er hängt, verlässt, bereiten ihn einige Arbeiterinnen durch einen Gesang auf den Abflug vor. Sie beginnen daraufhin, ihre Flugmuskeln aufzuwärmen. Der Schwarmabgang wird durch dieselben Arbeiterinnen ausgelöst, die wie wild zwischen ihren Artgenossen umherlaufen. Sie rennen im Zickzack über die Waben und vibrieren in kurzen Abständen mit den Flügeln. Anschließend breitet sich die Aufregung lawinengleich im gesamten Volk aus. Während die Arbeiterinnen auf dem Flugbrett scheinbar untätig wirken, arbeiten ihre Wachsdrüsen, und 6 kleine Wachsplättchen erscheinen auf ihrem Hinterleib (sichtbar, wenn man die Biene umdreht), bereit für den Bau neuer Waben in der künftigen Beute.

Dann ergießt sich eine wahre Bienenwelle durch das Flugloch und reißt meistens die alte Königin mit. Etwa die Hälfte des Volksbestandes (bei einem Primärschwarm) verlässt die Beute ins Freie (ca. 1000 Bienen pro Minute). Bienen aus dem Nachbarvolk schließen sich diesem Bienenschwarm an.

 

Eine Schwarmpropolis ist ein großartiges Schauspiel

 

Wenn ein Bienenschwarm aus einer Beute ausgeht, fliegt er nicht direkt zu seinem neuen Standort. Er setzt sich in der Regel auf einem Baum oder Ast wenige Meter von der Herkunftsbeute entfernt nieder (was dem Imker gelegentlich ermöglicht, ihn einzufangen, wenn er ihn rechtzeitig entdeckt). Angelockt von verschiedenen chemischen Signalen bilden die Bienen eine Traube um die Königin und beruhigen sich dann rasch. Es sind die Pheromone der Stachelkammer und der Mandibulardrüsen der Königin in Verbindung mit dem Lüftungsduft der Nasanov-Drüse der Spurbienen, die eine anziehende Wirkung haben. Während junge Bienen im Innern der Traube lockere Ketten bilden, bilden ältere Arbeiterinnen einen dichten Mantel um sie.

 

Der Schwarm setzt sich zunächst 10 bis 50 m vom Bienenstand entfernt nieder (was dem Imker gelegentlich ermöglicht, ihn einzufangen, wenn er ihn rechtzeitig entdeckt)  

Dem Schwarm fehlt jedoch noch eine geeignete Unterkunft. Etwa 5 % der Schwarmbienen (die erfahrensten) fliegen als Spurbienen aus, um geeignete neue Standorte zu erkunden. Dieser Zwischenstopp dauert nur ein bis drei Tage. Das Schwärmen der Bienen ist ein echtes Verfahren direkter Demokratie und kollektiver Intelligenz, da es darum geht, einen Konsens über den künftigen Standort des Volkes zu finden.

Alle Spurbienen haben die gleiche Informationsmacht und präsentieren ihre Entdeckungen transparent und häufig gleichzeitig. Je nach Intensität der Kommunikation wirbt die entdeckende Biene eine mehr oder weniger große Anzahl neuer Spurbienen an, die den Standort ihrerseits besuchen und eine unabhängige Bewertung vornehmen. Sie können wiederum ihre Meinung äußern. Nach mehreren Stunden und manchmal bis zu 3 Tagen des kontinuierlichen Wissensaustauschs entsteht aus diesem Entscheidungsprozess ein Konsens, der zur endgültigen Wahl des Ziels führt. Eine Entscheidung wird häufig dann getroffen, wenn etwa 80 % der Spurbienen einen einzigen Ort vereinbart haben und/oder wenn sich ein Quorum von 20 bis 30 Spurbienen an einem potenziellen Neststandort befindet. Sobald sich die Spurbienen auf ihre neue Unterkunft geeinigt haben, kehren sie zum Schwarm zurück, um ihnen den Weg dorthin zu weisen. Sie fliegen in schnellen Hin- und Hergängen in der Bienenmasse in Richtung des neuen Standorts.

Dieser kollektive Entscheidungsprozess gelingt außerordentlich gut darin, den geeignetsten neuen Standort zu finden und den Schwarm zusammenzuhalten.

Ein guter Neststandort muss folgende Eigenschaften aufweisen:

  • groß genug für den Schwarm sein (mindestens 15 Liter Volumen, vorzugsweise ca. 40 Liter),
  • gut vor Witterungseinflüssen geschützt sein (nicht zu windig) und eine gewisse Sonnenwärme erhalten (vorzugsweise halbschattig, Eingang nach Osten ausgerichtet, um die Morgenwärme zu nutzen),
  • einen kleinen Eingang (ca. 12,5 cm²) im unteren Teil der Höhlung aufweisen,
  • nicht mit Ameisen befallen sein.

Neststandorte mit verlassenen Bienennestern oder Bienenstöcken werden bevorzugt, da der Geruch von Honig und Propolis die Spurbienen beruhigt (dies nutzt man beim Fangen von Schwärmen).

Sobald der Schwarm sich endgültig niedergelassen hat, bauen die Arbeiterinnen sehr rasch Waben für die neue Brut und zur Honigspeicherung. Die Königin beginnt erst 3 Tage nach der Ankunft am neuen Standort wieder mit der Eiablage, um die Entwicklung des neuen Volkes so schnell wie möglich zu gewährleisten.

Da die Königin bis zu 5 Jahre leben kann, kann sie in ihrem Leben mehrmals schwärmen (in der Praxis ersetzen Imker die Königinnen jedoch in der Regel jedes Jahr oder alle zwei Jahre, um eine maximale Legetätigkeit sicherzustellen).

 

Leider überlebt ein Schwarm in der Natur ohne Behandlung gegen Varroa destructor nicht
(Foto: S. Imboden)

 

Lässt sich ein Schwarm irgendwo in der Natur nieder, spricht man davon, dass er in den Wildstand zurückkehrt (feraler Zustand). Leider ist die Überlebenswahrscheinlichkeit über 2 Jahre hinaus gering, denn mit dem Aufkommen des Parasiten Varroa destructor in den 1980er Jahren werden Krankheiten übertragen, die zum Tod des Volkes führen.

Gelegentlich sind noch im September Schwärme zu beobachten. Je früher im Jahr ein Schwarm aufbricht, desto besser stehen seine Chancen, eine ausreichend große Population für die Überwinterung aufzubauen und genügend Wintervorräte anzusammeln.

4. Der Nachschwarm

Die im Stammvolk verbliebenen Bienen verfügen über eine Unterkunft und reichliche Futtervorräte. Mit dem Abgang des Primärschwarms hat sich die Volksstärke des Muttervolkes um einige Tausend Bienen verringert. Obwohl die Legetätigkeit der alten Königin kurz vor dem Schwärmen stark gedrosselt worden war, lief die Brutaufzucht zuvor auf Hochtouren. Im verbliebenen Volk schlüpfen kontinuierlich neue Bienen, und die Population erreicht in kurzer Zeit wieder ihre ursprüngliche Stärke.

Die erste nach dem Abgang des Primärschwarms geschlüpfte, noch unbegattete Königin fliegt häufig nach etwa 1 Woche mit einem Nachschwarm ab, gelegentlich begleitet von mehreren weiteren jungen unbegatteten Königinnen. Die Bienenzahl dieser Nachschwärme ist meist geringer als beim Primärschwarm, und die neue Königin ist noch nicht in der Eilage. Es ist daher nicht einfach für diese kleinen Schwärme, ein Volk zu bilden, das mit ausreichend Bienen und Futtervorräten überwintern kann.

 

Es gibt verschiedene Schwarmarten:

  • Primärschwarm: Erster Schwarm, der mit der alten Königin abgeht
  • Nachschwarm / Tertiärschwarm: Schwarm mit einer oder mehreren jungen unbegatteten Königinnen, der nach dem Primärschwarm abgeht. Ein Volk kann mehrere Schwärme bilden (Tertiär-, Quartärschwarm …)
  • Singender Schwarm / Gesangsschwarm: Stirbt die alte Königin des Stocks vor dem Schwärmen, singen die Jungköniginnen eifrig in ihrer Zelle und kündigen ihr Schlüpfen an
  • Falscher Schwarm: Die Königin verbleibt beim Schwarmabgang im Stock oder kehrt dorthin zurück
  • Täuschungsschwarm: Nach einer längeren Schlechtwetterperiode kann es vorkommen, dass eine große Anzahl Arbeiterinnen die Königin auf ihrem Begattungsflug begleitet. Fällt die Königin bei der Paarung mit der Drohne, bildet sich um sie herum eine Bienentraube, die sich rasch wieder auflöst
  • Hungerschwarm: Schwarm, der durch eine lange Hungerperiode ausgelöst wird.
 

 

 

Pro Volk kann es nur eine Königin geben. Im Stammvolk schlüpft die erste Königin aus ihrer Zelle in der Regel eine Woche nach dem ersten Schwarmereignis. Instinktiv will sie die übrigen, noch in ihren Weiselzellen sitzenden Königinnen eliminieren; ist das Volk jedoch stark genug, schützt es die Weiselzellen und hindert diese erste Königin daran, ihre Schwestern zu töten. Die erste Königin beginnt daraufhin zu singen, um ihre Anwesenheit zu signalisieren. Hören andere schlupfreife Königinnen diesen Gesang, antworten sie von innen aus ihren Zellen heraus; und wenn die erste Königin der Ansicht ist, dass zu viele Konkurrentinnen zu eliminieren und zu viel Widerstand seitens der Arbeiterinnen zu erwarten sind, entscheidet sie sich häufig, den Stock in einem Nachschwarm zu verlassen, um die zahlreichen potenziellen Kämpfe zu umgehen (da ihre Giftproduktion nicht ausreicht). Der Vorgang wiederholt sich mit der nächsten schlüpfenden Jungkönigin. In den stärksten Völkern kann es daher zu einem Tertiärschwarm kommen. Ist das Volk nicht mehr stark genug, um der Königin entgegenzutreten, lässt es die erste schlüpfende Königin zu, ihre Schwestern zu töten, indem sie die Weiselzellen seitlich annagt und die Nymphen durch einen Stich in ihre Zelle tötet; schlüpfen jedoch zwei Königinnen gleichzeitig, kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod, der die Überlebende verletzen und so eine Königin minderer Qualität hervorbringen kann. Verläuft alles gut, unternimmt die siegreiche Königin eine Woche später ihren ersten Begattungsflug (siehe Video unten).

Bis zum Schlüpfen der ersten Bienen der neuen Generation (nach ca. 35 Tagen) sind die Muttervölker meist erheblich geschwächt und erzielen häufig keine Sommerernte mehr. In der Regel gelingt es ihnen jedoch, eine für die Überwinterung ausreichende Volksstärke zu erreichen.

5. Risiken

Das Schwärmen ist eine vulnerable Phase im Leben der Bienen. Während dieser Phase werden sie ausschließlich durch den Nektar oder Honig versorgt, den sie in ihrem Honigmagen mitführen. Ein Schwarm kann verhungern, wenn er nicht rasch einen Standort zum Niederlassen und Nektarquellen findet. Dies geschieht am häufigsten bei Schwärmen, die früh im Frühjahr an einem warmen Tag aufbrechen, dem dann kaltes oder regnerisches Wetter folgt. Das Ausgangsvolk ist nach der Abgabe eines oder mehrerer Schwärme in der Regel gut mit Nahrung versorgt, doch die neue Königin kann auf ihrem Begattungsflug verloren gehen oder von Räubern gefressen werden; schlechtes Wetter kann ihren Begattungsflug zudem verhindern. In diesem Fall fehlt dem Volk junges Brutnest zur Aufzucht weiterer Königinnen und es wird nicht überleben.

 

Ein Schwarm ist sehr eindrucksvoll, das Risiko für den Menschen ist jedoch gering, da eine Biene aus einem Schwarm aus mehreren Gründen selten sticht:

  • Die Bienen sind ohne Unterkunft, ohne Brut und ohne Vorräte. Sie haben nichts zu verteidigen.
  • Jede Biene füllt ihren Honigmagen vor dem Abflug mit Honig. Dies ist die einzige kurzfristig verfügbare Nahrungsquelle für den Schwarm. Eine mit Honig vollgesaugte Biene sticht nicht. Aus demselben Grund beräuchert man eine Beute vor der Arbeit daran: Das Einräuchern veranlasst die Bienen, sich mit Honig vollzusaugen, bevor sie den Stock bei einem allfälligen Brand notfallmäßig verlassen müssen.
  • Der Massenverlust an Bienen führt unmittelbar zur Schwächung des Schwarms, da eine Biene stirbt, nachdem sie einen Menschen gestochen hat (Herausreißen des Stachels). Der Aufbau des neuen Volkes erfordert, den Bestand so weit wie möglich zu erhalten.
 

Für den Menschen ist der Schwarm nicht gefährlich


Ein Imker kann sich daher einem Schwarm nähern oder ihn berühren, ohne großes Stichrisiko. Dennoch sind bei allen Manipulationen ein ruhiges Temperament und sehr langsame Bewegungen erforderlich, damit die Bienen ungestört ihren Platz einnehmen können und der Imker nicht mit einer Gefahr assoziiert wird. Es ist jedoch gut zu wissen, dass jede zerdrückte Biene stechen wird, unabhängig von ihrer Stimmung.

6. Einfangen von Schwärmen

Manche Imker fangen gemeldete Schwärme ein. Der Vorteil besteht darin, dass sie einen zusätzlichen Produktionsschwarm für ihren Bienenstand gewinnen. Der Nachteil ist, dass sie ein schwarmendes Volk mit einer Königin unbekannter Qualität übernehmen statt einer stabileren, selektierten Zuchtlinie. Auch der Gesundheitszustand des Schwarms ist unbekannt; er könnte Träger von Krankheiten oder Varroa sein.

Es gibt verschiedene Methoden, einen Schwarm einzufangen. Es ist ein heikles Verfahren, bei dem es darauf ankommt, die Mehrheit der Individuen zu erfassen; der Rest kann anschließend gesammelt werden.

 

Schwarmfang in Montfavet in den 1900er Jahren

 

Wenn der Schwarm sich niederlässt und eine Traube bildet, ist es verhältnismäßig einfach, ihn in einem Ablegerkasten (Jungvolk) einzufangen. Eine Methode, die an einem sonnigen Tag angewandt werden kann, wenn der Schwarm an einem unteren Ast oder einem kleinen Baum sitzt, besteht darin, ein weißes Tuch unter den Schwarm zu legen. Ein Ablegerkasten wird auf das Tuch gestellt. Der Schwarm wird von außen mit Zuckerwasser besprüht (das Einsprühen von Zuckerwasser auf die Schwarmbienen macht ihre Flügel klebrig, sodass sie nicht richtig fliegen können: sie bleiben ruhiger oder fliegen nicht weit) und dann kräftig vom Ast geschüttelt. Die Hauptgruppe, einschließlich der Königin, fällt auf das weiße Tuch, und die Bienen marschieren rasch in den nächsten sichtbaren dunklen Hohlraum, nämlich die Öffnung des Ablegers. Ein geordneter Einzug in Richtung der Öffnung folgt, und nach 15 Minuten ist der Großteil der Bienen im Ableger. Sie bleiben dort ein bis zwei Nächte eingesperrt. Ist die Beute einladend (Sauberkeit, Standort, Schutz), bleibt der Schwarm darin.

Beim Einfangen eines Schwarms (besonders eines Nachschwarms oder Tertiärschwarms) empfiehlt es sich, den Ablegerkasten kühler (damit der Schwarm sich eng um seine Königin sammelt) und 48 Stunden lang dunkel aufzustellen; andernfalls kann der Schwarm leicht abhauen. Eine weitere Möglichkeit, den Schwarm zu fixieren, besteht darin, ihm eine frische Brutwabe zu geben. 48 Stunden nach dem Einfangen gibt man dem neuen Volk Sirop 50/50, damit es rasch die Waben bauen kann; die Bienen verbleiben dazu im Stock und wärmen und pflegen ihn.

 

6.1 Arbeitsablauf

  • Schwarm einfangen
  • 1–2 Tage in einem kühlen Keller aufbewahren (Kellerhaft)
  • in die neue Beute einlogieren
  • füttern
  • auf Weiselzellen kontrollieren
  • Es wird empfohlen, den Schwarm mit Oxalsäure zu behandeln, bevor die Brut verdeckelt ist

Schwarm einfangen

  • die Traube mit Wasser einsprühen
  • die Traube in den Schwarmkasten oder in einen Ablegerkasten mit 6 Mittelwandrahmen schütteln oder bürsten
  • den Schwarmkasten oder Ablegerkasten in der Nähe (im Schatten oder mit einem feuchten Tuch abgedeckt) auf den Boden stellen
  • eine Öffnung lassen, damit noch in der Luft befindliche Bienen zum Schwarm stoßen können
  • erst eine Stunde später oder abends in der Dämmerung den Schwarmkasten schließen und ein bis zwei Nächte in einem dunklen, kühlen Keller aufbewahren (bei Bedarf füttern)
  • das Volk am folgenden Abend einlogieren (Primärschwärme können auch sofort einlogiert werden) und füttern, bis die Waben ausgebaut sind (3 bis 8 Liter Sirup)
  • Es ist wichtig, möglichst bald nach dem Einfangen eine Varroabehandlung durchzuführen (z. B. mit Oxalsäure, außerhalb der Brut)
  • nach 12 bis 14 Tagen auf allfällige Weiselzellen, Volksstärke, Wabenausbau, Futtervorräte sowie auf die Anwesenheit der Königin und der Eilage kontrollieren (bei Nachschwärmen, bei denen die Königin noch begattet werden muss, beginnt die Eilage erst nach ca. 2 Wochen)
  • bei Bedarf mit Baurahmen erweitern und füttern

 

Viele Imker berichten vom erfolgreichen Einsatz einer Schwarmattrappe. Mit ihr und etwas Glück ist der Schwarmfang sehr einfach. Sobald sich die Bienen an der Schwarmattrappe festgesetzt haben, kann diese leicht geborgen werden.  

Mit einer Schwarmattrappe und etwas Glück ist der Schwarmfang einfach.

 

Die Qualität der eingefangenen Schwärme hängt vom Zeitpunkt des Fangs ab. Nachschwärme oder Tertiärschwärme aus dem April oder Mai bereiten in der Regel keine Probleme. Jene, die nach Ende Juni einlogiert werden, haben größere Mühe, sich zu entwickeln. Wie die alten Imker sagen: „Schwarm im Mai ist Gold wert! Schwarm im Juni ist Silber wert! Schwarm im Juli ist nichts wert!"

6.2 Pflege der geschwärmten Völker (Muttervölker)

An Tag 1 bis 5 nach dem Schwarmabgang kontrollieren, ob eine neue Königin vorhanden ist; alle übrigen entfernen oder das gesamte Volk in mehrere Jungvölker mit je einer reifen Weiselzelle aufteilen. Ist keine Königin vorhanden, eine einzige Weiselzelle belassen. Wenn die Jungkönigin Laute von sich gibt (Königinnengesang), will das Volk erneut schwärmen. In diesem Fall müssen Jungköniginnen oder Weiselzellen sofort entfernt werden (sie können zur Bildung von Jungvölkern verwendet werden). Im Muttervolk darf nur eine einzige Königin oder Weiselzelle verbleiben. Je nach Tracht oder Volksstärke entnimmt man einige Honigwaben und engt das Brutnest ein, sodass alle Waben gut besetzt sind. Nach 14 Tagen muss die Jungkönigin in der Eilage sein. Bei Abwesenheit von Brut eine Kontrollwabe einsetzen (Weiselprobe).

Die Weiselprobe

Ein Volk ohne Brut ist nicht unbedingt weisellos. Die Königin macht eventuell eine Brutpause, oder das Volk vollzieht eine Supersedure (natürlicher Weiselwechsel), und die Jungkönigin legt noch keine Eier. Es darf nicht vergessen werden, dass eine Königin möglicherweise nicht begattet wurde.

Als Weiselprobe setzt man eine bienenleere Wabe mit Eiern und junger Brut ein. Ist das Volk weisellos, finden sich drei Tage später auf der Kontrollwabe Nachschaffungszellen.

7. Faktoren, die das Schwärmen begünstigen

  • Bienenrasse und Zuchtstoff des Volkes: Manche Rassen schwärmen deutlich mehr als andere
  • Genetische Veranlagung der Königin
  • Jahreszeit: vor allem im Frühjahr vor der Haupttracht
  • Platzmangel (Überfüllung des Brutraums): viele verdeckelte Brutwaben, keine Ablagemöglichkeit für die Königin bei enormer Bienenkonzentration
  • Zu kleiner Bienenstock: Dies tritt in der Regel nach dem Eintrag großer Pollenmengen auf, die die Volksstärke rasch anwachsen lassen. Die Folge: eine Verdünnung der Pheromonkonzentration der Königin, weil das Volk zu stark bevölkert ist
  • Mangel an Lagerraum für Honig während der Tracht
  • Mangel an Platz für die Bautätigkeit
  • Ungünstige Witterungsbedingungen: anhaltend schlechtes Wetter nach einer guten Blütentracht, wechselhaftes Wetter
  • Zu starke Flüssigfütterung im Spätfrühling
  • Alter der Königin (2–3 % Schwarmtrieb bei einer Königin des laufenden Jahres, aber n+1 → 20 % (bei einer zweijährigen Königin) und n+2 → 50 % (bei einer dreijährigen Königin). Die Zerstörung der Weiselzellen reicht nicht aus, um das Schwärmen zu verhindern)
  • Zu starke Besonnung der Fluglochseiten der Beuten und zu hohe Temperatur im Bienenstock (unzureichende Belüftung)

8. Wie lässt sich das Schwärmen beherrschen?

  • Rechtzeitig Raum geben (neue Baurahmen, Honigraum aufsetzen, Brutrahmen mit Bienen entnehmen usw.)
  • Viel Mittelwand zum Ausbauen geben
  • Drohnenwaben regelmäßig schneiden (Drohnenschnitt)
  • Junge Qualitätsköniginnen einweiseln
  • Stärkere genetische Schwarmneigung: eine Qualitätskönigin wählen. „Zufallsköniginnen" zeigen deutlich stärkeren Schwarmtrieb als professionell gezogene Königinnen.
  • Laubgehölze pflanzen, die nachmittags Schatten auf die Fluglochseite der Beuten werfen
  • Einer Königin einen Flügel beschneiden (dies ist keine Schwarmverhinderungsmaßnahme, sondern eine Methode zur Schwarmrückgewinnung)
  • Regelmäßiges Zerstören der Weiselzellen (mindestens einmal pro Woche) wird manchmal empfohlen, beschleunigt das Schwärmen jedoch tendenziell
  • Ein Bienenpaket entnehmen
  • Waben mit Weiselzellen entnehmen und Jungvölker bilden; die Königin kann später bei Bedarf gewechselt werden
  • Die Königin absetzen: eine Wabe mit der Königin entnehmen, in einem Ablegerkasten an einen entfernten Bienenstand transportieren; Weiselzellen sofort und nochmals eine Woche später zerstören; die Königin wie eine neue in die Beute einweiseln
  • Königin wechseln: Wird die Königin gewechselt und die Weiselzellen entfernt, lässt der Schwarmtrieb wahrscheinlich nach
  • Volksteilung oder Kunstschwarm (siehe Kapitel 8.1)
  • Zargeninversion im Frühjahr (siehe Kapitel 8.2)
  • Demaree-Methode (oder Schachbrettmethode) anwenden. Ihr Hauptziel ist die Trennung der offenen Brut, einschließlich der Eier, von der Königin (siehe Kapitel 8.3)
  • Virdis-Methode anwenden: Transfer der gedeckelten Brut in einen 2. Zargenturm über dem ersten (siehe Kapitel 8.4)
  • Königin käfigen (Methode, die derzeit von Serge Imboden und Claude Pfefferlé, Imkergesellschaft Sitten, erprobt wird: www.apision.ch): Siehe Kapitel 8.5 und den Artikel: ► Den Schwarmtrieb löschen

 

8.1 Methode 1: Kunstschwarm

(siehe Artikel: ► Bildung von Jungvölkern)

Arbeitsablauf:

  • Die Königin des Muttervolkes einfangen und in einen Absperrkäfig setzen
  • Den Käfig mit der Königin des Muttervolkes oder einer neu gezogenen Zuchtkönigin in einen Schwarmkasten (oder in einen Ablegerkasten mit Mittelwandrahmen) geben
  • 1 bis 2 kg Bienen aus dem Volk (oder aus mehreren Völkern), jedoch ohne die Königin, entnehmen und in den Schwarmkasten bürsten
  • Dem Kunstschwarm sofort etwas Flüssigfutter geben
  • Den Schwarm in einem dunklen, kühlen Keller aufbewahren, bis sich eine homogene Schwarmtraube um den Absperrkäfig mit der Königin gebildet hat (ein bis zwei Nächte)
  • An einem Jungvolkstand in ca. 3 km Entfernung aufstellen, mit Mittelwandrahmen bestücken und die Königin freilassen (soll der Kunstschwarm am gleichen Standort wie zuvor aufgestellt werden, muss er mindestens 4 Nächte im Keller verbleiben und gefüttert werden)
  • Erste Kontrolle nach 7 Tagen (Annahme der Königin prüfen, andernfalls neue Königin einweiseln, Bienenzahl, Futterversorgung usw.)
  • Das Jungvolk mit Oxalsäure behandeln (durch Besprühen, Träufeln oder Verdampfen)
  • Kontrolle des Spendervolkes (Weiselzellen, Anwesenheit der Königin, Eilage)

Siehe auch:

Kunstschwarm
Kunstschwarm mit Königin

 

8.2 Methode 2: Zargeninversion

(siehe auch den Artikel: ► Das Schwärmen verstehen)

Eine einfache Methode ist die Zargeninversion im Frühjahr. Sie wird vor allem bei Völkern eingesetzt, die auf zwei Zargen überwintert haben, kann aber nach dem Aufsetzen einer zweiten Brutzarge auch bei außen oder in einem Keller auf einer Zarge überwinterten Völkern angewendet werden. Das Prinzip ist folgendes:

Bienen in Beuten, die außen auf zwei Zargen überwintert haben, verbrauchen ihren Sirup den ganzen Winter über, indem sie schrittweise in die obere Zarge aufsteigen. Normalerweise befindet sich die Bienentraube am Ende des Winters in der oberen Zarge, während die untere leer ist. Die Königin beginnt daher in der oberen Zarge mit der Eiablage. Durch das Vertauschen der Zargen zu diesem Zeitpunkt wird der leere Raum über der Traube und der Brut positioniert, was für das Volk natürlicher ist. Die Königin kann dann in die leere obere Zarge aufsteigen und dort Eier legen. Einige Wochen später können die Zargen nochmals invertiert werden, wenn die Brut in der unteren Zarge gerade schlüpft, um diesen neu entstandenen freien Raum wieder oben im Volk zu platzieren. So ist gewährleistet, dass der Königin stets ausreichend Eiablageplatz zur Verfügung steht und zugleich die Anzahl der Sammelbienen maximiert wird, die beim Einsetzen der Tracht ausrücken.

8.3 Methode 3: Demaree-Methode

Ein bewährtes Mittel zur Schwarmverhinderung ist das Demaree-Verfahren. Es wurde von George Demaree entwickelt und erstmals 1884 im American Bee Journal vorgestellt. Sein Hauptziel ist die Trennung der offenen Brut, einschließlich der Eier, von der Königin. Die Brut wird über einem Königinnengitter platziert, während die Königin unten verbleibt. Dieses Verfahren reduziert die Übervölkerung der Beute und den Schwarmtrieb. Es ermöglicht so, den gesamten Volksbestand zu erhalten und die Honigproduktion zu maximieren.

Es handelt sich dabei um einen Kunstschwarm, ohne das Volk physisch zu trennen. Die gesamte Brut – bis auf eine schöne Wabe mit Larven und verdeckelten Zellen – wird in eine Zarge umgesetzt, die über den Honigzargen aufgesetzt wird (bei Dadant-Beuten: 2 übereinandergestapelte Zargen). In der unteren Zarge verbleibt eine Vorratswabe, die Brutwabe (mit der Königin) sowie 8 leere, ausgestreckte Rähmchen. Anschließend wird das Königinnengitter zwischen unterer Zarge und den Honigzargen eingeschoben.

  • Die Königin hat damit 8 Waben zur Eiablage zur Verfügung. Die Mehrzahl der Bienen verbleibt oben bei der Brut, kehrt jedoch nach und nach zurück, wenn diese schlüpft. Sie werden die obere Brutzarge schließlich mit Honig füllen.
  • Da die Bienen, die bei der oberen Brut verbleiben, die Königin unten nicht mehr „riechen", glauben sie, weisellos zu sein, und werden versuchen, aus den in den Waben vorhandenen Eiern eine neue Königin aufzuziehen. Es ist daher wichtig, eine bis zwei Wochen nach dem Eingriff ALLE Weiselzellen auf den Waben der oberen Zarge zu zerstören.
  • Dieses Verfahren lässt die Bienen „glauben", dass das Schwärmen stattgefunden hat; zudem wird der plötzliche Zuwachs an Ablageplatz für die Königin die Volksstärke in den folgenden Wochen deutlich steigern.

Dieser Plan ist ursprünglich darauf ausgelegt, das Schwärmen zu reduzieren oder zu verhindern, indem die Königin von nahezu ihrer gesamten Brut getrennt wird und die Ammenbienen gezwungen werden, sie zu verlassen, um sich um die durch ein Gitter getrennte und im oberen Bereich befindliche Kinderstube zu kümmern. Die Schwärmbedingungen sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erfüllt; es handelt sich um ein Schwärmen innerhalb der Beute. Angewandt auf ein starkes Volk, kann das Verfahren jedoch, wenn das Ziel die Gewinnung von Weiselzellen ist, auch an einem Volk mittlerer Stärke durchgeführt werden. Der Vorteil dieser Methode, die wenig Zeit in Anspruch nimmt, liegt darin, dass das mühsame Suchen nach der Königin entfällt, dass die Bienen denselben Geruch behalten und dass die Ernte bei günstigen Wetter- und Trachtbedingungen erheblich sein kann. Es gibt keine Volksteilung und kein Picking.


Siehe auch:

Autor
Serge Imboden; Isabella Moretti et Claude Pfefferlé
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