Vom Ei zur Imago
Die von der Königin gelegten Eier durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien. Das erste, das kaum drei Tage dauert, ist das kritischste, da es der Entwicklung des Nervensystems und des Verdauungssystems der schlüpfenden Larve im Inneren des Eis entspricht. Nach dem Schlüpfen beginnt das Larvenstadium mit der Entstehung einer Larve ohne Antennen, ohne Augen, ohne Beine und ohne Flügel, die drei Tage lang ausschließlich mit einem aus Gelée royale bestehenden Futter versorgt wird.
(Foto: kleinewelt)
Ab dem siebten Tag beginnt das Vorpuppen- und anschließend das Puppenstadium. Die Larven der zukünftigen Arbeiterinnen nehmen Pollen (Proteine) und Honig (Zucker) sowie weitere Sekrete auf, die die Ammenbienen aus den Einträgen der Sammlerinnen herstellen.
| Ausschließlich die Königin wird während der gesamten sechs Tage ihrer Larvenentwicklung ausschließlich mit Gelée royale gefüttert. |
| Nach der Verdeckelung der Zelle beginnt das Nymphenstadium, während dessen das Insekt seine Metamorphose durchläuft, die durch morphologisch-anatomische und physiologische Veränderungen gekennzeichnet ist und in der Emergenz der Imago bzw. des vollständig entwickelten erwachsenen Insekts (Königin, Arbeiterin oder Drohn) endet. | ||
| Offene Weiselzelle |
| Die frisch geschlüpfte Arbeiterin ist klein, weißlich gefärbt und mit feinen Haaren bedeckt; sie bewegt sich noch etwas unbeholfen, ist harmlos und fliegt kaum. Die Königin unterscheidet sich durch die große Größe ihres Abdomens, das sich nach der Begattung noch deutlich vergrößert, sowie durch ihren bereits funktionsfähigen Stachel und die Gifttasche, mit denen sie eine mögliche konkurrierende Königin ausschalten kann. |
Die Tätigkeit der Arbeiterinnen wird zeitlich durch epigenetische Mechanismen gesteuert. Zunächst sind sie als Putzbienen tätig, anschließend als Ammenbienen für Brut und Königin mithilfe ihrer Hypopharynxdrüsen. Später sorgen sie durch Ventilation für eine optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Wachsdrüsen produzierenden Bienen errichten die Waben. Die Lagerbienen speichern den Honig, bevor sie zu Wächterinnen am Flugloch werden, um sich gegen Räuberinnen oder andere Angreifer zu verteidigen. Erst nach rund drei Wochen Arbeit im Inneren des Stocks fliegen die Sammlerinnen aus – zunächst zu kurzen Orientierungsflügen, später zu längeren Flügen zur Suche nach Nektar, Honigtau, Pollen und Wasser.
Bereits ab dem zweiten bis dritten Tag nach dem Schlüpfen unternimmt die Königin Orientierungsflüge zur Vorbereitung ihres für die Begattung unverzichtbaren Hochzeitsfluges, bei dem sie von mehreren Männchen mit besonders gut entwickeltem Sehvermögen begattet wird. Anschließend kann die Königin während vier bis fünf Jahren eine Gesamtzahl von rund 500'000 Eiern legen.




