Die Asiatische Hornisse breitet sich in der Schweiz aus
Das große aktuelle Problem der Imker in unseren Regionen ist das Herannahen einer Krankheit aus dem Osten […] [die] den Namen Varroose trägt. […] Es handelt sich um einen Parasiten, der sich vom Blut der Bienen ernährt, die erschöpft sterben. Die Krankheit wurde zunächst in Sibirien festgestellt und breitet sich derzeit über ganz Eurasien aus; sie trat zunächst in Russland, dann in den osteuropäischen Ländern auf und hat die Bundesrepublik Deutschland erreicht. Frankreich und die Schweiz sind derzeit noch verschont. Es werden keine Bienen aus Ländern importiert, die von der Seuche betroffen sind, was es ermöglicht, das Vordringen der Krankheit zu verzögern (oder gar aufzuhalten?).
L’impartial, 23. März 1983.
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Vespa velutina nigrithorax: die Asiatische Hornisse. Foto: Wikimedia Commons
von Guillaume Kaufmann
So standen wir 1983 da – ein gutes Bienenjahr, in dem die Völker 10kg Honig gegeben hatten! Eine Bedrohung warf ihren Schatten aus dem Osten, doch die Imker hegten die heimliche Hoffnung, verschont zu bleiben. 1985 dann die Panik: Ein Solothurner Bienenstand ist infiziert. 1987 werden 12'484 Bienenstöcke durch die Varroa dezimiert. In der Presse liest man noch Zeichen der Hoffnung: «Varroase, Wundermittel?» – es ist von einer obskuren, vielversprechenden Behandlung durch natürliche Stimuli die Rede, an die sich heute niemand mehr erinnert. Schutzzonen und Sperren werden eingerichtet. Vielleicht ist es noch nicht zu spät? Ohne Erfolg. 1988 ist Neuenburg der letzte betroffene Kanton: Die Partie ist beendet, die Varroa ist überall.
Ich erzähle euch von einer Zeit, die ich nicht gekannt habe – ich, der ich in jenem berühmten Jahr 1988 geboren wurde. Und doch stelle ich mir die Bestürzung vor! Den Imkern, die sich daran erinnern, dürfte es wohl ergangen sein wie in allen Phasen der Trauer: Trauer um die Imkerei ihrer Väter und Mütter. Eine einfache Imkerei, in der man vor allem den Totenkopfschwärmer und die Faulbrut fürchtete und in der der Honig einfach gegeben war – wie ein Geschenk der Natur. Alles sollte sich ändern, und viele würden ihre Leidenschaft aufgeben: zu entmutigend, zu schwierig, dem Unheil zu widerstehen, und zu hart, die eigenen Bienen dezimiert zu sehen. Andere werden standhalten und fast alles neu lernen – mit größter Resilienz. Wieder andere werden sich in Verleugnung flüchten: «Ich hab so Viecher nicht!», bis man sie ihnen in der Drohnenbrut zeigt.
Meine Freunde, wenn ich euch diese Geschichte erzähle, dann deshalb, weil wir heute vor derselben Herausforderung stehen. Seit mehr als 15 Jahren zeigt der Schatten diesmal aus dem Westen, aus Frankreich. Eine Lieferung chinesischer Töpferwaren enthielt eine Königin einer in Europa noch nie gesehenen Art – eine schwarze Hornisse mit wespenähnlichem Aussehen. In einem günstigen Frühjahr angekommen, wird sie allein – trotz aller Gefahren – das erste Nest gründen. Beginn einer unaufhaltsamen Kolonisation, die sich mit 60km/Jahr ausbreitete und Spanien, Portugal und ganz Frankreich erreichte. Die Asiatische Hornisse klopfte 2017 im Jura an unsere Tür – eine einzelne Königin, von der man hoffte (immer derselbe Hoffnungsschimmer), dass keine zurückkehren würde. Ein weiterer Vorstoß bei Mont-sur-Rolle 2019. Es ist eine alte Schweizer Gewohnheit, zu hoffen, unsere Berge würden uns schützen: Sie wird nicht kommen, sie wird die Alpen oder die Grate nicht überwinden, die Höhe wird sie töten. Und doch wird sie in diesem Jahr sowohl in Le Noirmont auf 1000m Höhe als auch in Genf wieder auftauchen – ein Beleg für ihre außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit.
Liebe Imkerinnen und Imker, ich möchte heute etwas feierlich sein, denn es ist absolut notwendig, dass jede und jeder das Ausmaß dessen erkennt, was gerade geschieht. Diese Ratschläge richten sich an alle, denn heute sind wir alle Anfänger! Niemand von uns hat Erfahrung mit dem, was uns ab nächstem Jahr erwartet. Und man muss mit einer einfachen, aber sehr harten Tatsache beginnen: Noch nie konnte eine invasive Hymenopterenart (und davon gab es Hunderte) ausgerottet werden. Nehmt euch Zeit, diesen Satz nochmals zu lesen und zu erfassen, was er bedeutet. Ich weiß, dass er einige von euch empören wird, die nicht daran glauben wollen und darin eine Form von Defätismus sehen. Es liegt mir fern, die Hände in den Schoß zu legen (ich kremple mir im Gegenteil gerade die Ärmel hoch), aber es ist eine Tatsache: Die Asiatische Hornisse wird unser Land erobern, egal was wir tun. Gemeinsam werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um sie zu verlangsamen, damit wir Zeit haben, uns vorzubereiten, aber es ist unmöglich zu hoffen, sie zurückzudrängen. Vielleicht nicht nächstes Jahr, vielleicht nicht im darauffolgenden, aber in 10 Jahren werden die Nester zu Tausenden gezählt werden, und enorme Verluste an Bienenvölkern werden zu beklagen sein, wenn wir das Ausmaß nicht erkennen. Einige von euch werden entmutigt sein, andere werden standhalten. Man wird fast alles neu lernen müssen.
Die Bedrohung erkennen
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Quelle: apiservice.
Vespa velutina nigrithorax – so lautet der wissenschaftliche Name der Asiatischen Hornisse. Vespa velutina darf nicht mit ihrem europäischen Verwandten, Vespa crabro, verwechselt werden, der in gutem Einvernehmen mit unseren Bienen lebt, auch wenn er gelegentlich eine frisst. Es ist wichtig, dass ihr sie erkennen und diese Arten unterscheiden könnt. Unsere Bedrohung, die Asiatische Hornisse, besitzt:
- Einen einzigen gelben Ring am Hinterleib, während die Europäische Hornisse mehrere besitzt.
- Gelbe Beinenden.
- Die Fähigkeit zum Schwebeflug.
- Nester mit seitlichem Eingang. Sie ähneln stark denen von Wespen und europäischen Hornissen, doch bei letzteren befindet sich der Eingang bei Nestern in der Höhe immer an der Basis. Alle können sich auch unterirdisch befinden.
Ich bitte euch, das Bild mit den Unterschieden zwischen den beiden Hornissen gut zu studieren. Schaut euch außerdem im Internet Vespa velutina im Flug an. Es ist absolut entscheidend, dass ihr sie erkennen könnt! Unsere Behörden, der SSA und apiservices, haben bereits eine Strategie zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse. Aber ihr habt darin eine zentrale Rolle und seid die Ersten in der Kette: Von euch erwartet man die Meldungen, die das Verfahren zur Zerstörung der Nester auslösen. Ab nächstem Jahr müsst ihr eure Fluglöcher – ab August – überwachen, um die Präsenz des Eindringlings festzustellen. Ihr könnt ihn auch in Obstgärten sowie bei Früchten oder Efeu sehen. Wenn ihr diese Beobachtungsarbeit nicht leistet, passiert nichts, und die Asiatische Hornisse wird sich in der Nähe eurer Bienenstände in Ruhe etablieren. Unser Schicksal liegt in unseren Händen, und wir müssen uns der Aufgabe gewachsen zeigen.
Die Bedrohung verstehen
Warum fürchtet man Vespa velutina besonders? Weil unsere Apis mellifera – anders als asiatische Bienen wie Apis cerana (dieselbe, die mit Varroa koexistiert) – nicht auf Jahrtausende der Koexistenz zurückblickt, in denen Abwehrstrategien entstehen konnten. Wenn die Asiatische Hornisse unsere Beuten angreift, wissen unsere Bienen nicht, was zu tun ist. Die Hornissen stehen im Schwebeflug über den Flugbrettchen und warten, bis die durch Honig- oder Pollentraglast verlangsamten Sammlerinnen zur Beute zurückkehren. Dann packt die Hornisse sie, bringt sie ein Stück weg, köpft sie und behält nur den proteinreichen Thorax, aus dem sie kleine Kügelchen formt, um ihre Larven zu füttern. An einem schönen Tag fängt eine Hornisse etwa 150 Arbeiterinnen. Man schätzt, dass ein Hornissennest mit rund 3000 Individuen allein im Monat August mehr als 60'000 Bienen vernichten kann – zwei schöne Völker. Bis zu den ersten Frösten im Oktober oder November entspricht das also dem Äquivalent von 6 bis 7 Völkern, die daran zugrunde gehen.
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Hornisse im Posten vor einer Beute, wartend auf die Rückkehr einer Sammlerin. Foto: MNHN (Frankreich)
Natürlich schwächen diese Verluste an Arbeiterinnen die Völker. Die Hauptbedrohung liegt jedoch nicht dort. Weil unsere Bienen sich nicht verteidigen können, verkriechen sie sich in den Beuten, blockieren die Fluglöcher und stellen jede Aktivität ein. In den letzten Monaten des Jahres gibt es dann nicht nur keinen Nektareintrag mehr (was man mit Sirup ausgleichen kann), sondern auch keinen Polleneintrag. Häufig fehlt dann im Frühjahr genau diese Ressource, was zu erheblichen Völkerverlusten führt. Die Anwesenheit der Hornisse verursacht außerdem einen sehr großen Stress, der die Völker schwächt.
In den schwächsten Völkern – und bei ungünstig angepassten Fluglochöffnungen – kann die Hornisse auch in die Beute eindringen und ein Massaker anrichten, bis hin zum Angriff auf die Brut. Dagegen kann man sich jedoch relativ einfach schützen, indem man Fluglochöffnungen verwendet, die nur Bienen passieren lassen. Aber ein solches Volk muss nicht einmal von der Hornisse besucht werden, um im Frühjahr zugrunde zu gehen.
Vermehrung der Bedrohung
Glücklicherweise tritt dieses Katastrophenszenario erst am Ende der Saison ein, sodass wir ein relativ klar begrenztes Zeitfenster haben, um zu handeln. Es ist wichtig, den Fortpflanzungszyklus der Asiatischen Hornisse zu verstehen, um zu wissen, was zu erwarten ist.
Wie bei den Wespen leben Hornissenköniginnen nur ein Jahr. Mit den ersten Frösten sterben Arbeiterinnen und Männchen, und das Nest wird verlassen. Mehrere Hundert begattete Exemplare – die Gründerinnen – verlassen dann das Nest und verstecken sich, wo immer sie können, um zu überwintern: unter einer Rinde, in einem von einem Nager hinterlassenen Loch, in einer chinesischen Töpferei. Mit den ersten Lichtstrahlen des Frühlings kommen sie heraus, füllen ihre Energiereserven auf und beginnen allein mit dem Bau eines ersten, rudimentären Nestes. Es ist beeindruckend, sich vorzustellen, dass diese Gründerinnen, bevor sie zu Königinnen eines Reiches werden, dieses vollständig und ohne Hilfe errichten müssen. Die Gründerin legt die ersten Zellen an, in denen sie ihre ersten Arbeiterinnen aufzieht. Diese sind unterentwickelt und sehr klein, aber die Königin verfügt bald über ihre ersten Dutzend Arbeiterinnen, die den Ausbau des Nestes und die Nahrungssuche übernehmen. Diese kleinen Arbeiterinnen suchen unsere Bienen noch nicht allzu sehr heim, da diese noch konkurrieren können. Im Verlauf des Juni verlässt die Königin das Primärnest nicht mehr und legt nur noch Eier. Dieses wird rasch zu klein für die stetig wachsende Kolonie. Es ist Zeit zu migrieren: Die Königin und ein großer Teil der Arbeiterinnen beginnen dann mit dem Bau eines Sekundärnestes, oft sehr hoch in den Bäumen. Das Primärnest bleibt noch bewohnt, bis die letzten Nymphen schlüpfen.
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Quelle: MNHN (Frankreich) Foto: JH = J. Haxaire, MD = M. Duret, QR = Q. Rome, CV = C. Villemant.
Im Sekundärnest, das viel größer ist und rasch gebaut wird, schlüpfen die großen, reifen Arbeiterinnen. Dann ist die Zeit der Expansion: Die Königin legt die ersten Männchen, und es braucht Proteine, um all diese Larven aufzuziehen. Dann werden unsere Beuten angegriffen. Unter den Arbeiterinnen entwickeln einige Sexualorgane und werden von den Männchen begattet. Man schätzt diese neuen Gründerinnen (die sich bei der Beobachtung nicht von Arbeiterinnen unterscheiden lassen) auf etwa 500, doch ihre Zahl könnte in außergewöhnlichen Jahren deutlich höher liegen.
Mit den ersten Frösten suchen diese 500 Gründerinnen dann Zuflucht, damit der Zyklus erneut beginnt. Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen sterben an der Kälte, und ihr Nest wird verlassen. 500 mag nach sehr viel klingen, doch offenbar gelingt es im folgenden Frühjahr nur wenigen Gründerinnen, Nester zu etablieren. Kälte, Vögel, andere Insekten, Nagetiere usw. töten die überwältigende Mehrheit (über 98%). Aber diese wenigen reichen aus, damit sich die Bedrohung weiter und weiter ausbreitet.
Die Bedrohung bekämpfen
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Ein heroischer Kletterer, verloren in den Ästen der Côtes du Doubs. Das Nest hing in 38m Höhe! Foto: Lukas Seehausen, CABI.
Die sicherste und wirksamste Strategie zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse besteht daher in der Zerstörung der Nester. Es ist entscheidend, dass diese und ihre Bewohner vor der Abwanderung der Gründerinnen am Ende des Herbstes zerstört werden. Gelingt dies, stellt man sicher, dass das Nest keine Nachkommen hinterlässt. Das einzige Problem: Nester zu lokalisieren kann sehr schwierig sein. Mehrere Experten geben zu, dass selbst dann, wenn sie feststellen konnten, dass sich ein Nest in einem bestimmten Baum befindet, es vom Boden aus manchmal unmöglich war, es zu sehen – weil die Blätter es verdeckten. Und dies sogar bei riesigen Nestern von annähernd 1m Durchmesser.
Mehrere Techniken werden derzeit erprobt. Die drei in diesem Jahr in Genf und im Jura zerstörten Nester wurden mithilfe von Sendern lokalisiert, die ein Funksignal aussenden und an gefangenen Hornissenarbeiterinnen befestigt wurden. Diese Technik ist vielversprechend und wird bei uns zu Beginn der Invasion vermutlich bevorzugt eingesetzt werden. Andere Forschergruppen versuchen, Wärmebildkameras zu nutzen, um Kolonien in Bäumen zu lokalisieren, doch Blätter und die hervorragende Isolierung der Nester erschweren dies. Italienische Teams versuchen, harmonische Radare einzusetzen, die kleine Metallreste erfassen können, die an gefangenen Arbeiterinnen angebracht wurden. Auch hier scheint die Technik vielversprechend, ist jedoch sehr teuer. Die letzte bekannte Technik besteht darin, die Position eines Nestes anhand des Fluges der Arbeiterinnen abzuschätzen. Mit mehreren Beobachtungspunkten und durch Triangulation scheint dies möglich zu sein. Doch selbst wenn man eine vernünftige Zone eingrenzt, bleibt das Nest eine Nadel im Heuhaufen.
In allen Fällen ist der Ausgangspunkt stets die Beobachtung von Hornissenarbeiterinnen, häufig in der Nähe von Bienenständen. Um bei der Lokalisierung der Nester effizient zu sein, ist es außerdem entscheidend, dass alle Bienenstände bei den kantonalen Inspektoren korrekt gemeldet sind und ihre Position rasch kommuniziert werden kann. Wenn ein Bienenstand angegriffen wird, ist es wichtig, die anderen Stände in einem Radius von 2km zu kontrollieren: Dies kann die Suche bereits stark eingrenzen. Nicht gemeldete Bienenstände sind bei Tierseuchen ein Übel und riskieren es auch bei Hornissenangriffen zu sein.
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Das Nest ist in der Baumkrone kaum sichtbar. Drohnenfoto von Nicolas Chevre.
Die Lokalisierung ist nicht der einzige schwierige Schritt: Auch die Zerstörung bringt ihre Herausforderungen mit sich. Das Jurassische Nest befand sich 38m über dem Boden in einem Wald an einem steilen Hang der Côtes du Doubs – das heißt, dass keine Hebebühne dorthin gebracht werden konnte. Zum Glück war es möglich, auf zwei heroische Kletterer zu zählen (einer, um das Nest zu behandeln, der andere, um es zu bergen). Doch es ist zu erwarten, dass jedes Nest seine Überraschungen bereithält. In keinem Fall wird von euch erwartet, dass ihr euch selbst um ein Nest kümmert. Eure Aufgabe ist es, die Präsenz der Asiatischen Hornisse in euren Bienenständen festzustellen und apiservice per E-Mail (info@apiservice.ch) oder per Post (apiservice, Schwarzenburgstrasse 161, 3003 Bern) zu kontaktieren. Es ist wichtig, dass ihr ein Foto oder sogar ein gefangenes Exemplar habt, damit sichergestellt werden kann, dass es sich tatsächlich um Vespa velutina handelt. Vergesst nicht, Datum und Ort anzugeben, von wo das Exemplar stammt. Die Behörden erhalten Hunderte von Fotos von Fliegen, Wespen oder sogar Bienen aus der Bevölkerung, die glauben, Asiatische Hornissen entdeckt zu haben. Gerade auf euch setzt man, weil ihr den Hornissen im Rahmen eurer imkerlichen Tätigkeit begegnen könnt und weil man euch Kompetenzen zutraut, die es erlauben sollten, ein Insekt zu bestimmen. Aber nochmals: Übt!
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Am Noirmont gefangene Hornissenarbeiterin, an der ein Sender befestigt wurde. Foto: Lukas Seehausen, CABI.
Das Problem mit Fotos
Seien wir ehrlich: Die Notwendigkeit, ein Foto zu machen, ist eine Schwachstelle in unserem Bekämpfungsplan. Es ist nicht für alle immer einfach, scharfe Fotos von einer unbewegten Landschaft zu machen. Und dann ein schnelles Insekt im Flug … Selbst für geübte Fotografen ist das eine Herausforderung! Ich empfehle euch: Wenn es euch nicht gelingt, brauchbare Fotos von dem zu machen, was ihr für eine Asiatische Hornisse haltet, dann filmt es. Das ist oft viel einfacher, und anschließend lassen sich Screenshots erstellen. Eine kostenlose Software wie VLC ermöglicht dies sehr leicht (mehrere Fotos, die meine Hinweise begleiten, stammen aus dieser Technik). Auch hier: Übt, und bittet um Hilfe, wenn ihr es nicht schafft. Das setzt auch voraus, dass ihr am Bienenstand immer eine Kamera (ersatzweise ein Smartphone) dabeihabt – auf jeden Fall gegen Ende der Saison. Wenn es euch gelingt, eine Hornisse zu fangen und zu töten, ist die Sache natürlich ebenfalls einfacher.
Die Kontroverse um Fallen
Wenn man versteht, dass die Nester von einer Handvoll Gründerinnen gebaut werden, die sich mühsam durch den Winter gerettet haben, kommt spontan die Idee auf, sie durch Fang zu eliminieren. Das Internet ist voller Videos, in denen Imker ihre Fallen zeigen und mehr oder weniger ausgeklügelte Modelle vorschlagen. Die Wissenschaftler sind sich einig über die Ineffektivität dieses Vorgehens sowie über seine Gefährlichkeit für die Biodiversität. Ohne wirklich selektive Lösung enden solche Fangkampagnen vor allem in Massakern an anderen Insekten. Oft braucht es Hunderte tote Insekten, um einige wenige Asiatische Hornissen zu fangen. Zudem bedeutet eine im Frühjahr getötete Asiatische Hornisse nicht mit Sicherheit ein Nest weniger. Denn mehr als 98% der Gründerinnen werden kein reifes Nest errichten können. Solche Kampagnen können die Rate höchstens um einige Zehntel erhöhen. Die meisten gefangenen Gründerinnen sind jene, die ohnehin von einem Vogel oder einem anderen Räuber gefressen worden wären. Man steht vor dem, was Mathematiker ein asymptotisches Phänomen nennen: Je näher man an 100% herankommt, desto kolossaler werden die Anstrengungen, und desto größer sind die Opfer für die Biodiversität. Und 100% erreicht man nie. Unser Kampf gegen Varroa hat es uns gezeigt: Selbst mit 98% Wirksamkeit der Oxalsäurebehandlungen gibt es im folgenden Herbst Tausende Varroa in unseren Beuten. Selbst wenn wir durch mehr Behandlungen und zusätzlichen Stress für unsere Bienen 99,5% erreichen würden, würde dies die Ausgangslage nicht grundlegend verändern.
Ein weiterer Grund, Gründerinnen im Frühjahr nicht zu fangen: Diese stehen in einer Art Konkurrenz und können sich bekämpfen und sich gegenseitig die Nester wegnehmen. Dieses Konkurrenzphänomen eliminiert einen großen Teil der Kandidatinnen, die ein reifes Nest gründen könnten. Je mehr Gründerinnen man fängt, desto weniger findet diese natürliche Auslese statt. So wird die ohnehin geringe Wirksamkeit des Fangens leider durch die Verringerung der natürlichen Konkurrenz zwischen Gründerinnen kompensiert. Drei französische Départements nehmen derzeit an einer Studie zur tatsächlichen Wirksamkeit des Frühjahrsfangs teil. Derzeit gibt es jedoch keinen Hinweis, dass er wirksam wäre, und alles zeigt, dass er gefährlich für die Biodiversität ist.
Bleibt die Frage nach Fallen in der Nähe von Bienenständen, wenn die Hornissen im Herbst angreifen. Auch hier wimmelt es im Internet von Modellen, die das Blaue vom Himmel versprechen, ebenso von Erfahrungsberichten, die zeigen, dass es nicht so einfach ist. Auch hier müssen solide Studien und Versuche abgewartet werden, die noch einige Zeit brauchen werden. Bis dahin: Tut euer Bestes.
Derzeit ist die wirksamste Lösung die folgende: Schützt die Fluglöcher mit einem 6mm-Gitter, sodass die Hornissen um etwa zwanzig Zentimeter zurückgehalten werden. Die Bienen sind dadurch weniger gestresst und unterbrechen ihre Flüge nicht. Viele Sammlerinnen gehen zugrunde, aber die Völker haben bis zu 50% höhere Chancen, über den Winter zu kommen. Details und Baupläne für solche Beuten-Maulvorrichtungen sind auf abeille.ch im Merkblatt 2.7.1 verfügbar. Warum nicht diesen Winter mit dem Bau beginnen? Ihr werdet sie früher oder später brauchen.
Konkret: Was tun?
- Plant Gitter vor euren Fluglöchern für das Saisonende ein. Es ist nie zu spät, sich mit dieser Art Material auszurüsten.
- Kümmert euch gut um eure Völker: Haltet am Ende des Sommers nur starke, vitale und bevölkerungsreiche Völker. Zögert nicht, zu vereinigen – und auch zu eliminieren –, was während der Saison schwächelte.
- Nehmt euch ab August Zeit, eure Beuten zu beobachten. Kommt regelmäßig vorbei und haltet die Augen offen. Wenn ihr Asiatische Hornissen seht, fotografiert sie oder fangt sie ein, tötet sie und kontaktiert dann apiservice per E-Mail (info@apiservice.ch) oder per Post A (apiservice, Schwarzenburgstrasse 161, 3003 Bern).
- Bereitet euch in jedem Fall vor – und zwar ab heute! Wir haben gelernt, mit Varroa zu leben; wir werden lernen, mit der Asiatischen Hornisse zu leben. Je schneller wir jedoch Ausmaß und Ernst der Bedrohung akzeptieren, desto koordinierter können wir handeln – und desto besser werden wir bestehen. Viel Glück euch, Freunde Imker. Wir ziehen im nächsten Herbst Bilanz!
Siehe auch:






