Spätwinterliche Fütterung: Was ist davon zu halten?
Die Frage stellt sich jedes Jahr erneut: Soll man die Völker am Ende des Winters füttern oder nicht? Die Antwort muss differenziert ausfallen. Die Futterreserven haben einen direkten Einfluss auf die Eiablage der Königin. Es ist bekannt, dass reichliche Reserven und regelmässige Nektareinträge die Eiablage deutlich stimulieren, und wenn Pollen reichlich vorhanden ist, arbeiten die Ammenbienen an der Leistungsgrenze.
Eine rasche Ausdehnung der Brut im Februar ermöglicht es der Kolonie, für die Frühjahrsernte bereit zu sein … birgt jedoch zugleich das Risiko, bereits vor der Sommerernte zu schwärmen! Tritt hingegen in dieser entscheidenden Phase der Saison eine starke und länger anhaltende Kälteperiode auf, wird die Eiablage blockiert, es kommt zum Kannibalismus offener Brut, und die Arbeiterinnen heizen mit grosser Intensität die verdeckelte Brut, die nur selten aufgegeben wird. Dieses intensive Heizen verbraucht sehr grosse Mengen an Honig, und die Futterreserven schmelzen rasch dahin (3–4 kg/Monat, mitunter sogar mehr …). Deshalb muss bereits ab dem Ende der Ernte reichlich gefüttert werden, um bis Ende Oktober über ausreichende Reserven zu verfügen (~15–16 kg pro 12-Waben-Beute). Bis Ende Januar verbraucht ein «normales» Volk 1–2 kg/Monat, also rund 5 kg. Ab Wiederaufnahme der Eiablage (2. Januarhälfte) explodiert der Verbrauch und kann 4 kg/Monat übersteigen. In der Folge kann es bei zu stark entwickelter Brut zu Futtermangel kommen.
| Der Imker muss daher ein sehr feines Gleichgewicht finden. Es ist sinnvoll, die Völker im Februar zu wiegen und die Kontrolle des Bodenschiebers zu berücksichtigen: Ist die Beute sehr leicht und sind viele Gemüllstreifen vorhanden (>5, entsprechend also 6 besetzten Waben), kann man 1 kg Futterteig (Candi) auf die Öffnung des Innendeckels legen. Je nach Geschwindigkeit, mit der das Futter verbraucht wird, kann dieser Vorgang 15 Tage später wiederholt werden. Ziel dieses Vorgehens ist es, ein «Brutloch» zu vermeiden. |
Bei einem Volk, das in den Monaten November bis Januar ausserordentlich viel verbraucht hat, darf man sich Fragen zu seinem Gesundheitszustand stellen. Ein übermässiger Verbrauch deutet auf eine Fehlanpassung des Verhaltens dieses Superorganismus hin, auf eine Krankheit (Varroa, Nosema), eine mangelhafte oder drohnenbrütige Königin oder gegebenenfalls auf mehrere dieser Ursachen gleichzeitig. Und die Frage stellt sich von selbst: Lohnt es sich, ein solches Problemvolk zu retten? Besteht für den Imker nicht das Risiko, durch das um jeden Preis erfolgende Retten dieses Volkes langfristig das genetische Potenzial seines Bienenstandes zu schwächen und «wertlose» Völker zu selektieren?
Bei (gesunden) Ablegern stellt sich das Problem anders. Man weiss, dass ein im Herbst gut entwickeltes Volk mit mehr als 8 besetzten Waben weniger Futter verbraucht als ein im Sommer gebildeter Ableger, der nur 3–4 Waben besetzt. Es handelt sich um eine Frage des Wärmeverlustes zur Warmhaltung der Königin. Je grösser das Volumen der Wintertraube, desto kleiner ist ihre relative Oberfläche. Eine grosse Kolonie verbraucht daher verhältnismässig weniger Kalorien als eine kleine, bei der die gesamte Traube den ganzen Winter über friert … Ein solcher Ableger riskiert, Ende Februar an Hunger und Kälte zu sterben. Es lohnt sich, ihm gezielt unter die Arme zu greifen und ihm zu ermöglichen, sich zu einer echten Produktionseinheit zu entwickeln.
Der Königinnenzüchter verfolgt ein anderes Ziel: Um Königinnen zu produzieren, benötigt er starke Völker, aus denen er zahlreiche junge Bienen (Ammen) entnehmen kann, um Starter zu bilden, Finisher zu verstärken, Begattungskästchen zu besetzen und Ableger zu erstellen, die die zukünftigen F0- oder F1-Königinnen aufnehmen sollen. Er füttert daher gerne mit Sirup, um die Eiablage stark anzukurbeln, und bleibt in Bezug auf Schwarmtrieb sehr wachsam, indem er bei Bedarf zu stark ausgedehnte Brutnester «abschöpft».
Fazit:
Jedes Volk ist somit ein Einzelfall, und das Füttern muss eine wohlüberlegte Massnahme mit einem klaren Ziel bleiben. Ungezieltes oder wahlloses Füttern kann Folgen haben, die den angestrebten Zielen völlig entgegenlaufen (z. B. Schwärmen vor der Ernte).
Eine letzte Präzisierung: Füttern mit Futterteig während der Winterzeit; Füttern mit 50-%-Sirup während der Sommerzeit; Füttern mit 73-%-Sirup zur Bildung der Winterreserven.


