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Februar am Bienenstand

Februar ist ein Schlüsselmonat für das Volk. Die Tageslänge nimmt zu, und die Königin nimmt ihre Eiablage allmählich wieder auf. Diese Wiederaufnahme bleibt fragil: Die Vorräte können kritisch werden, die Temperaturen sind instabil, und jede längere Öffnung kann die Brut auskühlen. Der Imker handelt vor allem durch Beobachtung, Antizipation und Vorbereitung, wobei er Eingriffe begrenzt.

1. Die Prioritäten des Monats

  • Wiederaufnahme der Aktivität beobachten, ohne die Beuten unnötig zu öffnen.
  • Futtervorräte rasch abschätzen und unsichere Völker bei Bedarf mit Futterteig sichern.
  • Sauberes und leicht zugängliches Wasser bereitstellen.
  • Schwache Völker engmaschig überwachen und Winterverluste frühzeitig erkennen.
  • Zu frühe Eingriffe vermeiden, die das Brutnest abkühlen oder die Wiederaufnahme stören.

2. Februar am Bienenstand: der Leitgedanke des Monats

Ziel
Verstehen, dass der Februar ein Übergangsmonat bleibt: Das Volk wirkt noch winterlich, doch die innere Aktivität hat oft bereits wieder eingesetzt.

Im Februar geht es nicht darum, die Beuten zu «besuchen», sondern die Zeichen der Wiederaufnahme richtig zu lesen und dabei die innere Wärme des Volkes zu schützen. Die Brutpflege setzt oft still ein, was den Verbrauch steigert und die Futtervorräte kritischer macht, als sie erscheinen. Die sinnvollen Massnahmen des Monats sind daher nüchtern und gezielt: beobachten, sichern, vorausplanen. Wie immer sind Kalender und Prioritäten je nach Höhenlage, Exposition, lokalem Wetter und tatsächlicher Volksstärke anzupassen.

Weiterführendes

3. Vorrangige Arbeiten des Monats

3.1 Aktivität beobachten (ohne zu öffnen)

Ziel
Bestätigen, dass das Volk lebendig ist und eine Wiederaufnahme der Aktivität – und häufig der Eilage – wahrscheinlich ist.

Worauf zu achten ist
Das Flugbrett an milden Tagen, Reinigungsflüge, allgemeine Aktivität, Polleneintrag als indirektes Zeichen der Wiederaufnahme der Brutpflege, Geräusch und fühlbare Wärme am Deckbrett sowie die Windel: Zelldeckelreste, Wachs und Aktivitätsspuren.

Konkrete Massnahmen

  • Das Flugbrett an milden Tagen beobachten.
  • Polleneintrag erkennen.
  • Die Beute abhören und am Deckbrett Wärme spüren.
  • Die Windel lesen: Zelldeckelreste, Wachs, Aktivitätsspuren.

Worauf besonders zu achten ist
Ausbleibender Flug beweist kein totes Volk: Wetter, Ausrichtung oder Volksstärke können dies erklären. Längeres Öffnen vermeiden: die auslaufende Brut reagiert sehr empfindlich auf Abkühlung.

Weiterführendes

3.2 Futtervorrat abschätzen und sichern (Priorität des Monats)

Ziel
Jeglichen Futterengpass in der Phase vermeiden, in der der Verbrauch mit der Brutpflege zunimmt.

Worauf zu achten ist
Das Gesamtgewicht der Beute im Vergleich mit anderen Völkern sowie jeglicher Zweifel, ob die Wintertraube das Futter tatsächlich erreichen kann.

Konkrete Massnahmen

  • Die Beute hinten anheben und zwischen den Völkern vergleichen.
  • Bei Unsicherheit: Futterteig möglichst nah an der Wintertraube auflegen, z. B. auf die Öffnung des Deckbretts, wenn das Material dies erlaubt.
  • Kontrollieren, dass der Futterteig für die Bienen wirklich zugänglich und verwertbar ist – keine zu grosse Distanz, keine Barriere.

Worauf besonders zu achten ist
Die Fütterung sollte stets eine gezielte Massnahme mit klarem Zweck bleiben. Im Februar Futterteig dem Sirup vorziehen – wegen der Temperaturen, der Aufnahme und der Feuchtigkeit.

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3.3 Schwache (aber gesunde) Völker engmaschig überwachen

Ziel
Spätwinterverluste reduzieren, indem Risikovölker gezielt beobachtet werden – insbesondere solche mit geringer Volksstärke oder niedrigen Futtervorräten.

Worauf zu achten ist
Geringe Volksstärke, Niveau der Futtervorräte, Fähigkeit des Volkes, sich zu erhalten, sowie die tatsächliche Entwicklung dieser Schwäche im Frühjahr.

Konkrete Massnahmen

  • Diese Völker bei der Futtervorratskontrolle priorisieren: Anheben und bei Bedarf Futterteig geben.
  • Das zu beheizende Volumen einschränken, ohne unnötig zu öffnen: Trennschied einsetzen oder einengen, wo sinnvoll.
  • Jetzt schon eine Strategie für eine allfällige Volksvereinigung im Frühjahr vorbereiten, falls die Schwäche anhält.

Worauf besonders zu achten ist
Zwei schwache Völker zu vereinen ergibt in der Regel kein starkes Volk. Jede Vereinigungsentscheidung setzt eine Gesundheitsdiagnose und eine durchdachte Betriebsweise voraus.

Weiterführendes

4. Gesundheit der Bienen

Ziel
Krankheitsausbreitung verhindern, problematische Winterverluste rasch erkennen und Material nur dann weiterverwenden, wenn die Lage geklärt ist.

Die beste Prävention sind starke und gesunde Völker
Es ist nicht nötig, alle Krankheiten zu kennen. Entscheidend ist, ein gesundes Volk zu erkennen und dann wahrzunehmen, was davon abweicht. Im Zweifelsfall ist es besser, rasch Hilfe zu holen und den Bieneninspektor oder die Bieneninspektorin zu kontaktieren.
Hilfreiches Merkblatt: 4.7.3. Gesunde Völker erkennen

Worauf zu achten ist
Völker mit zweifelhafter Überlebensfähigkeit, Anzeichen für eine abnorme Sterblichkeit sowie jegliche Hinweise auf eine ansteckende oder meldepflichtige Krankheit.

Konkrete Massnahmen

  • Falls Zweifel am Leben des Volkes bestehen: kurz öffnen, um es zu bestätigen – keine vollständige Frühjahrsdurchsicht.
  • Bei Verdacht auf Tod durch eine ansteckende Krankheit: Beute schliessen und den Bieneninspektor benachrichtigen.
  • Beute ausräumen; im Zweifelsfall alle Rähmchen verbrennen.
  • Reinigung gemäss Protokoll des Inspektorats (HalaApi 898/899) und Desinfektion (Halades 01) des gesamten betroffenen Imkermaterials.
  • Die verfügbare Zeit nutzen, um Material gemäss guter Praxis zu reinigen und zu desinfizieren.

Worauf besonders zu achten ist
Bei Verdacht auf eine meldepflichtige Tierseuche – insbesondere Faulbrut – Rähmchen und Material nicht ohne Protokoll wiederverwenden. Das Einlagern von Futtervorräten ist nur sinnvoll, wenn die Todesursache bekannt ist.

Durchfallerkrankungen (Nosema / Ruhr)
Im Februar bleiben Durchfallerkrankungen relevant, besonders wenn die ersten Reinigungsflüge die Anzeichen sichtbarer machen. Kotspuren, krabbelnde oder flugunfähige Bienen sowie ein sich entvölkerndes Volk sollten aufmerksam machen.
Merkblatt: 2.5. Durchfallerkrankungen

Asiatische Hornisse
Im Februar bleibt die Asiatische Hornisse am Bienenstand inaktiv, doch Sekundärnester können in entlaubten Bäumen oder an Gebäuden noch leichter entdeckt werden. Auch ein scheinbar leeres Nest ist meldungswürdig, da es zur Dokumentation der Ausbreitung der Art beiträgt. Im Zweifelsfall nicht selbst eingreifen und den Fund unter www.asiatischehornisse.ch melden.

Weiterführendes

5. Vorräte und aktuelle Ressourcen

5.1 Wasserbedarf vorausplanen (saubere Tränke)

Ziel
Die Wasserversorgung bei Wiederaufnahme der Brutpflege erleichtern – für Gelée royale und Wärmehaushalt – und riskante Wasserquellen meiden.

Worauf zu achten ist
Vorhandensein einer stabilen Tränke, deren Sauberkeit, Zugänglichkeit sowie ob Wasserträgerinnen sie tatsächlich nutzen – was zugleich ein Hinweis auf innere Aktivität ist.

Konkrete Massnahmen

  • Eine stabile, flache Tränke mit Auftrittsmöglichkeiten aufstellen oder reaktivieren.
  • Sauberes, regelmässig erneuertes Wasser anbieten; direkte Flugschneisen zur Tränke vermeiden.
  • Beobachten, ob Wasserträgerinnen die Tränke tatsächlich nutzen.

Worauf besonders zu achten ist
Bienen werden oft von mineralstoffreichen, aber ungeeigneten Gewässern angezogen – verschmutztes oder stehendes Wasser. Eine schlecht gestaltete Tränke kann zu Ertrinken und Unterkühlung führen.

Weiterführendes

5.2 Feuchtigkeit und Wärmehaushalt steuern (ohne zu überintervenieren)

Ziel
Feuchtigkeitsrisiken und Wärmeverluste reduzieren und dabei die Dynamik der Wintertraube respektieren.

Worauf zu achten ist
Allgemeiner Zustand von Dach, Deckbrett und Eingang, allfällige Zugluft sowie konkrete Situationen, in denen Isolation die Lage tatsächlich verbessern kann.

Konkrete Massnahmen

  • Allgemeinen Materialzustand prüfen und Zugluft vermeiden.
  • Wärmeverluste begrenzen: unnötiges Öffnen vermeiden und Windeln schliessen.
  • Isolation gezielt einsetzen: sinnvoll, wenn sie konkrete Probleme mit Wind oder Feuchtigkeit verringert – nicht als systematischen Reflex.

Worauf besonders zu achten ist
Das Volk reguliert die Wintertraube und ihre Position je nach Futtervorrat und Berandung feinfühlig. «Mehr isolieren» bedeutet nicht immer «besser»: pragmatisch vorgehen und Wirkungen beobachten.

Weiterführendes

6. In der Werkstatt / Organisation

Ziel
Die verfügbare Zeit nutzen, um Material vorzubereiten, Vorräte zu prüfen und den weiteren Saisonverlauf zu organisieren.

  • Material reinigen, desinfizieren, reparieren und vorbereiten: Beuten, Dächer, Böden, Futtergeschirr.
  • Rähmchen und Mittelwände vorbereiten sowie Vorräte prüfen: Futterteig, Sirup für später und weiteres Verbrauchsmaterial.
  • Saison planen: Überwachung schwacher Völker, Materialerneuerung, Organisation des Bienenstands.
  • Die freie Zeit für Fort- und Weiterbildung nutzen.
    www.ApiSavoir.ch
    Wissen testen (Quiz)

7. Was noch nicht gemacht wird

Ziel
Timing-Fehler vermeiden, die die Wiederaufnahme stören oder die auslaufende Brut Kälte und Feuchtigkeit aussetzen.

  • Keine vollständige Frühjahrsdurchsicht: zu früh, Gefahr der Brutabkühlung.
  • Keine Sirupstimulation: unzureichende Aufnahme, erhöhte Feuchtigkeit und unerwünschte Auswirkungen auf die Frühjahrsführung.
  • Keine Königinnenvermehrung: ungeeignete Jahreszeit, keine begattungsfähigen Drohnen.
  • Kein Öffnen der Beuten, um Brutabkühlung zu vermeiden.

Allgemeine Hinweise
Prioritäten und Kalender variieren je nach Höhenlage, Exposition, lokalem Wetter und Volksstärke. Bei Verdacht auf eine meldepflichtige Tierseuche den Bieneninspektor kontaktieren, bevor eigenmächtig gehandelt wird.

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Autor
ApiSion : Claude Pfefferlé & Serge Imboden
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