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Drohnenrahmen

Einige Akarizide, die im Rahmen alternativer Bekämpfungsstrategien gegen Varroa eingesetzt werden, wie beispielsweise Ameisensäure oder ätherische Öle, weisen nicht immer eine ausreichende Wirksamkeit auf. Als ergänzende Maßnahmen empfehlen wir die Entnahme von Drohnenbrut oder die Bildung junger Völker im Frühjahr. Diese Eingriffe zielen darauf ab, die Entwicklung der Varroa-Populationen zu verlangsamen und dadurch den Befallsdruck zu reduzieren. Sie haben den Vorteil, dass sie während der vollen Bienensaison durchgeführt werden können, während der Einsatz von Chemotherapie erhebliche Risiken einer Kontamination der Honigernte mit sich bringen würde.

Entfernen verdeckelter Drohnenbrut: Wirksame biotechnische Maßnahme zur Reduktion der Varroabelastung

Die gezielte Entfernung verdeckelter Drohnenbrut nutzt die ausgeprägte Präferenz von Varroa destructor für Drohnenzellen. Bereits früh wurde gezeigt, dass die Milbe Drohnenbrut deutlich häufiger befällt als Arbeiterinnenbrut; das Verhältnis liegt bei etwa 8:1. Auf dieser biologischen Grundlage wurde die Drohnenbrut als „Falle“ vorgeschlagen, um Milben gezielt aus der Kolonie zu entfernen. Der vorliegende Versuch unter Schweizer Bedingungen prüfte sowohl die Wirksamkeit dieser Maßnahme als auch ihre Rolle innerhalb eines Bekämpfungskonzepts mit ausschließlich herbstlichen Ameisensäurebehandlungen. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

In einem Produktionsstand mit rund 20 Dadant-Blatt-Völkern wurden zwei vergleichbare Gruppen gebildet. In der Testgruppe wurde ab Ende März ein spezieller Drohnenrahmen am Rand des Brutnestes eingesetzt, dessen untere Hälfte ohne Mittelwand war. Während der gesamten Drohnenbrutperiode wurde die verdeckelte Drohnenbrut regelmäßig entfernt, sobald mindestens 1 dm² Fläche erreicht war. Die Kontrollgruppe erhielt keinen solchen Eingriff. Erfasst wurden unter anderem die Zahl entfernter Drohnenzellen, die darin enthaltenen Varroen, die natürliche Milbenfallrate, die Wirksamkeit der nachfolgenden Ameisensäurebehandlungen sowie Volksentwicklung und Honigertrag.

Im Jahr 1993 mit günstigen Trachtbedingungen wurden durchschnittlich 4,2 Drohnenbrutentnahmen pro Volk durchgeführt. Dabei wurden im Mittel 3’374 verdeckelte Drohnenzellen entfernt, die 788 Varroen enthielten. Bereits ab Mai divergierte die natürliche Milbenfallrate deutlich zwischen den Gruppen. Nach den im Spätsommer durchgeführten Ameisensäurebehandlungen wiesen die Testvölker 3,5-mal weniger Milben auf als die Kontrollvölker. In mehreren Kontrollvölkern wurden Befallszahlen über 5’000 Milben festgestellt, teilweise mit sichtbaren Schadbildern wie Flügeldeformationen.

1994 waren die Bedingungen ungünstiger, mit weniger Drohnenbrut und durchschnittlich 2,3 Entnahmen pro Volk. Dennoch zeigte sich erneut ein deutlicher Effekt: In den Kontrollvölkern wurde mehr als doppelt so viele Milben nachgewiesen wie in den Völkern mit Drohnenbrutentnahme. Damit bestätigte sich die bremsende Wirkung der Maßnahme selbst bei eingeschränkter Anwendung.

Weder Honigertrag noch Volksentwicklung oder Gesamtmenge an aufgezogener Arbeiterinnenbrut wurden signifikant negativ beeinflusst. Auch die Befürchtung, die Maßnahme könnte Varroa-Stämme selektieren, die bevorzugt Arbeiterinnenbrut parasitieren, wird als unbegründet eingeschätzt, da Drohnenbrut nur saisonal verfügbar ist und Arbeiterinnenbrut weiterhin den Großteil der Reproduktionsmöglichkeiten bietet.

Die Autoren betonen jedoch, dass das Entfernen von Drohnenbrut keine alleinige Bekämpfungsstrategie darstellt. Es handelt sich um eine ergänzende biotechnische Maßnahme, die den Populationsanstieg im Frühjahr und Frühsommer dämpft und so den Zeitpunkt intensiver Behandlungen hinauszögern kann. In Konzepten mit ausschließlich herbstlicher Ameisensäurebehandlung wird sie als unverzichtbar eingestuft.

Praktisch sind drei Punkte entscheidend: frühzeitiges Einhängen des Drohnenrahmens (Ende März/Anfang April), ständiger Kontakt zum Brutnest sowie konsequente Entfernung vor dem Schlupf. Die Entnahme kann in die regulären Frühjahrsarbeiten integriert werden und verursacht nur geringen Mehraufwand. Insgesamt bestätigt der Versuch die Drohnenbrutentnahme als wirksames, bienenschonendes Instrument zur Reduktion des Varroadrucks im Rahmen integrierter Bekämpfungsstrategien. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
 

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Autor
Charrière Jean-Daniel, Imdorf Anton, Bachofen Boris, Tschan Anna, Station de Recherches Laitières, Liebefeld
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