Die Epigenetik
Die Vorstellung, dass ein Tier oder eine Pflanze lediglich das Produkt der von den Eltern vererbten Gene ist, wird zunehmend infrage gestellt. Bislang war bekannt, dass die Umwelt – teils in nicht unerheblichem Ausmaß – das Erscheinungsbild oder das Verhalten von Lebewesen beeinflussen kann (den Phänotyp). Es zeigt sich jedoch, dass die Prägung durch die Umwelt in manchen Fällen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden kann, ohne dass die genetische Information selbst verändert wird. Die Gesamtheit der Mechanismen, die diesen vererbbaren, durch Umweltfaktoren beeinflussten Anteil steuern, bezeichnet man als „Epigenetik“.
Epigenetische Reversibilität.
Man ging lange davon aus, dass der genetische Code eines Organismus seine biologischen Eigenschaften, seine Entwicklung und seine Anpassung an die Umwelt bestimmt. Seit es gelungen ist, die Genome zahlreicher Organismen – darunter auch der Honigbiene – zu kartieren, wurde deutlich, dass es signifikante Unterschiede zwischen dem gibt, was das Genom vorgibt, und dem Erscheinungsbild oder der Funktionsweise desselben Organismus. Ein Teil der DNA, der als epigenetischer Code bezeichnet wird, moduliert und beeinflusst die zu erwartenden biologischen Merkmale. Praktisch und vereinfacht ausgedrückt kann ein von einer Königin gelegtes, befruchtetes Ei je nach verfügbarer Ernährung entweder eine Arbeiterin oder eine Königin hervorbringen; eine Arbeiterin beginnt ihr Leben als Ammenbiene und beendet es als Sammelbiene. Diese beiden Tätigkeiten sind grundlegend verschieden und erfordern klar unterschiedliche Kompetenzen. Besonders interessant ist jedoch, dass diese Entwicklung der Tätigkeiten einer Arbeiterin reversibel sein kann. Eine Sammelbiene kann bei Bedarf wieder zur Ammenbiene werden; eine Arbeiterin kann sogar beginnen, Eier zu legen!
► www.nature.com
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