Wenn das Haushaltsverhalten unter dem Einfluss der Gene steht
Wer schon einmal die Ausrede benutzt hat, dass „Aufräumen nicht in meiner DNA liegt“, um sich dieser Aufgabe zu entziehen, lag möglicherweise nicht ganz falsch. Zumindest bei Honigbienen scheinen gewisse Defizite in der Stockhygiene mit einer Überexpression von Genen zusammenzuhängen, die die Wahrnehmung der von kranken oder abgestorbenen Larven freigesetzten Gerüche beeinträchtigt.
Dies legt zumindest eine Studie nahe, die Sébastien Boutin, Pierre-Luc Mercier, Pierre Giovenazzo und Nicolas Derome vom Département de biologie und vom Institut de biologie intégrative et des systèmes sowie Mohamed Alburaki von der University of Tennessee kürzlich in BMC Genomics veröffentlicht haben.
Das erstmals 1937 bei der Honigbiene beschriebene hygienische Verhalten besteht darin, kranke oder tote Larven zu erkennen und aus dem Stock zu entfernen. Dieser kollektive Abwehrmechanismus, der die Kolonie vor Infektionen und Parasiten schützt, scheint mit den olfaktorischen Fähigkeiten der Ammenbienen zusammenzuhängen – jenen jungen Bienen, die sich um die Brut kümmern. Das hygienische Verhalten gilt als genetisch beeinflusst, doch die Schlussfolgerungen der entsprechenden Studien divergieren hinsichtlich der Anzahl der beteiligten Gene.
Um die Frage neu zu beleuchten, verglichen Forschende der Université Laval die Genexpression im Gehirn von Bienen aus Völkern mit stark ausgeprägtem hygienischem Verhalten – mehr als 90 % der toten Larven werden innerhalb von 24 Stunden entfernt – mit jener von Bienen aus nicht-hygienischen Völkern, in denen weniger als 50 % der toten Larven im gleichen Zeitraum beseitigt werden.
Die Forschenden analysierten die im Gehirn exprimierten RNA-Moleküle von 75 Bienen aus drei hygienischen Völkern und von 125 Bienen aus fünf nicht-hygienischen Völkern. Von den rund 10 000 exprimierten Genen wiesen lediglich 96 in den beiden Gruppen signifikant unterschiedliche Expressionsniveaus auf.
Bemerkenswert ist, dass sechs der bei nicht-hygienischen Bienen überexprimierten Gene direkt oder indirekt mit Cytochromen P450 in Verbindung standen – Proteinen, die am Abbau von Schadstoffen, Insektiziden oder Hormonen beteiligt sind. „Diese Enzyme wären auch mit dem Abbau geruchsaktiver Verbindungen assoziiert“, betont Nicolas Derome. „Nicht-hygienische Bienen, die P450 überexprimieren, würden chemische Verbindungen, die von kranken oder toten Larven ausgehen, stärker abbauen, was ihre Fähigkeit, diese wahrzunehmen und zu entfernen, verringern würde.“
Diese Forschung liefert neue Erkenntnisse zu den genetischen Grundlagen des hygienischen Verhaltens, hat aber auch praktische Relevanz. Die Gene, die die beiden Gruppen unterscheiden, stellen potenzielle Zielstrukturen für Zuchtprogramme dar, die darauf abzielen, besonders hygienische Bienenlinien zu entwickeln, die gut gegen Parasiten und Infektionen gewappnet sind.
Quelle: http://www.techno-science.net/?onglet=news&news=14412


