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Lateralisierung

Links oder rechts? Wie beim Menschen haben auch Bienen eine Präferenz. Australische Forschende haben kürzlich entdeckt, dass Bienen eine Links- oder Rechtspräferenz aufweisen können – was ihre Flugentscheidungen beeinflusst, um Hindernissen auszuweichen.

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei in ihrer Morphologie grob symmetrischen Hemisphären. Auf funktioneller Ebene zeigt sich jedoch eine ausgeprägte Asymmetrie: Die meisten von uns sind Rechtshänder, und Alltagsgegenstände sind für Rechtshänder konzipiert – die Schere, das Maßband, die Computermaus, die Gitarre, der Messkrug, die klappbare Schreibplatte am Hörsaalstuhl, der Schaft des Jagdgewehrs, der Bumerang … nicht zu vergessen die Konvention des Händedrucks.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass 50 % der Bienen nicht lateralisiert sind, während 25 % rechtshändig und 25 % linkshändig sind. Eine der zur Erklärung dieses Phänomens vorgeschlagenen Hypothesen ist, dass die Flugstrategie von Schwärmen optimiert wird und dadurch ein Teil der Kollisionen vermieden werden kann.

Die meisten Menschen sind rechtshändig – doch wie ist es bei den Bienen? Eine neue Studie von Forschenden der University of Queensland in Australien unter der Leitung von Professor Mandyam Srinivasan legt nahe, dass etwa ein Viertel von ihnen ebenfalls rechtshändig ist, während ein weiteres Viertel „linkshändig“ wäre. Die andere Hälfte hingegen zeigt keine Präferenz. Diese Ergebnisse sind insbesondere deshalb interessant, weil sie potenzielle Implikationen für die Steuerung zukünftiger Flotten autonomer Drohnen haben könnten.

 

Die Forschenden führten hierzu ein Experiment durch, bei dem Bienen (102 Sammelbienen) von der Beute zu einer nahegelegenen Nahrungsquelle durch einen 120 Zentimeter langen geschlossenen Gang fliegen und anschließend zurückkehren mussten. Auf dem Weg mussten sie eine von zwei nebeneinander angeordneten Öffnungen passieren (rechts oder links?). Waren die Öffnungen gleich groß, zeigten etwa 55 % der Bienen keine Präferenz für eines der beiden Löcher. Von den verbleibenden 45 % wählte die Hälfte stets die linke Öffnung, während die andere Hälfte die rechte bevorzugte (die Bienen waren individuell markiert, sodass sie unterschieden werden konnten).  

Die Situation änderte sich leicht, wenn die Öffnungen unterschiedlich groß waren. Die Autoren stellen jedoch fest, dass die Bienen mit zunehmender Öffnungsbreite eher dazu neigten, diese zu wählen. Gleichwohl benötigten „voreingenommene“ Bienen mehr Zeit für ihre Entscheidung, wenn die größere Öffnung nicht jener entsprach, die sie üblicherweise gewählt hätten. Mit anderen Worten: „Rechtshändige“ Bienen flogen durch die linke Öffnung, wenn diese die größere war, benötigten dafür jedoch mehr Zeit, um diese für sie „gegenintuitive“ Entscheidung zu treffen. Entsprechendes gilt umgekehrt für „linkshändige“ Bienen mit der rechten Öffnung.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dieses System aus „Links-“ und „Rechtspräferenzen“ den Bienenschwärmen zugutekommen. Hätten alle Bienen keinerlei Präferenz, bestünde die Gefahr, dass sich ein Großteil von ihnen denselben Weg durch das Blattwerk bahnt. Dies würde sie verlangsamen und die Wahrscheinlichkeit von Flügelschäden durch Kollisionen erhöhen. Dass einige die rechte, andere die linke Seite bevorzugen, trägt somit zur Begrenzung solcher Schäden bei. Diese optimierte Flugstrategie könnte zudem potenziell auch zukünftigen Flotten autonomer Drohnen helfen, etwa beim Flug durch Vegetation oder andere Hindernisse. Die Details dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

 

Originalartikel auf Englisch lesen
Quelle: www.SciencePost.fr

 

Autor
Marielle Ong, Michael Bulmer, Julia Groening, Mandyam V. Srinivasan
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