Die Sackbrut
Diese ansteckende Krankheit der Honigbiene wird durch das SBV-Virus verursacht, die Abkürzung für die englische Bezeichnung Sacbrood Bee Virus. Sie kommt weltweit vor und betrifft in der Regel die verdeckelte Brut, wobei es zu unterschiedlich starken Mortalitäten von Präpuppen kommt, die zu einer Schwächung der Kolonie führen können.
Diese Krankheit ist durch das typische sackförmige Erscheinungsbild gekennzeichnet, das die durch dieses Virus abgetöteten Präpuppen aufweisen. Infizierte erwachsene Bienen zeigen keine Symptome (sie sind symptomlose Träger), stellen jedoch Virusreservoire dar.
ÜbertragungDie abgestorbenen Präpuppen erscheinen in Form eines Sacks, der mit Millionen viraler Partikel gefüllt ist. Junge erwachsene Bienen infizieren sich, indem sie diesen Sack entfernen und die Zellen reinigen. Das SBV vermehrt sich ebenfalls in diesen infizierten erwachsenen Bienen, die keine Symptome zeigen, aber als Virusreservoir dienen. Diese virustragenden Bienen infizieren junge Larven bei deren Fütterung. Innerhalb eines Bienenstandes kann das Virus durch Verflug und Räuberei von einem Volk auf ein anderes übertragen werden. |
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Bedingungen für das AuftretenAlle Faktoren, die die Larve schwächen, begünstigen das Auftreten der Sackbrut: Ein Ungleichgewicht zwischen Brut und Bienen aufgrund der Jahreszeit (im Frühjahr herrschen oft noch kühle Temperaturen, bei gleichzeitig stark entwickelter Brut und noch zu wenigen Pflegebienen) oder durch Vergiftungen, die zu einem plötzlichen Rückgang der erwachsenen Bienen führen.
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Symptome
Auf Zellenebene können folgende Anzeichen beobachtet werden:
- Eingesunkene, durchlöcherte Zelldeckel (da die Mortalität hauptsächlich im Präpuppenstadium auftritt).
- Hellgelbe bis braune Präpuppen mit zum Zellrand gerichteter Kopfpartie (meist grau bis braun) und einem sackförmigen, mit Flüssigkeit gefüllten Körper, der sich leicht mit einer Pinzette herausziehen lässt. Die Flüssigkeit kann klar, trüb oder eitrig sein.
- Dunkelbraune, nicht an der Zelle haftende Schuppen in Form flacher Boote mit aufgebogenen Rändern (Endstadium der Erkrankung).
Auf Kolonieebene lassen sich beobachten:
- ein mosaikartiges Brutbild,
- in fortgeschrittenen Stadien ein geschwächtes, weniger dynamisches Volk.
Diagnose
Eine Brutprobe von 10 × 10 cm mit mindestens 15 betroffenen Präpuppen kann an ein akkreditiertes Labor eingesandt werden, das mittels PCR-Analyse nach Viruspartikeln sucht. Die Kosten dieser Analyse trägt der Imker. Es ist wichtig, sich vorab beim zuständigen Referenzlabor (CRA) über die Untersuchungsmöglichkeiten, Versandbedingungen und Kosten zu informieren.
Differenzialdiagnose
- Amerikanische Faulbrut: Ebenfalls verdeckelte Brut betroffen, mit eingesunkenen oder durchlöcherten Zelldeckeln. Die toten Larven haften jedoch an der Zelle, und ein positiver Fadenzieh-Test (Streichholztest) weist auf diese Krankheit hin.
- Europäische Faulbrut: Betrifft vor allem offene Brut, führt zu frühem Larventod. Die Larven sind schlaff, hellgelb bis braun, zeigen abnorme Lagen und sinken auf den Zellboden. Sie haften nicht an und bilden eine halbflüssige Masse; der Kopf ist nicht sichtbar.
- Ascosphaerose (Kalkbrut): Betrifft ebenfalls verdeckelte Brut und führt zur Umwandlung der Larven in eine feste Masse mit weissem bis dunkelgrauem Belag. Achtung: Diese Krankheiten können gemeinsam mit Sackbrut in einem Volk auftreten, insbesondere mit Europäischer Faulbrut.
Behandlung
- Je nach Schweregrad sind verschiedene Massnahmen möglich. Sind nur wenige Zellen betroffen, können die befallenen Waben entfernt werden. Bei starkem Befall ist das Volk auf Mittelwände umzusetzen und die alten Waben zu vernichten.
- Austausch der Königin gegen eine aus einer weniger anfälligen Linie.
- Ist mehr als 20 % der Brut betroffen, das Volk schwach oder steht die Überwinterung bevor, sollte das Volk aufgelöst werden.
- In jedem Fall ist eine sorgfältige Kontrolle aller Völker des Standes erforderlich, da Sackbrut ein Hinweis auf andere Erkrankungen (Europäische Faulbrut, Varroose) sein kann.
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Unsere Information lesen: Gesundheitlich motiviertes Umsetzen Die Vorbeugung gegen Sackbrut beruht auf der Anwendung guter imkerlicher Praxis:
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Weitere Informationen:
Artikel „Le couvain sacciforme“, La Santé de l’Abeille, Nr. 254, Seiten 149–160.
Quelle: FNOSAD – Fédération Nationale des Organisations Sanitaires Apicoles Départementales
Bildnachweis: Jean-Paul Faucon, Anses Sophia Antipolis




