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Januar am Bienenstand

Der Januar entspricht in der Schweiz in der Regel dem Kern der Überwinterung. Das Volk lebt verlangsamt in der Wintertraube: Es hält eine ausreichende Innentemperatur zum Schutz der Königin aufrecht, und falls Brut vorhanden ist (je nach Höhenlage/Klima unterschiedlich), wird der zentrale Bereich stärker beheizt. Der Honigverbrauch bleibt moderat, ist jedoch kontinuierlich. Typische Risiken des Monats sind die „stille“ Verhungern (unzureichende oder unzugängliche Vorräte), Feuchtigkeit und Störungen. Der Imker handelt daher vor allem durch äußere Beobachtung, gezielte Sicherung der Vorräte, Hygiene und Vorbereitung des Materials und vermeidet jegliche Eingriffe. Die Devise lautet: „Nicht stören!

1) Die Wintertraube verstehen und Vitalität bestätigen (ohne Öffnen)

Ziel
Das Vorhandensein von Leben und die Stabilität der Wintertraube beurteilen, ohne das Volk abzukühlen.

Konkrete Maßnahmen

  • An einem milden Tag das Flugloch beobachten: mögliche Reinigungsflüge, Wächterinnen, kurze Hin- und Rückflüge.
  • An der Beute horchen (dumpfes Summen) und eine leichte Wärme im Bereich des Deckels wahrnehmen.
  • Falls vorhanden, den Bodenschieber lesen: Wachs- und Deckelreste (Verbrauch), Aktivitätsspuren.

Achtungspunkte
Das Ausbleiben von Flugbetrieb beweist keine tote Kolonie (Wetter, Ausrichtung). Längere Öffnungen vermeiden: Die Traube kann sich auflösen und auskühlen.

Mehr erfahren:

► Beobachtungen am Flugloch
► Lesen der Abfälle (Bodenschieber)


2) Fluglöcher freihalten und Störungen vermeiden (Schnee, Eis, Wind)

Ziel
Eine minimale Belüftung sicherstellen und Reinigungsflüge ermöglichen – ohne Stress oder Abkühlung.

Konkrete Maßnahmen

  • Nach Schneefall: Flugbrett und Flugloch von Schnee/Eis/Ablagerungen befreien.
  • Äußeren Zustand prüfen: Dach korrekt aufliegend, Beute stabil, keine starke Windeinwirkung.
  • Vibrationen und Stöße begrenzen (Transport, Arbeiten rund um den Stand).

Achtungspunkte
Ein verstopftes Flugloch kann die Belüftung beeinträchtigen und Ausflüge bei milder Witterung erschweren. Wiederholte Störungen erhöhen den Futterverbrauch.

Mehr erfahren:

► 10 Regeln guter imkerlicher Praxis


3) Vorräte einschätzen: „stille“ Hungersnot verhindern (bei Bedarf Futterteig)

Ziel
Einen Futterabriss vermeiden: Im Januar kann ein Volk sterben, obwohl noch Honig vorhanden ist, der für die Traube nicht mehr erreichbar ist.

Konkrete Maßnahmen

  • Beute anheben (Rückseiten-Wägung) und zwischen den Völkern vergleichen, um die leichtesten zu erkennen.
  • Bei ernsthaftem Zweifel: Futterteig möglichst nahe an der Traube auflegen (z. B. über der Öffnung im Deckel, falls geeignet).
  • Zugänglichkeit kontrollieren: keine Barriere, Futterteig für die Traube tatsächlich erreichbar.

Achtungspunkte
Futterteig ist eine Sicherheitsmaßnahme (keine Stimulation). Im Januar keinen Sirup geben: Temperatur- und Feuchtigkeitsproblematik.

Mehr erfahren:

► Alles zum Füttern
► Spätwinterfütterung – was ist davon zu halten?
► Futterteig herstellen


4) Schwache Völker: mehr beobachten, weniger eingreifen (aber zum richtigen Zeitpunkt)

Ziel
Verluste am Winterende begrenzen: Schwache Völker haben geringere thermische und energetische Reserven.

Konkrete Maßnahmen

  • Risikokolonien identifizieren (geringe Herbststärke, leichte Beute) und engmaschig beobachten.
  • Die Futtersicherheit priorisieren (Anheben + Futterteig bei Bedarf).
  • Zu beheizendes Volumen reduzieren, wenn bereits eine Trennschied vorhanden ist oder sich ohne lange Durchsicht leicht anpassen lässt.
  • Diese Völker notieren, um im Frühjahr eine Entscheidung (Vereinigen/Erneuern) vorzubereiten – nicht im Januar durchführen.

Achtungspunkte
Das Vereinigen zweier schwacher Völker ergibt nicht zwingend ein starkes Volk. Jede Vereinigung setzt eine Gesundheitsdiagnose voraus (später, bei geeigneten Bedingungen).

Mehr erfahren:

10 Regeln guter imkerlicher Praxis


5) Tote Völker: vorsichtige Diagnose und strikte Materialhygiene

Ziel
Räuberei vermeiden und Gesundheitsrisiken reduzieren sowie eine kontrollierte Wiederinstandsetzung vorbereiten.

Konkrete Maßnahmen

  • Bei Verdacht auf ein totes Volk: kurz bestätigen (keine „Frühjahrsdurchsicht“).
  • Bei Verdacht auf Tod durch ansteckende Krankheit: Beute schließen und den Inspektor informieren.
  • Beute räumen; bei Unsicherheit alle Waben verbrennen. Reinigung nach Protokoll des Inspektorats (HalaApi 898/899), Desinfektion (Halades 01) des gesamten Imkereimaterials (siehe auch Desinfektionsprotokoll).
  • Beute nach Möglichkeit vom Stand entfernen (Räuberei-, Ansteckungsrisiko).
  • Verdächtige Brutwaben entsorgen; Material vor Wiederverwendung desinfizieren/sanieren.

Achtungspunkte
Bei Verdacht auf meldepflichtige Krankheiten (Faulbrut) keine Wiederverwendung von Waben und Material ohne Protokoll und offizielle Empfehlungen. Keine „Rettung“ von Vorräten bei unbekannter Ursache.

Mehr erfahren:

► Infernale Kaskade: Chronik eines angekündigten Todes
►  Pflege des Imkereimaterials
►  Hygiene


6) Feuchtigkeit und Thermoregulation: nur an konkreten Ursachen ansetzen

Ziel
Risiken durch Feuchtigkeit (Kondensation) und Zugluft reduzieren – ohne „Überisolierung“.

Konkrete Maßnahmen

  • Dichtigkeit prüfen: Dach, Deckel, keine Wassereintritte.
  • Direkte Zugluft vermeiden (windexponierter Standort, Montagefehler).
  • Pragmatisch isolieren, wenn ein konkretes Problem identifiziert ist (Wind, Kondensation), und die Wirkung beobachten.

Achtungspunkte
„Mehr Isolierung“ ist nicht immer „besser“: Zu viel Isolierung kann Feuchtigkeit einschließen oder das Gleichgewicht stören. Im Januar gilt: Öffnungen vermeiden und einfache Mängel beheben.

Mehr erfahren:

► Überwinterung der Honigbiene
► Beutenisolierung im Lichte der kollektiven Thermoregulation der Bienen
► Sinn und Unsinn der Wärmedämmung von Beuten


7) In der Werkstatt & zu Hause

  • Material reinigen, desinfizieren, reparieren und vorbereiten (Beuten, Dächer, Böden, Fütterer).
  • Rähmchen und Mittelwände vorbereiten; Lager prüfen (Futterteig, Sirup für später, Verbrauchsmaterial).
  • Saison planen: Nachverfolgung schwacher Völker, Materialersatz, Organisation des Standes.
  • Die Zeit nutzen, um sich weiterzubilden.
    www.ApiSavoir.ch
    ⇒ Teste dein Wissen (Quiz)

8) Was man noch nicht tut

  • Keine vollständige Frühjahrsdurchsicht (zu früh: Risiko des Abkühlens/Desorganisierens der Traube, mögliche Brut).
  • Keine Sirupfütterung / Stimulation (Temperaturen, geringe Aufnahme, Feuchtigkeit).
  • Keine Königinnenzucht / Ableger (ungeeignete Periode, keine begattungsfähigen Drohnen).
  • Keine umfangreichen Wabenwechsel oder längeren Umstrukturierungen des Brutnestes.
  • Keine proteinreichen Gaben zur Brutstimulation (Ungleichgewichtsrisiko mitten im Winter).

 

Allgemeine Hinweise: Prioritäten und Zeitplan variieren je nach Höhenlage, Exposition, lokaler Witterung und Volksstärke. Bei Verdacht auf meldepflichtige Krankheiten den Inspektor kontaktieren, bevor eigenständig gehandelt wird.

 

Autor
ApiSion : Claude Pfefferlé & Serge Imboden
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