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Diese Bienen, die in Freiheit leben

Obwohl sie nur in geringer Zahl vorkommen, existieren wilde oder verwilderte Kolonien von A. mellifera mellifera tatsächlich in der Natur und sind gegenüber Varroa widerstandsfähig – aufgrund ihrer geringen Größe, ihrer Schwarmneigung, der geringen Habitatdichte und vermutlich durch natürliche Selektion. Studien zeigen zudem, dass diese Linien der Dunklen Biene rein sind, ohne Hybridisierung. Folglich plädieren Forschende für die Entwicklung einer Schutzpolitik für diese Bienenpopulationen, weil sie einerseits eine wahrscheinlich rückläufige Wildart darstellen, andererseits aber auch aus imkerlicher Sicht ein interessantes genetisches Reservoir bilden.

von Janine KIEVITS

Die Honigbiene ist in Europa ebenso heimisch wie in Asien und Afrika. Die Imkerei blieb bis vor Kurzem eine gemischte Praxis, die sowohl das Halten von Völkern als auch das Einfangen wilder Schwärme umfasste; zudem gibt der Imker der Natur jene Schwärme zurück, die ihm entkommen und dann als feral gelten. Die Unterscheidung zwischen verwilderten und wilden Kolonien ist meist nicht möglich, da sie sich in der Regel genetisch nicht unterscheiden; zudem können sie sich jederzeit untereinander fortpflanzen (Leclercq et al. 2018).

Gleichwohl ist die Auffassung weit verbreitet, dass wilde oder verwilderte Kolonien kaum noch oder gar nicht mehr existieren, insbesondere weil sie durch die Varroose dezimiert worden seien (Browne et al. 2018; Leclercq 2018; Requier et al. 2019). Französische und amerikanische Studien, auf die wir in diesen Seiten bereits hingewiesen haben (1), belegen jedoch eindeutig die Existenz solcher Kolonien und erklären ihr Überleben damit, dass ihre Lebensbedingungen für die Entwicklung der Milbe ungünstig sind (kleine Koloniegrößen mit häufigem Schwärmen, sehr geringe Habitatdichte, natürliche Selektion). Überall dort, wo man nach ihnen sucht, werden sie auch gefunden – etwa in Polen entlang von Straßenbäumen (Oleksa et al. 2012) oder in den Wäldern Baschkiriens – einer Republik der Russischen Föderation südlich des Ural –, wo diese Kolonien seit Jahrhunderten genutzt werden (Ilyasov et al. 2015).

Es ist somit bekannt, dass es noch Bienenvölker gibt, die keiner menschlichen Bewirtschaftung unterliegen; ihre Anzahl ist jedoch unbekannt. Ihre Suche ist mühsam, da ihre Dichte gering ist und ihre Nester wenig auffallen. Am häufigsten wird ihre Existenz bekannt, wenn sie sich in Gebäuden ansiedeln. In der Natur ist die Biene jedoch ein Waldtier, das in hohlen Baumstämmen oder Felsspalten nistet; auch wenn man bei einem Spaziergang zufällig auf eine solche Kolonie stößt, ist ihre systematische Erfassung äußerst anspruchsvoll. Dennoch haben einige jüngere Studien genau dies versucht, da sich Wissenschaftler zunehmend für diese Bienen interessieren, die „in Freiheit“ leben.

 

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Janine KIEVITS
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