Der Klatschmohn
Dennoch ist sie vielerorts noch gut vertreten und setzt mit ihren leuchtend scharlachroten Farbtupfern Akzente in Wiesen, Gärten, Brachen und an Wegrändern.
Die Stängel des Klatschmohns, 20 bis 60 cm hoch, sind mit steifen Haaren bedeckt; bricht man sie, tritt eine Art weißer Milchsaft mit unangenehmem Geruch aus. Auch die stark gelappten Blätter sind behaart. Die Blüten bestehen aus vier großen, papierartig zerknittert wirkenden Blütenblättern. Die Staubblätter, die männlichen Organe zur Produktion und Freisetzung des Pollens, sind zahlreich und schwarz gefärbt. Der Fruchtknoten, das weibliche Organ, entwickelt sich nach der Befruchtung zu einer Kapsel, die eine große Anzahl von Samen freisetzt.
Bienen, die die Farbe Rot nicht wahrnehmen, werden durch den von den Blüten abgegebenen Duft sowie durch den Kontrast zwischen den Blütenblättern, die einen hohen Anteil an UV-Strahlen reflektieren, und den dunklen Flecken an ihrer Basis, die deutlich weniger UV-Licht zurückwerfen, geleitet. Von Mai bis August sammeln sie den Pollen, der die Besonderheit aufweist, schwarz zu sein – ein Merkmal, das den Imker überrascht, der sonst eher gelbe oder orangefarbene Pollenhöschen sieht. Der Gehalt an Proteinen und essenziellen Aminosäuren ist hoch, was den Klatschmohn zu einer wertvollen Nahrungsquelle für Bienen macht, insbesondere im Sommer, wenn das Angebot in der Natur geringer ist. Nektar produziert der Klatschmohn hingegen nicht.
Der Mohn ist eine dem Klatschmohn sehr nahe verwandte Pflanze, die entweder wegen ihrer Zierblüten kultiviert wird oder – im Fall des Schlafmohns (Papaver somniferum) – wegen seiner ölreichen Samen und seiner Kapseln, aus denen Opium gewonnen wird. Diese gärtnerische Form mit rosafarbenen Blüten wird ebenfalls von Bienen bestäubt, ebenso wie der Saat-Mohn (Papaver dubium), der in der Schweiz sehr häufig vorkommt.
Die Blütenknospen des Klatschmohns sind essbar: Mit ihrem leicht nussigen Geschmack können sie in Salaten verzehrt werden. Die reifen Samen sind – wie jene des Mohns – reich an Ölen (bis zu 40 %) und werden zur Herstellung von Spezialbroten oder Backwaren verwendet.
Quellen
T. Silberfeld, C. Reeb, Les plantes mellifères, 2016
Verschiedene Autoren, Giardinaggio senza problemi, Guida completa del Reader’s Digest, 1981
Verschiedene Autoren, Le traité Rustica de l’apiculture, 2002
Agroscope, Wichtige Pollen- und Nektarquellen für Honigbienen in der Schweiz, 2020



