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Kontaminationen von Bienenwachs

Im Laufe des vergangenen Jahres wurden in der Fachpresse häufig Artikel über die Verfälschung von Wachs veröffentlicht. Die Schäden äußern sich in dem Zusammenbrechen von Waben, lückenhaftem Brutbild auf frisch ausgebauten Waben sowie in Bienen, die beim Schlüpfen stecken bleiben. Ursache dieser Probleme ist die Beimischung von Stearin, Paraffin oder anderen organischen Substanzen. Auch Pestizidrückstände können Schäden verursachen. Wie aus der Erfahrung mit Mottenkugeln bekannt ist, besteht zudem das Risiko, dass unerwünschte chemische Zusätze im Wachs später im Honig wiederzufinden sind.

Verfälschungen

Die Beimischung von Stearin und/oder Paraffin zu reiner Bienenwachse ist zu einer gängigen Praxis geworden. Diese beiden Substanzen werden zur Herstellung preisgünstiger Kerzen verwendet. Stearin wird durch Verseifung von Palmöl und tierischen Fetten gewonnen. Es handelt sich um ein Gemisch aus Palmitin- und Stearinsäure – Säuren, die auch natürliche Bestandteile des Bienenwachses sind. Paraffine sind gesättigte Kohlenwasserstoffe mit 18 bis 32 Kohlenstoffatomen. Sie basieren auf Erdöl und weisen unterschiedliche Eigenschaften auf. Überwiegen langkettige Moleküle, liegt ihr Schmelzpunkt höher; sind hingegen mehr kurzkettige Moleküle vorhanden, schmelzen sie bei niedrigeren Temperaturen. Die von den Bienen produzierten Wachsplättchen enthalten zudem ebenfalls Kohlenwasserstoffe. In den letzten Jahren ist der Preis für Bienenwachs auf dem Weltmarkt stark gestiegen. Es ist daher finanziell sehr attraktiv, es mit preisgünstigen Produkten zu verdünnen. Analysen des Bienengesundheitsdienstes Aulendorf (Deutschland) zeigen bei Verfälschungen (Mischungen aus reinem Bienenwachs, Stearin und/oder Paraffin) eine Verschiebung im Mengenverhältnis von Ölsäure, Stearinsäure und Palmitinsäure. Die ersten drei Spalten zeigen Ergebnisse von Wachs, das von den Bienen selbst (mithilfe ihrer Wachsdrüsen) produziert wurde und folglich keine Fremdstoffe enthält. Das traditionell gemischte Wachs aus Deutschland weist ein ähnliches Fettsäuremuster auf. Eine Mittelwand, die nach dem Ausbau durch die Bienen Brut­schäden verursachte, sowie zwei Proben von Wachs aus China zeigen hingegen deutliche Abweichungen, die vermutlich auf Verfälschungen zurückzuführen sind.

Kontaminationen

Verschiedene lipophile Substanzen reichern sich im Wachs an. Da Pestizide häufig lipophil sind, wurden verdächtige Proben entsprechend analysiert. In der Probe von Mittelwänden, die Brut­schäden im Bienenvolk verursacht hatten, konnten zwölf verschiedene Pestizide identifiziert werden. Fünf davon sind für Bienen stark toxisch, zwei mäßig. Die Probe enthielt außerdem vier Akarizide. In den beiden Proben von Wachs aus China wurden besorgniserregende Mengen von Abbauprodukten des Wirkstoffs Amitraz festgestellt. Amitraz wird weltweit zur Bekämpfung der Varroamilbe eingesetzt. Diese Substanz ist in der Schweiz verboten. Darüber hinaus konnten drei weitere akarizide Substanzen identifiziert werden. Leider sind Wachsanalyseverfahren kostspielig und erfassen jeweils nur ein bestimmtes Substanzspektrum; sie decken daher niemals alle Verunreinigungen ab, die im Wachs vorhanden sein können. Im Herbst 2016 wurde anlässlich des Kongresses der deutschsprachigen Fachberater für Imkerei Europas am Rottaler Bienenhof in Bayersbach (D) das offenbar komplexe Problem der Wachsverfälschungen intensiv diskutiert.

Schäden

Bei Wachsverfälschungen konnten folgende Symptome, einzeln oder in Kombination, festgestellt werden:

  • Wachs mit einer ungewöhnlichen, an Trester erinnernden Struktur
  • Wachs, das sich beim Erhitzen bräunlich verfärbt
  • eingesunkene Waben
  • extrem lückenhaftes Brutbild – bis zu 90 % – auf neuen Rähmchen, hingegen kompakte Brut auf älteren Rähmchen desselben Volkes
  • Bienen, die beim Schlüpfen stecken geblieben sind

Ähnlich wie die zahlreichen Möglichkeiten der Wachsverfälschung und -kontamination sind auch die an den Völkern beobachteten Symptome vielfältig. Allerdings gilt: Ein lückenhaftes Brutbild ist nicht ausschließlich die Folge minderwertigen Wachses, sondern ebenso – und häufig sogar – ein Anzeichen von Krankheiten, Kannibalismus (bei Nahrungsmangel), Nahrungs­einlagerung (insbesondere von Pollen) im Brutnest oder von diploiden Drohnenlarven (doppelter Chromosomensatz infolge von Inzucht). Eine dunkle Verfärbung des Wachses kann zudem durch Überhitzung (insbesondere bei Sonnenwachsschmelzern) oder durch Kontakt mit unedlen Metallen entstehen.

Zusammenfassung

Die Möglichkeiten zur Verfälschung von reinem Bienenwachs sind vielfältig. Die Ursachen der daraus resultierenden Probleme zu bestimmen, ist sehr schwierig. Daher müssen Imker alles daransetzen, jede mögliche Beeinträchtigung der Wachsqualität zu vermeiden. Beim Kauf von Mittelwänden ist es wichtig, dass Hersteller und Händler vertrauenswürdig sind. Sie sind verpflichtet, die Herkunft und die Eigenschaften des Wachses kontinuierlich zu kontrollieren.

 

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Autor
Ruedi Ritter, www.apiservice.ch
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