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Mai am Bienenstand

Der Monat Mai ist eine intensive Zeit am Bienenstand. Die Völker werden rasch stärker, die Honigräume müssen zum richtigen Zeitpunkt aufgesetzt werden, die Schwarmstimmung nimmt oft deutlich zu und auch die Gesundheitsführung bleibt zentral. Je nach Region, Höhenlage und Wetter kann dieser Monat mancherorts bereits den Weg zu einer ersten Frühtrachternte eröffnen.

1. Die Prioritäten des Monats

  • Rasch aufstrebenden Völkern rechtzeitig Platz geben.
  • Bei jeder sinnvollen Durchsicht auf Schwarmanzeichen achten.
  • Starke Völker nutzen, um bei Bedarf Ableger zu bilden.
  • Die Bautätigkeit ausnutzen, um alte Waben schrittweise zu erneuern.
  • Die biotechnischen Massnahmen gegen Varroa weiterführen, solange sie sich leicht einbinden lassen.
  • Wasser, Vorräte und die Auswirkungen eines Kälte- oder Regeneinbruchs im Auge behalten.

2. Mai am Bienenstand: der Leitgedanke des Monats

Ziel
Klar einordnen, was den Mai zu einem Wendemonat am Bienenstand macht: die Völker entwickeln sich rasch, und die jetzt getroffenen Entscheidungen prägen den weiteren Saisonverlauf weitgehend.

Im Mai treten die Völker oft in eine Phase sehr rascher Entwicklung. Die Eilage bleibt intensiv, die Brut dehnt sich aus, die Population wächst stark an, und das innere Gleichgewicht des Stocks kann sich in kurzer Zeit verändern.

Der Schwerpunkt des Monats ist einfach: diese Entwicklung begleiten, bevor sie in Überbelegung, Blockierung des Brutnests oder Schwarmtrieb umschlägt. Diese Arbeit muss stets an den örtlichen Kontext angepasst werden: Ebene, mittlere Höhenlage, Exposition, Witterung und Trachtsituation ergeben nicht überall denselben Kalender.

Mit anderen Worten: Der Mai ist kein Routinemonat, sondern ein Monat aktiver Beobachtung und rascher Entscheidungen.

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3. Vorrangige Arbeiten des Monats

3.1 Rechtzeitig Platz geben

Ziel
Verhindern, dass das Volk den Brutraum in dem Moment überfüllt, in dem Eintrag und Population rasch zunehmen.

Worauf es zu achten gilt
Die Bienendichte im Brutraum, die tatsächliche Wabenbesetzung, den Zustand des Brutnests, den noch verfügbaren Platz für die Eilage, die Trachtdynamik und die Bautätigkeit. Die Zeichen der Natur können dabei helfen: je nach Region begleiten die Blüten von Kirsch-, Apfelbäumen, Raps oder Bergahorn häufig diese Phase. Auch die Vollblüte des Löwenzahns kann diesen Umschwung anzeigen, ohne allein als Anhaltspunkt auszureichen.

Konkrete Handlungen
Die Honigzarge aufsetzen, wenn das Volk wirklich bereit ist, bevor der Nektar beginnt, den Brutraum zu blockieren. Die Entscheidung muss sich an der tatsächlichen Volksstärke und den verfügbaren Ressourcen orientieren, nicht an einem festen Datum. Wenn die Bautätigkeit günstig verläuft, kann der Mai auch ein gutes Zeitfenster sein, um schrittweise neue Waben einzuführen und die Erneuerung der alten Waben voranzutreiben, ohne das Brutnest zu zerreissen.

Zu beachten
Eine zu spät aufgesetzte Honigzarge begünstigt die Überbelegung und erhöht den Schwarmdruck. Eine zu früh aufgesetzte Zarge öffnet umgekehrt ein Volumen, das das Volk noch nicht gut besetzt, besonders bei kühler oder unbeständiger Witterung. Ebenso erfolgt die Wabenerneuerung in Etappen: Man sollte nicht zu viele neue Mittelwände auf einmal in ein Volk einführen, das nicht bereit ist, sie auszubauen.

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3.2 Schwarmtrieb überwachen und vorbeugen

Ziel
Das Ansteigen des Schwarmtriebs erkennen, bevor er zu einem Schwarmverlust oder zu einem schwer zu führenden Volk führt.

Worauf es zu achten gilt
Die Bevölkerungsdichte, die Überfüllung des Brutnests, das Auftreten von Weiselzellen, die Verlangsamung der Eilage und allgemein das Verhalten der stärksten Völker. Im Mai können wenige Tage genügen, um die Lage zu verändern.

Konkrete Handlungen
Mit klarem Ziel durchsehen, die kräftigen Völker engmaschig beobachten und zuerst die inneren Ursachen der Spannung beheben: Platzmangel, Eilageblockade, Überbevölkerung im Verhältnis zum verfügbaren Volumen. Wenn nötig, eine Teilung oder einen Ableger einplanen, statt den Schwarmabgang zu erleiden. In einer Phase starker Dynamik ist eine wöchentliche Kontrolle der am meisten gefährdeten Völker oft das sinnvolle Minimum.

Zu beachten
Weiselzellen zu brechen, ohne die inneren Bedingungen des Volkes zu verändern, bleibt in der Regel unzureichend. Einen abgegangenen Schwarm einzufangen ist bisweilen möglich, aber nicht die zu bevorzugende Strategie: Im Mai zählt vor allem das Vorwegnehmen. Eine Durchsicht zu lange aufzuschieben kann genügen, damit ein Volk kippt.

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3.3 Starke Völker durch Ableger nutzen

Ziel
Die Stärke der Völker als Hebel zur Erneuerung des Bienenstands nutzen, anstatt diese Dynamik in einen natürlichen Schwarm übergehen zu lassen.

Worauf es zu achten gilt
Die Vitalität der Völker, die Brutfülle, die allgemeine Qualität der Königin und die Fähigkeit des Bienenstands, die neu gebildeten Jungvölker in der Folge zu betreuen.

Konkrete Handlungen
Ableger bilden, wenn die Völker wirklich stark sind. In vielen Bienenständen lässt sich so gleichzeitig der Druck im Ursprungsvolk verringern, eine Reserve für den Bienenstand aufbauen und die Königinnen schrittweise erneuern. Der Mai bietet oft noch ein gutes Zeitfenster für diese Arbeit, solange die Jungvölker genug Zeit haben, sich gut zu entwickeln.

Zu beachten
Es geht nicht darum, routinemässig zu teilen. Das Gleichgewicht des Bienenstands, das verfügbare Material, die Betreuung der Ablegerkästen und die Fähigkeit, diese neuen Einheiten anschliessend korrekt zu führen, sind im Blick zu behalten.

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3.4 Die Bautätigkeit nutzen, um Waben zu erneuern

Ziel
Die Bausaison nutzen, um die Wabenerneuerung voranzubringen, ohne die Völker zu zerreissen.

Worauf es zu achten gilt
Die Bautätigkeit des Volkes, die tatsächliche Volksstärke, die Verfügbarkeit von Ressourcen sowie das Alter und den Zustand der Waben. Im Mai bieten Völker, die bauen können, oft ein gutes Zeitfenster, um schrittweise neue Waben einzuführen.

Konkrete Handlungen
Im Brutraum kann der Mai genutzt werden, um die Erneuerung der alten Waben voranzutreiben. In der Praxis strebt man klassischerweise eine schrittweise Rotation nach der Dreijahresregel an, das heisst etwa ein Drittel der Waben pro Jahr erneuern. Diese Rotation muss mit der Volksstärke und mit der Organisation des Brutnests vereinbar bleiben.

In den Honigzargen ist es ebenfalls sinnvoll, die Waben regelmässig zu erneuern, auch wenn die Führung hier oft weniger streng an eine Regel gebunden ist als im Brutraum. Die Sortierung kann nach dem bekannten Alter der Waben, ihrem Zustand, ihrer Sauberkeit, einer allfälligen Verformung und dem Produktionskontext erfolgen. In Regionen oder Situationen mit erhöhter Schadstoffexposition sollte die Aufmerksamkeit für die Honigraumwachse verstärkt werden.

Zu beachten
Die Erneuerung erfolgt weder abrupt noch zufällig. Man sollte vermeiden, zu viel Neuwachs auf einmal in ein Volk einzuführen, das nicht gut genug baut. Bei den Honigwaben reicht das Fehlen einer ausgeprägten Dunkelfärbung allein nicht aus, um zu schliessen, dass eine Wabe unbegrenzt behalten werden kann: auch die Nutzungsgeschichte und die Qualität der Wachse zählen.

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4. Bienengesundheit

Ziel
Den Anstieg des Parasitendrucks bremsen, solange sich die biotechnischen Massnahmen einfach in die Frühjahrsführung einbinden lassen.

Die beste Vorbeugung sind starke und gesunde Völker
Es ist nicht nötig, alle Krankheiten zu kennen. Entscheidend ist, ein gesundes Volk erkennen zu können und anschliessend wahrzunehmen, was davon abweicht. Im Zweifelsfall rasch Hilfe suchen und den Bieneninspektor oder die Bieneninspektorin kontaktieren.
Nützliches Merkblatt: 4.7.3. Gesunde Völker erkennen

Varroa

Worauf es zu achten gilt
Die Entwicklung der Völker, das Vorhandensein von Drohnenbrut, die Regelmässigkeit der Besuche am Bienenstand und den allgemeinen Gesundheitszustand. Im Mai nimmt auch die Varroapopulation mit der Brutdynamik zu.

Konkrete Handlungen
Den Drohnenschnitt weiterführen, sofern diese Massnahme Bestandteil des Betriebskonzepts ist. Die Drohnenwabe regelmässig überwachen, um zum richtigen Zeitpunkt einzugreifen, und diese Arbeit in eine Gesamtstrategie der Bienengesundheit einbinden, ohne den weiteren Saisonverlauf aus dem Blick zu verlieren.

Zu beachten
Der Drohnenschnitt ersetzt weder die späteren Behandlungen noch die weiteren Massnahmen. Er soll die Frühjahrsdynamik des Parasiten bremsen, aber nicht allein das Varroaproblem lösen. Je länger man zuwartet, desto aufwendiger wird seine Durchführung in bereits stark entwickelten Völkern mit aufgesetzten Honigzargen.

Maikrankheit
Im Mai kann man vor dem Stock junge Bienen beobachten, die herauskommen, kriechen, zittern und sich am Boden zusammendrängen. Dieses Bild wird klassisch mit der Maikrankheit in Verbindung gebracht, oft im Zusammenhang mit intensiver Nährtätigkeit, Wassermangel oder ungünstiger Witterung.
Merkblatt: 2.9. Maikrankheit

Bienenvergiftung
Im Mai bleiben akute Bienenvergiftungen plausibel, insbesondere während der Hauptblüten. Massenhaft tote, zitternde oder im Kreis taumelnde Bienen müssen auch diese Möglichkeit in Betracht ziehen lassen.
Merkblatt: 3.1.2. Bienenvergiftung

Amerikanische und Europäische Faulbrut
Bei vorhandener Brut ebenso wachsam bleiben gegenüber der Amerikanischen Faulbrut und der Sauerbrut. Ein lückenhaftes Brutnest, auffällige Larven, eingefallene oder durchlöcherte Zelldeckel, ein ungewöhnlicher Geruch oder eine verdächtige Zündholzprobe dürfen nicht heruntergespielt werden.
Merkblatt: 2.1. Amerikanische Faulbrut / 2.2. Sauerbrut

Asiatische Hornisse
Im Mai entwickelt sich das Primärnest der Asiatischen Hornisse weiter, und die ersten Arbeiterinnen können erscheinen. Am Bienenstand genügt noch eine mässige Wachsamkeit, ohne in eine systematische Überwachung zu verfallen. Fallen werden nicht empfohlen; im Zweifelsfall besser fotografieren und die Beobachtung auf frelonasiatique.ch melden.

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5. Aktuelle Vorräte und Ressourcen

Ziel
Verhindern, dass ein stark entwickeltes Volk nach einigen Tagen Schlechtwetter unvermittelt unter Druck gerät.

Worauf es zu achten gilt
Die tatsächliche Aktivität am Bienenstand, den Zugang zu Wasser, den Zustand der Vorräte, den Polleneintrag, das Gesamtbild des Brutnests und mögliche Anzeichen einer lokalen Trachtlücke. Im Mai kann ein grosses Volk sehr stark wirken und dann sehr rasch zehren, wenn die Ausflüge blockiert werden oder lokal eine Trachtlücke eintritt.

Konkrete Handlungen
Dafür sorgen, dass in der Nähe eine Tränke zugänglich bleibt. Die Vorräte kontrollieren, wenn die Witterung umschlägt. Die Zeichen am Bienenstand im Licht des Kontexts lesen: Der Bedarf ist hoch, doch die Ressourcen können je nach Region, laufender Tracht und Dauer kalter oder regnerischer Abschnitte stark schwanken. Bei einer lokalen Trachtlücke die scheinbare Volksstärke nicht überschätzen: Die Herausforderung bleibt, einer raschen Spannung beim Wasser und bei den Vorräten vorzubeugen.

Zu beachten
Die Maikrankheit wird klassisch mit einem Wasserdefizit bei gleichzeitig intensiver Eilage in Verbindung gebracht; sie ist keine ansteckende Krankheit, sondern eine kontextbedingte Störung. Auch die Kalkbrut kann stärker sichtbar werden, wenn Völker unter Abkühlung, Feuchtigkeit oder Frühjahrsstress leiden. Solche Situationen verlangen genaues Beobachten, bevor man Schlüsse zieht.

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6. Je nach Kontext: eine erste Ernte kann sich zuweilen abzeichnen

Ziel
Die Frühjahrsernte richtig einordnen: in manchen Bienenständen möglich, aber niemals automatisch.

Worauf es zu achten gilt
Die tatsächliche Trachtlage, die Höhenlage, die Exposition, die Volksstärke und vor allem die wirkliche Reife des Honigs. Je nach Region können Raps oder Robinie eine Rolle spielen, aber weder das eine noch das andere stellt ein landesweit gültiges Szenario dar.

Konkrete Handlungen
Dort, wo eine Frühjahrsernte plausibel wird, das Material vorbereiten und die Entscheidung auf den tatsächlichen Zustand der Honigzargen stützen: Verdeckelung, Reife und erwartete Qualität. Andernorts einfach die Völkerführung fortsetzen, ohne den Kalender zu forcieren.

Zu beachten
Das Datum allein genügt nicht. Eine zu frühe oder ohne Prüfung der Honigreife beschlossene Ernte führt zu Problemen beim Wassergehalt und, je nach Honigsorte, bei der Kristallisation.

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7. In der Werkstatt / Organisation

Ziel
Das Material und die Beobachtungen für einen Monat, in dem sich die Völker sehr rasch verändern, einfach, aber konsequent vorbereiten.

Der Mai verlangt eine einfache, aber konsequente Organisation: die Honigzargen vorbereiten, bevor man sie braucht, Ablegerkästen bereithalten, falls eine Teilung opportun wird, die Drohnenwaben ohne Verzug überwachen, neue Waben oder auszubauende Mittelwände im Voraus vorbereiten, wenn eine Wabenerneuerung geplant ist, und bei jeder Durchsicht klar festhalten, was beobachtet wurde.

Dieser Monat verträgt Improvisation schlecht: Die Völker verändern sich rasch, und ein versäumter Gang kann mehr kosten als zu Beginn der Saison.

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8. Was man jetzt nicht tut

Ziel
An jene Fehler im Zeitpunkt oder in der Interpretation erinnern, die im Mai teuer zu stehen kommen, wenn sich die Völker rasch verändern.

  • Man setzt keine Honigzarge auf, nur weil der Kalender es nahelegt: Das tatsächliche Volk entscheidet.
  • Man begnügt sich nicht damit, Weiselzellen zu brechen, ohne den Platzmangel oder die Überbelegung zu beheben: Der Schwarmtrieb flammt oft wieder auf.
  • Man vernachlässigt weder Wasser noch Vorräte, nur weil die Völker sehr stark erscheinen: Wenige Tage schlechtes Wetter können genügen, um Spannung zu erzeugen.
  • Man verschiebt die Varroafrage nicht auf den Sommer: Die Parasitendynamik baut sich bereits im Frühjahr auf.
  • Man stellt die Frühjahrsernte nicht überall als normale Etappe dar: Sie hängt von den lokalen Trachten und der tatsächlichen Honigreife ab.

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Autor
ApiSion : C. Pfefferlé & S. Imboden
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