Blühstreifen fördern Bienen
Die Ernährung spielt offenbar eine besonders wichtige Rolle für die Gesundheit und die Immunabwehr der Bienen. Sie müssen jederzeit über ausreichend Nektar und Pollen verfügen. Diese Voraussetzung ist jedoch in der modernen Agrarlandschaft nur schwer zu erfüllen. Trachtlücken während der intensivsten Phase der Brutaufzucht bremsen das Wachstum der Völker und führen zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit.
Blühstreifen im Ackerbau – wirksame Förderung von Honig- und Wildbienen
Der Artikel untersucht, inwieweit speziell entwickelte Blühstreifen im landwirtschaftlich genutzten Raum die Nahrungsversorgung von Honigbienen und nicht spezialisierten Wildbienen verbessern können. Ausgangspunkt ist das sogenannte „Trachtloch“ zwischen Ende Mai und Ende Ende Juli, eine Phase geringer Blütenverfügbarkeit, die sich negativ auf die Volksentwicklung und die Gesundheit von Bestäubern auswirkt.
Zwischen 2011 und 2015 wurden an der HAFL (Zollikofen) Saatgutmischungen für Blühstreifen entwickelt und in Feldversuchen getestet. Ziel war es, während der Sommermonate kontinuierlich Pollen und Nektar bereitzustellen – nicht nur für Honigbienen, sondern auch für polylectische Wildbienen sowie für weitere Nützlinge wie Schwebfliegen und räuberische Wanzen. Die Mischungen (u. a. mit Buchweizen, Phacelia, Kleearten, Kornblume, Mohn) wurden agronomisch so gewählt, dass sie Unkrautdruck unterdrücken, keine Fruchtfolgeprobleme verursachen und in nährstoffreichen Böden gedeihen.
Vergleichende Erhebungen an 13 Standorten zeigten, dass Blühstreifen während der Hauptblüte signifikant mehr Honigbienen und Wildbienen anziehen als extensiv genutzte Wiesen oder Buntbrachen. Netzfänge und Pollenfallen belegten, dass Honigbienen die Blühstreifen nicht nur besuchen, sondern dort intensiv Pollen und Nektar sammeln; zeitweise stammten über 30 % des eingetragenen Pollens aus Buchweizen und Phacelia.
Die Artenvielfalt der Wildbienen war in Blühstreifen höher als in extensiven Wiesen und vergleichbar oder höher als in Buntbrachen. Erfasst wurden vor allem nicht spezialisierte Arten, darunter zahlreiche für die Bestäubung besonders relevante Arten (Top-100-Bestäuber der Schweiz). Auch für Nützlinge der Schädlingsregulation zeigten Blühstreifen eine hohe Attraktivität.
Eine ergänzende Fallstudie mit dem Erdhummel (Bombus terrestris) im Jahr 2015 zeigte, dass die Nähe zu Blühstreifen den Kolonieerfolg deutlich beeinflusst: Mit zunehmender Distanz zur Blühfläche nahm die Zahl der gebildeten Brutzellen signifikant ab.
Fazit: Blühstreifen sind ein wirksames Instrument, um das sommerliche Trachtloch zu überbrücken. Sie verbessern die Nahrungsversorgung von Honigbienen und nicht spezialisierten Wildbienen, fördern Nützlinge und können die Konkurrenz um Blütenressourcen im Agrarland reduzieren. Sie ergänzen andere Biodiversitätsförderflächen, ersetzen diese jedoch nicht.
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