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PDF, Regulator der biologischen Uhr der Bienen

Bienen schließen während ihres gesamten Lebens kein Auge. Ihre Aktivitäten stehen jedoch unter dem Einfluss eines intrazerebralen Proteins (pigment-dispersing factor, PDF), das ihnen unter anderem ermöglicht, sich anhand der Position der Sonne zu orientieren.

Zirkadiane Regulation im Gehirn der Honigbiene – wie innere Uhren Verhalten steuern

Honigbienen verfügen über eine ausgeprägte innere Uhr, die ihr tägliches Verhalten steuert. Diese zirkadiane Uhr ermöglicht es ihnen, Blüten zu festen Tageszeiten aufzusuchen, sich trotz veränderter Sonnenposition zu orientieren und zeitliche Informationen an Nestgenossinnen weiterzugeben. Der Artikel fasst neue neurobiologische Erkenntnisse zur anatomischen und molekularen Grundlage dieser Prozesse zusammen.

Im Zentrum der Untersuchung stehen spezielle Nervenzellen im Gehirn der Honigbiene, sogenannte Uhrneuronen. Diese produzieren ein Peptid namens Pigment-Dispersing Factor (PDF), das bereits aus anderen Insekten als Schlüsselmolekül der zirkadianen Regulation bekannt ist. Mithilfe hochauflösender Bildgebung analysierten die Forschenden die Verzweigungen dieser Neuronen sowie die zeitliche Veränderung der PDF-Konzentration im Gehirn.

Die Ergebnisse zeigen, dass PDF-exprimierende Neuronen weit verzweigte Projektionen besitzen, die gezielt Hirnareale ansteuern, welche für Lernen, Gedächtnis, Zeitgedächtnis und Sonnenkompass-Orientierung verantwortlich sind. Damit verbinden die Uhrneuronen die zentrale innere Uhr direkt mit jenen Gehirnregionen, die komplexes Verhalten steuern.

Ein zentrales Resultat ist die tageszeitliche Schwankung der PDF-Konzentration. Besonders niedrige Werte treten früh am Morgen auf, höhere Konzentrationen im weiteren Tagesverlauf. Wird Bienen künstlich zusätzliches PDF verabreicht, verschiebt sich ihr typisches Tagesverhalten zeitlich nach hinten. Dies belegt, dass PDF nicht nur ein Marker, sondern ein aktiver Taktgeber für das Verhalten ist.

Die Autoren interpretieren PDF-Neuronen als anatomische Schaltstellen innerhalb des zirkadianen Netzwerks. Sie synchronisieren verschiedene innere Taktgeber und übertragen Zeitinformationen gezielt an Hirnareale, die Orientierung, Lernprozesse und die Organisation der Arbeitsteilung im Volk steuern.

Fazit: Die Studie zeigt, wie eng innere Uhr, Gehirnstruktur und Verhalten bei Honigbienen miteinander verknüpft sind. Zirkadiane Peptide wie PDF ermöglichen es der Kolonie, ihre Aktivitäten präzise an den Tagesrhythmus der Umwelt anzupassen.

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Autor
Charlotte Helfrich-Förster et son équipe de l'Uni de Würzburg
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