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Bienen nutzen Exkremente zur Verteidigung gegen Riesenhornissen

Asiatische Bienen haben eine außergewöhnliche Technik entwickelt, um sich gegen Angriffe von Riesenhornissen zu verteidigen. Sie bedecken ihren Stock mit Tierexkrementen. 

Von Julie Kern, Futura Planet

Das Leben einer Biene ist alles andere als ruhig. Neben ihrer täglichen Arbeit, dem Sammeln von Blütennektar, muss sich ein Bienenvolk auch gegen Angriffe anderer Insekten schützen, insbesondere gegen Hornissen der Gattung Vespa. Zur Verteidigung haben Bienen mehrere Techniken entwickelt; die wohl beeindruckendste ist das sogenannte „Ersticken“, bei dem eine Gruppe von Bienen eine Hornisse umschließt, bis sie an Überhitzung stirbt. 

Auch Hornissen bedienen sich ausgefeilter Angriffstechniken: Mit ihren kräftigen Mandibeln zernagen sie den Eingang der Beute, um in diese einzudringen, oder sie hinterlassen chemische Markierungen am Flugloch. Diese dienen als Signal für einen möglichen koordinierten Massenangriff mehrerer Arbeiterinnen, die dann ein ganzes Volk vernichten können.

Die Bienen, die besonders stark Hornissenangriffen ausgesetzt sind, haben eine bislang nie dokumentierte Technik entwickelt. Arbeiterinnen suchen nach Tierexkrementen und bringen diese am Nesteingang an, um Hornissen fernzuhalten. Dieses Verhalten stellt die erste Beschreibung der Sammlung nichtpflanzlichen Materials sowie des Werkzeuggebrauchs bei Bienen dar. Es wurde bei der asiatischen Art Apis cerana in Vietnam beobachtet und in Plos One beschrieben.

Exkremente zur Vertreibung von Hornissen

Die Experimente wurden in Vietnam durchgeführt, nachdem mehrere Imker Exkremente am Eingang ihrer Bienenstöcke gemeldet hatten. Mehrere Kolonien von Apis cerana wurden über einen Zeitraum von zehn Tagen beobachtet. Entomologen stellten fest, dass die Bienen nach dem Besuch einer asiatischen Hornissenart, Vespa soror, kleine Exkrementkügelchen sammelten und mit ihren Mandibeln zum Stock brachten.

Auch mehrere Tage nach dem Hornissenangriff platzierten die Bienen weiterhin Exkremente vor dem Nesteingang. Die Wissenschaftler fanden mehrere Erklärungen für dieses neuartige Verhalten. Sie gehen davon aus, dass die Exkremente den Nesteingang vor den Mandibeln der Hornissen schützen. In Anwesenheit der Kotkügelchen verbrachten die Hornissen 94 % weniger Zeit damit, den Nesteingang zu zernagen, wenn sie dort landeten. 

Eine zweite Erklärung ist, dass der Geruch der Exkremente die chemischen Markierungen überdeckt, die Hornissen hinterlassen. Diese Markierungen zeigen anderen Hornissen die Position der Beute für einen möglichen Massenangriff an. Die Bienen sammeln Exkremente nur dann, wenn sie von besonders aggressiven Arten wie Vespa soror angegriffen wurden. Gegen kleinere Hornissenarten, die keine Massenangriffe durchführen, wie Vespa velutina, wählen sie diese Verteidigungsstrategie nicht.

Leider nutzen europäische Honigbienen diese Abwehrstrategie nicht und sind daher besonders anfällig gegenüber invasiven asiatischen Hornissenarten. 

„Die Verwendung von Tierexkrementen durch asiatische Honigbienen unterstreicht das beeindruckende Arsenal an Abwehrmechanismen, das sie entwickelt haben, um ihre Kolonien gegen einen ihrer gefährlichsten Räuber zu verteidigen. Sie verdeutlicht zugleich, warum europäische Honigbienen, denen diese Verteidigungen fehlen, Riesenhornissen so leicht zum Opfer fallen, wenn beide Arten aufeinandertreffen“, erklären die Autoren der Studie in einer Pressemitteilung.

 

Studie auf Englisch herunterladen

 

Abstract 

Honigbienen (Gattung Apis) sind für das beeindruckende Repertoire an Nestverteidigungen bekannt, das sie entwickelt haben, um ihre umfangreichen Nahrungsvorräte und großen Kolonien zu schützen. In Asien haben sich Honigbienen unter einem enormen Prädationsdruck durch soziale Wespen der Gattung Vespa entwickelt, wobei die gefährlichsten Vertreter die Riesenhornissen sind, die Kolonien gruppenweise angreifen, erwachsene Verteidiger töten und Brut erbeuten. Wir dokumentieren erstmals eine außergewöhnliche kollektive Verteidigung, die Apis cerana gegen die Riesenhornisse Vespa soror einsetzt. Als Reaktion auf Angriffe von V. soror suchten Arbeiterinnen von A. cerana Tierexkremente und brachten diese in Form von Flecken rund um den Nesteingang an. Die Kotablagerungen nahmen zu, nachdem Kolonien entweder natürlichen Angriffen oder den chemischen Substanzen ausgesetzt waren, mit denen Späherhornissen Kolonien für Massenangriffe markieren. Die Ablagerungen hielten mehrere Tage nach dem Ende der Angriffe an und traten als Reaktion auf V. soror auf, die häufig am Nesteingang landete und diesen zernagte, nicht jedoch auf Vespa velutina, eine kleinere Hornissenart, die selten an den Eingängen landet. Eine moderate bis starke Kotablagerung unterdrückte Versuche von V. soror, in die Nester einzudringen, indem sie die Häufigkeit von Angriffen mehrerer Hornissen verringerte und die Wahrscheinlichkeit deutlich reduzierte, dass sie sich den Eingängen näherten und diese zernagten. Wir argumentieren, dass A. cerana Tierexkremente sammelt, weil diese Eigenschaften besitzen, die diesen tödlichen Räuber vom Nesteingang fernhalten. Dies stellt den ersten Nachweis von Werkzeuggebrauch bei Honigbienen dar sowie den ersten Beleg dafür, dass sie feste Materialien sammeln, die nicht pflanzlichen Ursprungs sind. Unsere Studie beschreibt eine bemerkenswerte Waffe im bereits hochentwickelten Verteidigungsrepertoire der Honigbienen und verdeutlicht zugleich den starken Selektionsdruck, dem Honigbienen ausgesetzt sein werden, falls sich Riesenhornissen, die kürzlich im Westen Nordamerikas nachgewiesen wurden, dauerhaft etablieren.

 

Siehe auch:

Autor
Mattila HR, Otis GW, Nguyen LTP, Pham HD, Knight OM, Phan NT (2020) Honey bees (Apis cerana) use animal feces as a tool to defend colonies against group attack by giant hornets
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