iManagement

Sanitärer Wabenwechsel

Es gibt mehrere Situationen, in denen diese imkerliche Maßnahme angezeigt ist; der schwerwiegendste Fall, der die größten Vorsichtsmaßnahmen erfordert, ist jedoch die Amerikanische Faulbrut. Der Inhalt dieses Merkblatts bezieht sich daher auf den besonderen Fall dieser Krankheit.

Was ist ein Kunstschwarmverfahren?

Es handelt sich um die imkerliche Maßnahme, ein Bienenvolk auf den Zustand eines Kunstschwarms zu reduzieren, indem es in eine saubere und vollständig desinfizierte Beute (oder Ablegerkasten) gesetzt wird, die nur Mittelwandrahmen enthält, und zwar ohne jegliche Zugabe von Brut.

 

Warum ein Kunstschwarmverfahren durchführen ?

Um das Volk vom Krankheitserreger (dem Bakterium Paenibacillus larvae) und von dessen hochresistenten Sporen (kontaminierenden Elementen) zu befreien oder deren Druck deutlich zu verringern, indem die gesamte Brut, in der sich der Erreger vermehrt, sowie sämtliche Stoffe und Materialien, in denen die Sporen erhalten bleiben, vernichtet werden.

Unter welchen Umständen muss man es durchführen ?

Jeder Imker ist verpflichtet, die spezifischen tierseuchenpolizeilichen Maßnahmen gegen die Amerikanische Faulbrut einzuhalten, sobald in seinem Bienenstand eine Diagnose dieser Krankheit gestellt wurde. Er muss insbesondere jedes schwache Volk vernichten, selbst wenn es nur wenige Symptome zeigt, sowie jedes stark befallene Volk, unabhängig von seiner Stärke.

Er muss das Kunstschwarmverfahren auf Mittelwänden bei jedem kranken Volk durchführen, sofern:

  • es nur schwach befallen ist,
  • es ausreichend volkstark ist,
  • es eine gute Dynamik behalten hat,
  • der Zeitpunkt zwischen Frühling und Frühsommer liegt.

Auf welchen Grundsätzen beruht die Wirksamkeit des Kunstschwarmverfahrens ? 

  • Während der 2 Tage nach dem Kunstschwarmverfahren (die für den Wabenbau notwendige Zeit) scheiden die Bienen den Großteil der Sporen, die sie auf ihrem Körper tragen, beim Putzen aus. Diese Sporen gelangen so in ihren Verdauungstrakt und werden mit dem Kot in ausreichender Entfernung von der Beute ausgeschieden. Das sanitäre Fasten, selbst wenn es nur relativ ist (vgl. unten), fördert die Ausscheidung der Sporen.
  • Sie kontaminieren somit die neuen Vorräte nicht, die erst einige Tage nach dem Kunstschwarmverfahren eingelagert werden sollten.
  • In der neuen Beute vergeht nach der Reduktion auf den Zustand eines Kunstschwarms mindestens ein Zeitraum von 4 bis 5 Tagen, bevor neue Larven entstehen (nach dem Bau neuer Zellen und der Wiederaufnahme der Eiablage durch die Königin), was eine sanitäre Unterbrechung ermöglicht. Tatsächlich fehlen in dieser Zeit die empfindlichen Larven, in denen die Sporen keimen und sich das Bakterium in großer Menge vermehren kann.
  • Außerdem können die erwachsenen Bienen (Ammenbienen) die Larven nicht mehr oral kontaminieren, da noch keine vorhanden sind.

Was sind die Bedingungen für ein erfolgreiches Kunstschwarmverfahren ?

  • Das Volk muss stark genug sein, um sich im Zustand eines Kunstschwarms wieder zu entwickeln.
  • Es kann nur im Frühjahr und bis zum Beginn des Sommers durchgeführt werden: Nach diesem Zeitpunkt sind die Bienen nicht mehr in der Lage, die Waben rasch zu bauen und genügend Vorräte für ihr Überleben im Winter einzutragen. Zudem ist das Räubereirisiko im Spätsommer recht hoch.
  • Es muss außerhalb einer starken Trachtperiode erfolgen: Bei starkem Nektarfluss sind die Bienen in der Lage, in einer Nacht beide Seiten eines Rahmens auszubauen, um ihre Tracht einzulagern. In diesem Fall haben sie nicht genügend Zeit, die in und auf ihrem Körper vorhandenen Sporen auszuscheiden, und können ihre neuen Vorräte kontaminieren.
  • Es muss tagsüber erfolgen, wobei die neue Beute exakt am Platz des kranken Volkes aufgestellt werden muss, damit die Flugbienen nicht durch Verflug den gesamten Bienenstand kontaminieren.
  • Beim Kunstschwarmverfahren dürfen dem umgesetzten Schwarm auf keinen Fall Brutwaben zugesetzt werden, damit während mehrerer Tage keine empfindlichen Larven vorhanden sind, die eine Vermehrung des Bakteriums ermöglichen würden.
  • Nach den verschiedenen Arbeitsschritten sollten mindestens zwei sorgfältige Kontrollen aller Völker (umgesetzte oder nicht umgesetzte) im Abstand von einer Woche erfolgen, um ein mögliches Wiederauftreten der Symptome (gründliche Untersuchung der Brut) und die gute Entwicklung der Schwärme zu überwachen.

 

Welches Material ist erforderlich ? 

  • Vollständige Beute oder Ablegerkasten (Boden, Brutraum, Deckbrett) und Trennschied, sauber und vollständig desinfiziert. Da das Volk auf den Zustand eines Kunstschwarms reduziert wird, empfiehlt es sich, es zunächst in einem kleineren Volumen unterzubringen: Ablegerkasten oder Beute mit Trennschied.
  • Mittelwandrahmen in einer der Volksstärke angepassten Anzahl
  • Große Papierbögen oder Tücher ohne Löcher, die vernichtet werden sollen
  • Gegebenenfalls ein Königinnenkäfig
  • Einweghandschuhe (am Ende der Arbeiten zu vernichten) oder desinfizierbare Handschuhe
  • Übliches Material: Smoker, Stockmeißel, Bürste, Schutzkleidung (die nach dem Kunstschwarmverfahren gereinigt und desinfiziert werden müssen)
  • Große, stabile Säcke oder Kisten mit Deckel zur Aufnahme des kontaminierten Materials vor dessen Vernichtung (Rahmen, Papier, Tücher, Abfälle) sowie der Werkzeuge vor deren Reinigung und Desinfektion.

 

Wie wird das Kunstschwarmverfahren durchgeführt ? 

  • Die befallene Beute einräuchern.
  • Sie um 1 oder 2 m nach vorne versetzen und das Flugloch auf den früheren Standort ausrichten (Drehung um 180°).
  • Am Standort der befallenen Beute eine Beute oder einen Ablegerkasten mit Mittelwandrahmen aufstellen.
  • Große Papierbögen oder ein Tuch zwischen die Fluglöcher der beiden Beuten legen und ein Ende auf Höhe des Flugbretts der wieder zu besiedelnden Beute fixieren, damit die kontaminierten Abfälle aufgefangen werden (und um den Einzug der Bienen zu erleichtern).
  • Wenn möglich, die Königin isolieren und in die neue Beute setzen, sobald ein Teil der Bienen eingezogen ist, damit der Rest des Volkes sicherer folgt.
  • Die Rahmen der befallenen Beute einzeln auf das Tuch abschlagen oder abbürsten, damit die Bienen darauf fallen. Diese gelangen nach und nach ins Innere der neuen Beute.
  • Die Papierbögen oder das Tuch zusammen mit den bei der Manipulation heruntergefallenen kontaminierten Abfällen sowie alle Brut- und Vorratswaben der befallenen Beute verbrennen. Brutraum, Boden und Deckbrett der Beute sowie sämtliches Material, das kontaminiert worden sein könnte (Bürste, Stockmeißel, Smoker), sorgfältig reinigen und desinfizieren. Achtung : die nötigen Vorsichtsmaßnahmen treffen, um jegliches Risiko von Verbrennungen und Bränden zu vermeiden.
  • Die verbrannten Rückstände in der Erde vergraben.
  • Ist ein Verbrennen vor Ort unmöglich, sämtliches zu vernichtendes Material in stabile, dichte Säcke geben, die bei der Handhabung nicht reißen können, damit keine vom Honig angelockten Bienen Zugang dazu haben. Diese können in Container oder in die Sammelstelle zur Verbrennung gebracht werden, oder ihr Inhalt wird vom Imker in sicherer Entfernung vom Bienenstand auf sichere Weise verbrannt.

Soll nach einem Kunstschwarmverfahren gefüttert werden? 

„Die Regel“ besagt, dass umgesetzte Völker ein sanitäres Fasten von etwa 48 Stunden durchlaufen sollten; sie sollten daher vor Ablauf dieser Zeit nicht gefüttert werden. Dies ist bei kleinen Betrieben oder wenn der Bienenstand in der Nähe des Wohnorts liegt realisierbar.
Andernfalls, wenn umgesetzte Völker vor Ablauf einer Woche nicht mehr kontrolliert werden, kann die Fütterung zum Zeitpunkt des Kunstschwarmverfahrens erfolgen; die dem Schwarm gegebene Menge an Zuckerwasser (50/50) ist dann jedoch je nach Volksstärke auf 1⁄2 oder 1 Liter begrenzt, damit nur der lebensnotwendige Bedarf der Bienen für einige Tage gedeckt wird, ohne dass sie den Sirup einlagern können.

Schlussfolgerung: 

Das Kunstschwarmverfahren ist eine besonders einfache Methode zur Bekämpfung der Amerikanischen Faulbrut: Es erfordert nur übliches Imkereimaterial und keinerlei Medikamente. Trotz seines rudimentären Erscheinungsbildes wird es seit mehreren Jahrhunderten erfolgreich angewendet. Bereits 1568 wurde es von einem schlesischen Mönch (Nikol Jacob) in seinem Traktat über die Imkerei empfohlen. Seine Wirksamkeit wurde seither von Imkern, die es unter Einhaltung aller Empfehlungen praktiziert haben, regelmäßig festgestellt und von Wissenschaftlern bestätigt, die sich auf Laboranalysen stützen, welche extrem niedrige Sporengehalte in umgesetzten Völkern zeigen.

Was sind die weiteren Indikationen für ein Kunstschwarmverfahren mit sanitärem Ziel ? 

Sackbrut und Europäische Faulbrut: Wenn ein großer Teil der Brut betroffen ist, das Volk aber noch ausreichend stark bleibt, ist das Kunstschwarmverfahren auf Mittelwänden mit Vernichtung der Brut und der Vorräte erforderlich. Die Durchführung ist identisch mit der oben beschriebenen, die Fütterung kann jedoch umfangreicher und sofort erfolgen. Wie bei der Amerikanischen Faulbrut werden kranke und schwache Völker vernichtet.

Verdacht auf eine Kontamination von Wachs und Vorräten durch Pestizide: In diesem Fall hat das Umsetzen des Volkes auf neue Mittelwand- oder ausgebaute Rahmen zum Ziel, es von allen toxischen Stoffen im Innern der Beute zu befreien, indem es in eine nicht kontaminierte Umgebung gebracht wird. Konkrete Fälle, die zu Beginn der Imkersaison durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass dieser Eingriff einen guten Neustart und gute Leistungen der Völker ermöglicht. Es kann so viel gefüttert werden, wie nötig ist, um dem Volk bei der Wiederaufnahme seiner Entwicklung zu helfen.

Quelle: FNOSAD – Fédération Nationale des Organisations Sanitaires Apicoles Départementales

Bildnachweis: JM Hédon, JP Couix

Siehe auch:

Autor
C. Pfefferlé
Zurück zur Übersicht